Als die Tür des Güterwagons aufging, sahen Moisej Beniaminowitsch Temkin und die sowjetischen Kriegsgefangenen das Licht des Morgens. Wie spät es genau war, wussten sie nicht. Stundenlang hatten sie Ende November 1941 in diesem unbeheizten Wagon verharrt. Jetzt nahmen ihnen SS-Männer die Ketten ab und trieben sie mit Schlägen nach draußen. Temkin und seine Kameraden mussten Lastwagen besteigen, die mit Planen bedeckt waren. „Die SS-Leute, die auf den Trittstufen standen, schlugen uns während der Fahrt mit ihren Gewehrkolben“, so wird sich Temkin nach Kriegsende an diesen frostigen Tag erinnern, den Tag, als er wie durch ein Wunder seiner Hinrichtung entging.
NS-Verbrechen im Zweiten WeltkriegSchmerzliche Trennung im Gedenken
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Der Beginn des deutschen Vernichtungskrieges gegen die Sowjetunion jährt sich zum 84. Mal. Doch nach wie vor sind die Verbrechen im Osten und das Schicksal der ermordeten Kriegsgefangenen blinde Flecken in der Erinnerungskultur. In Hebertshausen arbeitet man daran, das zu ändern. Der Krieg zwischen Russland und der Ukraine macht es noch schwieriger.
Von Thomas Radlmaier, Hebertshausen

Befreiung des KZ Dachau vor 80 Jahren:„Jetzt weiß ich, warum wir kämpfen“
Als Truppen der US-Armee das Konzentrationslager Dachau am 29. April 1945 befreiten, trafen sie auf rund 32 000 völlig entkräftete Häftlinge – und auf Berge von Leichen. Ein Rückblick auf historische Stunden zwischen Freude und Verderben.
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