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Werben um Fachkräfte:Karlsfeld leistet sich die Großraumzulage

Die Mieten in Karlsfeld sind hoch. Offene Stellen im Rathaus muss die Gemeinde oft mehrmals ausschreiben. Jetzt steuert sie dagegen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Um im Speckgürtel der Landeshauptstadt konkurrenzfähig zu sein, entlohnt die zweitgrößte Kreiskommune ihre Mitarbeiter nun besser

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Hohe Mieten, hohe Lebenshaltungskosten - das trifft nicht nur diejenigen, die im Großraum München leben. Es trifft auch die umliegenden Gemeinden. Karlsfeld hatte im vergangenen Jahr große Schwierigkeiten die offenen Stellen in der Verwaltung zu besetzen. Nicht selten musste das Rathaus sie zwei oder gar drei Mal ausschreiben. Die Resonanz war jedes Mal gering. Nicht selten wanderten auch Angestellte ab, denn viele nehmen zum Teil weite Wege auf sich, um ins Rathaus zu fahren, weil die Wohnungen anderswo deutlich billiger sind. Andere zog es nach München, wo bislang für die gleiche Arbeit mehr bezahlt wird. Bürgermeister Stefan Kolbe hofft, dass sich dies nun ändert. Denn Karlsfeld zahlt jetzt ebenfalls die Großraumzulage für die Gemeindemitarbeiter, wie München es tut.

"Uns bleibt nichts anderes übrig. München hat das Rennen eröffnet", sagte der CSU-Gemeinderat Bernd Wanka in der jüngsten Sitzung. Geschäftsleiter Francesco Cataldo wies darauf hin, dass die meisten anderen Kommunen rund um München diese Zulage bereits zahlen - auch Dachau hat dies vor kurzem beschlossen. Um mit ihnen Schritt zu halten, sollen die 240 Gemeindemitarbeiter diese Art der Lohnerhöhung rückwirkend ab dem 1. Januar bekommen.

"Die Konkurrenz ist groß", bemerkte Franz Trinkl (SPD). "Wir können uns dies zwar nicht leisten, aber wir müssen das Geld aus dem Haushalt rausschnitzen." Karlsfeld hat derzeit einen Schuldenberg von 23 Millionen Euro. Dieser wird wegen des Schulneubaus in diesem Jahr auch noch kräftig anwachsen. Momentan wird heftig um Einsparmöglichkeiten gerungen, denn der Haushalt, den die Verwaltung vorgelegt hat, ist bislang nicht genehmigungsfähig.

Derzeit bekommen die Gemeindeangestellten zwar eine Ballungsraumzulage, doch diese beträgt laut Kämmerer Alfred Giesinger lediglich 30 bis 40 Euro. Die Münchenzulage ist deutlich höher: Für niedrigere Einkommen ist sie mit 270 Euro pro Monat dotiert, für höhere Einkommen mit 135 Euro. Zudem gibt es für jedes Kind des Mitarbeiters 50 Euro extra pro Monat, Mehrverdiener bekommen die Hälfte. Für die Gemeinde bedeutet das Ausgaben in Höhe von 470 000 Euro.

Auch für Erzieherinnen und Kinderpfleger, die seit geraumer Zeit sehr schwer zu gewinnen sind, wird Karlsfeld ab dem 1. April eine Arbeitsmarktzulage bezahlen. Für die Beschäftigten bedeutet das brutto 200 Euro mehr pro Monat. Die Gemeinde hofft so, endlich Fachkräfte gewinnen zu können. In diesem Jahr fehlten laut Giesinger 14 Fachkräfte und elf Pfleger in den Betreuungseinrichtungen. Man arbeitete deshalb mit einem geringeren Betreuungsschlüssel. Zeitweise konnten mehrere Gruppen nicht geöffnet werden, momentan fehlt noch eine. Karlsfeld leidet durch die Nähe zu München, wo bislang besser bezahlt wurde, unter den Kündigungen der Mitarbeiter - und natürlich auch unter den vakanten Stellen, die einfach nicht zu besetzen waren. "Natürlich geht es bei der Arbeitsmarktzulage auch um Wertschätzung", sagte Cataldo. "Die Fachkräfte leisten hervorragende Arbeit und davon nicht zu wenig." Etwa 170 000 Euro kostet die Gemeinde die Arbeitsmarktzulage pro Jahr. Die Zahlung bezieht sich auf die gemeindeeigenen Einrichtungen.

Auch bei der Leistungszulage will Karlsfeld sich nicht länger lumpen lassen: Statt zwei wird diese nun auf vier Prozent erhöht. Auf diese Weise bekommen verdienstvolle Mitarbeiter nach einem Punktesystem künftig einen höheren Bonus. Dieser darf jedoch nicht in Geld ausgezahlt werden, die Mitarbeiter erhalten Gutscheine etwa fürs Tanken oder Einkaufen. Diese sollen als Anreiz dienen. Rund 175 000 Euro mehr muss die Gemeinde Karlsfeld dafür in die Hand nehmen. Der Beschluss für die Mehrausgaben fiel einstimmig.

© SZ vom 29.02.2020
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