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Zum Geburtstag eine Radtour:Streitbare Wächter

Naturschutz kann schweißtreibend und anstrengend sein: Bei der Mahd am Osthang vom Schwarzhölzl plagen sich die Karlsfelder Aktiven sehr.

(Foto: OH)

Die Karlsfelder Ortsgruppe des Bundes Naturschutz feiert 25-jähriges Jubiläum. Heute arbeiten 330 Mitglieder in der Biotoppflege, engagieren sich aber auch politisch für die Erhaltung gefährdeter Refugien

Die Karlsfelder Naturschützer haben viel zu tun. Daran hat sich in den vergangenen 25 Jahren nichts verändert. Seit das Moos trocken ist, kümmern sie sich darum, vor allem den Lebensraum heimischer Vögel zu erhalten. Der Biologe Josef Koller war einer der ersten, der das massive Vogelsterben in der früheren Moorlandschaft entdeckte und sich in Karlsfeld und Umgebung dafür einsetzte, dass wenigstens einige Arten weiterhin hier leben können. Und so war die Arbeit des Bundes Naturschutz in Karlsfeld anfangs in erster Linie der Biotoppflege gewidmet.

Heute ist die Arbeit politischer geworden, sagt die Vorsitzende Marion Matura-Schwarz. Vor allem der Erhalt des Regionalen Grünzugs zwischen Dachau und Karlsfeld ist ein Hauptthema der Naturschützer geworden. Eine mühsame Arbeit. "Man muss immer wachsam sein", sagt Matura-Schwarz. Anlässlich des 25-jährigen Bestehens der Ortsgruppe ist heuer jedoch kein großes Fest geplant. Das Jubiläum soll still gefeiert werden, mit eine Radtour an diesem Samstag, 5. Mai. Man will die schönen, oft unbekannten Flecken der Gemeinde abfahren. Treffpunkt ist um elf Uhr am Schorsch-Froschmayer-Platz beim TSV Eintracht Karlsfeld.

Die Geschichte der Ortsgruppe ist eine Erfolgsgeschichte. Denn die Zahl der Naturschützer ist stetig gewachsen. Inzwischen sind es mehr als 330, denen Flora und Fauna am Herzen liegen. Auch wenn sich heute vieles um die Ausweisung von Landschaftsschutzgebieten dreht oder um die Verhinderung von Umgehungsstraßen und Gewerbegebieten im Grünzug, so ist das Erbe der beiden Pioniere Josef Koller und Wolfgang Braun, die die Ortsgruppe vor 25 Jahren ins Leben riefen, keineswegs vergessen. Koller kaufte seinerzeit privat Flächen vor allem entlang der Amper, um sie für selten gewordene Vögel herzurichten. Trotzdem musste er beim Kartieren immer wieder feststellen, dass etwa 60 Prozent der heimischen Vogelarten nicht mehr da sind - unter anderem der Brachvogel und der Reiher. Mit seinem Mitstreiter Wolfgang Braun richtete er Biotope ein. Und so gibt es nun im Krenmoos eine artenreiche Wiese statt Acker. Im Schwarzhölzl bekämpfen die Naturschützer Neophyten, am Moosgraben sind Feuchtwiesen und am Karlsfelder See kümmert sich die Gruppe um den Gehölzlehrpfad. Auch eine Streuobstwiese pflegen die Aktiven. Stolz sind die Naturschützer zudem darauf, dass sie es geschafft haben, den Weiher in der Rothschwaige, wo einst das alte Sport-Berger- Gelände war, zu einem kleinen Paradies zu machen und den Bach zu erhalten, den Politiker so gerne in Rohre verpackt hätten, um besser bauen zu können. Als großen Erfolg verbuchen Matura-Schwarz und ihr Team auch die artenreiche Würmschleife, die die Gemeinde als Ausgleich für die Bayerwerkstraße anlegen musste. Insgesamt gilt es inzwischen 17 Biotope in und um Karlsfeld zu pflegen oder wiederzubeleben. Die Naturschützer wollen heuer aber auch an die Gemeinde Karlsfeld herantreten, um sie zu artenreicheren Grünanlagen zu bewegen. Bienen und Insekten sollen dort reiche Nahrung finden.

© SZ vom 05.05.2018
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