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Zustand der Mittelschule Karlsfeld:Schüler kritisieren Zustand der Karlsfelder Mittelschule

Von außen sieht man der Karlsfelder Mittelschule nicht an, in welch marodem Zustand das Gebäude in seinem Inneren ist. Im Rahmen von Projekttagen haben einige Schüler nun eine lange Liste mit Mängeln erstellt. Bürgermeister Stefan Kolbe hat sich bereits ein Bild von der Lage gemacht, doch das Problem ist: Eine umfangreiche Sanierung wäre zu teuer

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Mittelschule

Auf den Sportanlagen wächst das Gras. Sophia Noheimer (rechts) und Sana Tawaf zeigen die Mängel und hoffen auf baldige Sanierung.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Spardebatte im Haushalt ist noch nicht zu Ende geführt, da werden neue Wünsche offenbart. Die Karlsfelder Mittelschüler haben sich im Rahmen von Projekttagen ihr Schulhaus genauer angeschaut und diverse Mängel festgestellt. "Vor allem die kaputten Toiletten waren schon oft Thema in der Klasse und bei den SMV-Besprechungen (Anm. d. Red. Schülervertretung)", sagt Sophia Noheimer aus der 6b. Es ist das, was die Schüler am allermeisten stört. Die Toiletten sind nicht nur alt, bei vielen Kabinen kann man nicht mal mehr die Türe zumachen. "Ich gehe hier nie hin", sagt Sana Tawaf aus der 11b. "Ich warte immer bis ich zu Hause bin." Und da ist sie nicht die einzige. Doch es gibt noch viele andere Dinge, die renovierungsbedürftig sind: Klassenzimmer, Garderoben, Fachräume und Außensportanlagen sind zum Teil in "ziemlich desolatem Zustand", so fasst es Sportreferentin Birgit Piroué (Bündnis) zusammen. Eine Gruppe Schüler führte sie zusammen mit Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) und Schulreferentin Venera Sansone (SPD) gut zwei Stunden lang durch das Gebäude. Bei dem Rundgang wurde deutlich: Die Liste der Schäden und Unzulänglichkeiten ist lang. "Das wird eine große Investition werden", prophezeit Venera Sansone.

Auch wenn die Kommunalpolitiker angesichts der prekären Finanzlage der Gemeinde einige Bauchschmerzen hatten, so freuten sie sich doch über das Engagement der Jugendlichen. "Es war ein richtiges Demokratieerlebnis", schwärmt Sansone. "So was gab's noch nie." Es sei beeindruckend gewesen, dass sich Schüler so sehr dafür stark machen, dass sie sich an ihrem Lern- und Lebensort wohlfühlen können - besonders von den Elftklässlern, die nichts mehr davon haben werden. Denn bis die Sanierungen in Angriff genommen werden können, haben sie die Mittelschule längst verlassen. "Den Gedanken finde ich doof", sagt Sana Tawaf aus der 11b. "Ich arbeite doch nicht für mich, sondern für alle. Außerdem ist mein Bruder ja noch in der achten Klasse." Im übrigen hätten die Schüler schon öfter angemahnt, dass sie gerne saubere Wände hätten und hatten angeboten, dass sie diese sogar streichen würden, berichtet Tawaf. "Aber wir durften nicht." Als dann der Bau der Grundschule nebenan begann, hätte sich der SMV schon gefragt, warum nicht erst die Mittelschule renoviert werde, sagt die Elftklässlerin. Da sei man auf die Idee mit der Liste gekommen. Und die war ruckzuck voll.

Mittelschule

In den Wänden sind Löcher.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Im Flur zeigen die beiden Schülerinnen, wie kaputt die Garderoben sind: Die meisten Haken sind abgebrochen. Und der Schiebetürenmechanismus birgt ein großes Unfallrisiko. Noheimer und Tawaf demonstrieren das Problem. "Sie werden eigentlich nicht mehr benutzt, nur einige Lehrer der Unterstufe zwingen ihre Klassen dazu, die Jacken dort reinzuhängen", erzählt Tawaf. Und dann flögen die Sachen überall herum. Die Jugendlichen wünschen sich stattdessen Metallspinds, in die sie ihre Sachen einsperren können. "Dann hat jeder seinen eigenen Bereich - ähnlich wie in den amerikanischen Highschools", erklärt die Koordinatorin der Schülervertretung Barbara Lauterbach, die bei dem Rundgang ebenfalls dabei ist. "Dann können sie ihre Wertsachen auch mal in der Jacke lassen."

Auch die Fachräume der Mittelschule sind stark veraltet, insbesondere die Küche. "Das wird eine große Baustelle", fürchtet Sansone. Dafür brauche man auf jeden Fall eine langfristige Planung. Virulent wird das voraussichtlich erst im Sommer, wenn die Grundschüler aus der Mittelschule ausziehen. Denn dann werden die Fachräume neu organisiert, berichtet Lauterbach. Dann könne man sich Gedanken über Neuerungen machen.

Es waren aber nicht nur große Wünsche, die die Schüler vorbrachten: So hätten sie gerne neue Farbe in ihren Klassenzimmern und ein wenig neuen Putz an den Ecken und Säulen, an denen Tische und Stühle oft entlanggeschrammt waren. "Es tut ganz schön weh, wenn man mit dem Arm in den Löchern hängen bleibt", erzählt Noheimer. Außerdem zeigen die beiden Schülerinnen auf die Löcher in den Decken, wo Platten fehlen. Was da möglich ist, will Bürgermeister Kolbe nun prüfen lassen. Das Problem, wenn die Schüler selbst streichen, ist wohl die Haftung.

Auf dem Pausenhof hätten die Schüler gerne Tische zu den Bänken, damit sie auch mal draußen arbeiten können. Gerade in Coronazeiten ist das eine wichtige Option. Außerdem wünschen sie sich einen Automaten, an dem sie Getränke bekommen können. Denn der Hausmeister verkauft in der Pause nichts mehr. Die Auflagen seien so hoch geworden, sodass sich dies nicht mehr rentiere, habe er die Schule wissen lassen.

Sanierungsbedürftig sind wohl auch die Sportanlagen der Schule. Auf den roten Basketball- und Fußballfeldern wächst längst Grün. Die Linien sind kaum mehr erkennbar. Der Kugelstoßplatz ist alt und kaputt und auch die Sprunggrube ist langsam zugewuchert. Dabei machen viele Schüler ihre Abschlussprüfung in Leichtathletik, gibt Lauterbach zu bedenken. Zudem will die Karlsfelder Mittelschule Stützpunktschule für Basketball werden. Da wäre es von Vorteil, eine gute Anlage zu haben - zumindest erhöhe das die Chancen, so Lauterbach.

Mittelschule

Von Wohlfühlatmosphäre ist die in die Jahre gekommene Mittelschule nach Ansicht der Schüler weit entfernt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Am liebsten hätten die Jugendlichen auch einen neuen Kunstrasenplatz für Fußball gehabt, doch Bürgermeister Kolbe winkte gleich ab. Das koste eine Million Euro und sei schon deshalb nicht machbar. Er versprach jedoch, einen Fachmann vorbeizuschicken, um prüfen zu lassen, was man machen könne. Doch so richtig zuversichtlich sind die Schüler nach dem Besuch nicht. Zu oft erwähnte der Bürgermeister das Wort "teuer". Sie fürchten nun, dass die Toiletten womöglich wieder nicht saniert werden.

Die alte Dreifachturnhalle soll aber schon bald instand gesetzt werden: das undichte Dach erneuert, die Fassade gedämmt, ein Aufzug und eine neue Lüftungsanlage eingebaut, sowie Elektroanlage und Brandschutz auf den neuesten Stand gebracht werden. Nach derzeitigen Schätzungen kostet das rund vier Millionen Euro. Noch hofft Karlsfeld, eine Förderung zu bekommen. Über die Finanzierung wird der Gemeinderat wohl noch reden müssen. Ebenso darüber, wie man mit den Wünschen der Schüler umgeht.

© SZ vom 19.05.2021
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