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Zweckverband:Altomünsterer Klärschlamm soll nach Geiselbullach

Marktgemeinde will neuem Zweckverband beitreten, aber nur unter Vorbehalt

Von Horst Kramer, Altomünster

Nun hat auch die Marktgemeinde Altomünster ihr Interesse an der Mitgliedschaft bei dem geplanten Zweckverband zur Klärschlammentsorgung erklärt. Bei seinem letzten Treffen vor der Sommerpause ermächtigte der Gemeinderat Bürgermeister Michael Reiter (FWG) eine entsprechende Absichtserklärung zu unterzeichnen. Das Gemeinsame Kommunalunternehmen für Abfallwirtschaft (GfA) der Landkreise Dachau und Fürstenfeldbruck möchte schon seit längerem eine entsprechende Anlage auf seinem Gelände bauen. Der Zweck: eine Rückgewinnung vom Düngemineral Phosphat, das im Klärschlamm enthalten ist, nach dem neuesten Stand der Technik. Die sonstigen Reste werden verbrannt, die Abwärme wird für die Anlage genutzt.

Altomünsters Rathauschef Reiter baute jedoch sogleich einen Vorbehalt in die Zustimmung Altomünsters ein: "Nur wenn uns daraus kein Nachteil erwächst." Denn Altomünster ist vor gerade einmal zehn Monaten Mitglied eines ähnlich aufgestellten Zweckverbands geworden, der im Klärwerk Steinhäule bei Ulm angesiedelt ist. Der Bürgermeister führte nun Nachhaltigkeits- und Umweltschutzgründe für den Wechsel an: Die gemeindliche Kläranlage im Zeitlbachtal produziert jährlich rund 700 Tonnen Klärschlamm. Die Fahrstrecke von Unterzeitlbach nach Steinhäule beträgt rund 105 Kilometer, zur GfA nach Geiselbullach indes über die A 8 nur 32 Kilometer.

Der CSU-Umwelt- und Agrarexperte Josef Riedlberger sprach sich in der Gemeinderatssitzung ebenfalls klar für einen Verbandswechsel aus, auch er führte umwelttechnische Gründe an: "In Geiselbullach wird die Phosphatrückgewinnung auf dem neuesten Stand der Technik sein." Phosphat ist ein wichtiger Pflanzennährstoff, deswegen wurde Klärschlamm auch bis vor wenigen Jahren auf Ackerflächen ausgebracht. Wegen anderer, potenziell gesundheitsgefährdender Rückstände im Schlamm - zum Beispiele Schwermetalle oder Medikamente - schränkte der Gesetzgeber diese Nutzung ein. In zehn Jahren müssen alle Abwasserbetriebe in der Lage sein, Phosphate und Phosphor dem Klärschlamm zu entziehen.

Riedlberger sieht ein großes Potenzial für die neue Anlage auf dem GfA-Gelände, auch weil mit der Landeshauptstadt ein weiterer Großkunde praktisch vor der GfA-Tür sitzt. Weder Riedlberger noch Amtsleiter Christian Richter erwarten Probleme bei einer Kündigung der Mitgliedschaft in dem schwäbischen Verband. "Unser Anteil an der Klärschlammverbrennungsleistung beträgt nur 0,66 Prozent", begründete Richter.

Welche Kosten auf die Marktgemeinde bei dem neuen Verband zukommen, ist derzeit noch unklar. Richter erwartet ähnliche Beiträge wie in Steinhäule. Doch durch die kürzere Fahrstrecke sei die CO2-Bilanz der neuen Anlage in jedem Fall deutlich besser.

© SZ vom 03.08.2020

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