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Zwei Dachauer im Podcast:Eine Folge, ein Lied

Machen jetzt einen Podcast: Die beiden Dachauer Simon Steinhuber (links) und Lutz Brack sprechen in "Liedzeit" alle zwei Wochen über einen Song, den einer der beiden auswählt. Neben der musikalischen Analyse geht es auch um historische Hintergründe.

(Foto: Privat)

Der Podcast "Liedzeit" von Lutz Brack und Simon Steinhuber beschäftigt sich in jeder Episode mit einem anderen Song. Neben einer musikalischen Analyse liefern die beiden jungen Dachauer auch spannende Hintergrundinformationen

Von Daniel Beckord, Dachau

Dank Internet und Computer ist die Produktion von Medien sowie auch deren Distribution so einfach wie nie zuvor. Zwei Dachauer haben sich das zunutze gemacht. Unter dem Titel "Liedzeit" produzieren sie Podcasts. Das Prinzip hinter einem Podcast, vergleichbar mit einer Radioshow, ist simpel: Ein Mikrofon, ein Thema und Menschen, die mit Begeisterung dem Zuhörer das Thema näherbringen. Dabei sind sie unabhängig, nicht mehr an große und zentrale Medieneinrichtungen gebunden. Jeder kann inzwischen seine oder ihre Ideen in Audio oder audiovisueller Form aufnehmen und hochladen, ohne dem Druck ausgesetzt zu sein, eine bestimmte Quote erfüllen oder für eine bestimmte Zielgruppe produzieren zu müssen. Und so erfreut sich der Podcast immer größerer Beliebtheit. Zwei Newcomer auf dem wachsenden Podcast-Markt sind der 27-jährige Lutz Brack und der ein Jahr ältere Simon Steinhuber aus Dachau.

Seit dem 28. November stellen die beiden sich in jeder ihrer Folgen gegenseitig ein Lied vor. Die Songs variieren dabei von modern und unbekannt bis hin zu bekannt und zum Teil auch kulturell tief verwurzelt. In jeder Folge sucht entweder Brack oder Steinhuber ein Lied aus und, sofern es lizenzrechtlich möglich ist, bekommen die Hörer eine Kostprobe.

Passend zur Weihnachtszeit durfte Ende Dezember der Klassiker "Jingle Bells" nicht fehlen. Obwohl bekannt, wissen die wenigsten, dass der Song das Erste war, das von Astronauten im Weltall im Jahr 1965 gejammt wurde.

Es wurden aber auch schon Lieder vorgestellt und analysiert wie "The Raven" von der Band "Omina", eine Vertonung des weltbekannten Gedichts von Edgar Allen Poe. Als Zuhörer hat man somit nicht nur die Möglichkeit sein eigenes musikalisches Repertoire zu erweitern und neue Perlen kennenzulernen, sondern erfährt ganz nebenbei auch noch spannende Hintergrundinformationen und Fakten über die kulturellen, gesellschaftlichen oder historischen Bezüge, die sich zwischen den Zeilen und Tönen der Liedern verstecken. Wem das noch nicht reicht, für den verlinken Brack und Steinhuber auf ihrer Webseite zu jeder Folge die Quellen und weiterführenden Links.

Die Idee zu dem Podcast entwickelten Brack, der ansonsten als Koch arbeitet, und Steinhuber, der im echten Leben Wirtschaftsinformatiker ist, recht spontan und, das betonen sie: nicht aufgrund der Corona-Krise. Brack hatte schon immer einen recht differenzierten und weitreichenden Musikgeschmack, den er gerne mit Freunden - einer von ihnen Steinhuber - teilte. Dabei sei ihnen, so erzählen sie, irgendwann der Gedanke gekommen, die Lieder nicht nur Freunden vorzustellen, sondern einem breiteren Publikum zugänglich zu machen. Steinhuber hatte dann noch die Idee, die geschichtlichen Hintergründe der Songs zu beleuchten. Zu dieser Idee habe ihn maßgeblich der Podcast "Zeitgeist und Wunderlich" inspiriert, sagt er. In dem Podcast von Max Conrad und Jan Wellnitz werden kuriose und faszinierende Tatsachen zu mal bekannteren, mal unbekannteren historischen Ereignissen analysiert.

Herausgekommen ist schlussendlich "Liedzeit". Der Podcast, das war den beiden Dachauern wichtig, besticht dabei von Anfang an durch seine professionelle Aufmachung. Steinhuber setzte sein technisches Know-How ein, um die Webseite zu gestalten und sorgt dafür, dass die Tonqualität der Aufnahmen für ein Erstlingsprojekt sehr überzeugend ist. Des Weiteren lässt er auch sein musikalisches Talent einfließen und komponierte und spielte den Introsong für die Folgen selbst ein. "Um bei der Vielzahl von Podcasts wirklich hervorzustechen, braucht man einen guten ersten Eindruck bei den Zuhörern", sagen die beiden voller Überzeugung. "Außerdem muss man sagen, ist alles aber auch noch in der Findungsphase und wir sind froh über jede Form von Feedback."

Die ersten vier der durchschnittlich 20-minütigen Folgen erschienen jeweils in der Weihnachtszeit an den vier Adventssonntagen, und das Feedback scheint bis jetzt sehr positiv zu sein. Ansporn genug, um weiterzumachen, allerdings mit neuem Rhythmus. Vom neuen Jahr an soll nur noch jeden zweiten Sonntag im Monat eine neue Episode veröffentlicht werden. "Damit machen wir es uns einfacher mit der Vorbereitung des Themas und der anschließenden Bearbeitung der Folgen", erklärt Steinhuber ihre Entscheidung. Die Recherche zu einer Folge, mit anschließender Aufnahme, kann nämlich schon mal fünf bis sechs Stunden dauern. Ganz schön viel Zeit, wenn man bedenkt, dass die beiden mit ihrem Hobby kein Geld verdienen. Aber was macht man nicht alles aus Leidenschaft.

Den Podcast "Liedzeit" kann man auf der podcasteigenen Webseite unter www.liedzeit-podcast.de anhören sowie über alle gängigen Plattformen. Die nächste Folge erscheint Sonntag, 17. Januar, um 0 Uhr.

© SZ vom 07.01.2021
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