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Zwischen Dorf und Metropole:Die Zukunft des Wohnens

Landrat Stefan Löwl (l.) und der Architekt Johann Spengler bei der Veranstaltung im Landratsamt zum Motto: Wachstum und Qualität.

(Foto: Toni Heigl)

Im Landratsamt wird das Projekt "Neue Mitte Karlsfeld" ausgezeichnet und über Konzepte für die Baukultur debattiert

Wachstum und Qualität: Unter diesem Motto hatte der Landkreis Dachau gemeinsam mit der Stadt München und dem Verein "Europäische Metropolregion München" am Donnerstag zu einer Veranstaltung im Landratsamt eingeladen. Dabei war der Blick der geladenen Fachleute, viele von ihnen aus München, vor allem auf den Landkreis Dachau und hier insbesondere auf die "Neue Mitte Karlsfeld" gerichtet. Im Wettbewerb um den "Preis für Baukultur der Metropolregion München" ist das vom Büro steidle architekten realisierte Projekt der "Neuen Mitte" mit einem Anerkennungspreis ausgezeichnet worden.

Architekt Johann Spengler des Münchner Büros war einer der Fachleute, die bei der Veranstaltung im Landratsamt über das Thema Baukultur zunächst in Kurzreferaten über Ziele und Umsetzungsmöglichkeiten zur Schaffung qualitätsvoller Neubauprojekte sprachen, um anschließend unter Leitung von Karla Schilde, Baudirektorin im Referat für Stadtplanung und Bauordnung der Stadt München, mit Landrat Stefan Löwl und Kreisbaumeister Georg Meier zu diskutieren. Spengler schilderte den Prozess der Projektrealisierung in Karlsfeld und die Grundzüge des dort umgesetzten Konzepts. Es gelte jetzt, den großen Platz zwischen den Wohn- und einem Geschäftsgebäude "zu bespielen".

"Partizipation schafft Baukultur" lautet die Überzeugung von Christian Bitter von der stattbau münchen GmbH. Er plädierte in seiner Rede für "gemeinschaftsorientiertes", insbesondere genossenschaftliches Bauen. Über das Projekt "Zwischen Dorf und Metropole" und das dabei erarbeitete "Zukunftsbild" informierte Kreisbaumeister Meier. Derzeit, so Meier, läge der Fokus der Kreisentwicklung mit der Erstellung eines Gesamtverkehrskonzepts schwerpunktmäßig auf dem Thema Verkehrsentwicklung. "Mobilität und Wohnbau werden die Themen der Zukunft sein", erklärte Meier.

Im Anschluss an die Kurzreferate der Experten moderierte Karla Schilde eine Podiumsdiskussion, an der sich neben Landrat Löwl und Kreisbaumeister Meier auch Johann Spengler und Christian Bitter sowie die Münchner Stadtbaurätin Elisabeth Merk beteiligte. Dabei sollten sich die Podiumsgäste zu ihren persönlichen Wünschen und Vorstellungen darüber äußern, wie sich das Konzept von "Baukultur" bei der Planung neuer Wohnquartiere umsetzen lasse. Während etwa für Spengler dichteres Bauen wichtig wäre, lobte Georg Meier ein ganz anderes Konzept: ein Projekt in Weyhern, in dem eine enorme Vielfalt ganz unterschiedlicher Wohnungstypen entstanden ist, die individuellen Bedürfnissen entgegenkommen. Hier sehe man, wie "gute Stadtplanung soziales Leben fördern kann." Landrat Löwl wünscht sich zur Bewältigung von Zuzug und Verkehrsproblemen eine "Drehscheibe Breitenau" mit Bahnanschluss, die "noch vor dem Stau in Dachau positioniert" würde. Einig war man sich, dass die Lösung vieler drängender Fragen nur im Verbund von Region und Metropole möglich ist. Dass sich dieser Gedanke mittlerweile dies- und jenseits der Landkreisgrenzen durchgesetzt hat, zeigte bereits die Liste der Redner und Podiumsgäste. Die Zusammenarbeit mit der Stadt München sei inzwischen sehr eng, sagt Kreisbaumeister Meier und verweist dabei auch auf den gemeinsamen Bau des in Karlsfeld geplanten vierten Gymnasiums im Landkreis. Seit der Wahl von Dieter Reiter als neuer Münchner Oberbürgermeister herrsche zwischen Stadt und Umland "ein ganz neuer Spirit". Zum angekündigten Dialog mit den Bürgern kam es nach der Diskussion der Fachleute untereinander nicht mehr. Das hat einige Besucher enttäuscht, anderen waren die Gespräche "zu wenig konkret".

Aber auch die Preisverleihung für die "Neue Mitte" in Karlsfeld und die darin geforderte stärkere Verdichtung in neuen Wohnquartieren kann nicht jeden überzeugen: Gerade aus Karlsfeld kam Kritik. Im Anschluss an die Expertenrunde konnten sich die Veranstaltungsbesucher die Ausstellung der Preisträger-Projekte, die vom Verein Metropolregion München ausgezeichnet worden waren, in der Aula des Landratsamts anschauen. Dort war dann auch Gelegenheit, untereinander und mit den anwesenden Fachleuten ins Gespräch zu kommen.

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