Weichs Favorit und Außenseiter

In Weichs erfährt Bürgermeister Mundl breite Unterstützung. Nur die Freien Wähler präsentieren einen Gegenkandidaten.

Von Christine Heumann

Zwei Kandidaten gibt es für das Amt des Rathauschefs in Weichs.

(Foto: DAH)

Damit hatte Franz Eichinger (Freie Wähler) nicht gerechnet. Bei der Kommunalwahl 2008 zwang ihn ein Newcomer in die Stichwahl und löste ihn dann sogar als Bürgermeister ab. Harald Mundl von der Weichser Bürgervertretung, damals 44 Jahre alt und AOK-Geschäftsstellenleiter, entpuppte sich als Senkrechtstarter schlechthin und eroberte mit 63,87 Prozent den Chefsessel im Rathaus. Sechs Jahre sind seither vergangen. Sechs Jahre, in denen Mundl zweifelsohne viel bewegt hat. Zusammen mit den Gemeinderäten von seiner Weichser Bürgervertretung (vier Sitze), von CSU (sechs), SPD (drei Sitze) und Freien Wählern (drei Sitze). "Wir haben wirklich toll und harmonisch zusammengearbeitet", sagt Mundl. Sozialdemokraten und Christsoziale unterstützten ihn deshalb auch bei der Bürgermeisterwahl 2014. "Weil es passt", wie Mundl sagt. Die Freien Wähler hingegen schicken mit Werner Dornstädter, 63, einen eigenen Kandidaten ins Rennen.

Eine kleine und späte Revanche dafür, dass Harald Mundl Franz Eichinger aus dem Amt gedrängt hat? "Ob es eine Revanche ist, weiß ich nicht", sagt Mundl. "Ein wenig hat es mich aber schon überrascht." Von Revanche will Werner Dornstädter nicht unbedingt sprechen, aber doch "von Konflikten vor der Wahl des Herrn Mundl", von Ärgernissen, die gewisse Leute forciert hätten. "Wie auch immer", sagt Dornstädter, "für mich ist eine Wahl nur eine Wahl, wenn die Bürger auch eine Alternative haben." Und deshalb habe er sich als neuer Vorsitzender der Freien Wähler - quasi zum Startup - zu einer Kandidatur entschlossen. Diese Courage habe er bis dahin vermisst. "In einer kleinen Gemeinde ist das vielleicht anders als in der Stadt. Auf dem Land neigen die Leute eher dazu, mit dem Alten zufrieden zu sein." Und weil Weichs zu den kleineren Gemeinden im Landkreis zählt, sei es nicht schlecht, "ein bisschen Wirbel zu machen".

Das mit dem Wirbel tangiert Mundl weniger. Er war angetreten, um eine, wie er sagt, offene und ehrliche Gemeindepolitik umzusetzen, um Weichs attraktiv zu machen. Attraktiv für den Zuzug junger Familien, attraktiv als interessante Gemeinde für alle Bürger. "Vorher war bei uns alles auf Sparpolitik ausgerichtet", sagt er. Und das habe der Gemeinde geschadet. "Wir mussten investieren, um zukunftsfähig zu werden." Und das ist auch passiert: Sanierung der Kläranlage, Straßenbau, Erweiterung des Gewerbegebiets - auch mit einem örtlichen Nahversorger - Ausweisung von Baugrundstücken, Ausweitung der Kinderbetreuung, schnelles Internet, neues Sport- und Bürgerhaus und der Abenteuerspielplatz.

"Auch für die nächsten sechs Jahre gibt es spannende Themen und Projekte," sagt Mundl. Er will das Ortszentrum neu gestalten. Die Gemeinde hat sich ein etwa 1800 Quadratmeter großes Grundstück in der Freisinger Straße gesichert. Dort im Herzen von Weichs wird ein neues Rathaus plus Tiefgarage und Vorplatz entstehen. Platz soll auch für die Gemeindebücherei und Sozialräume sein. Im alten Rathaus, das für die Verwaltung viel zu klein geworden ist, zieht eine dreizügige Kinderkrippe ein. "Das wird dann unser Kinderhaus", sagt Mundl. Die konkreten Pläne für das neue Rathaus werden gleich in der ersten Gemeinderatssitzung nach der Wahl öffentlich vorgestellt. "Unsere Finanzkraft wird hauptsächlich in diese zwei Großprojekte fließen", sagt Mundl. "Da bleibt nicht mehr viel Luft nach oben." Er kalkuliert mit 3,5 bis 4 Millionen Euro an Kosten. Dennoch, so betont der Bürgermeister, wird Weichs weiterhin transparent und solide wirtschaften.

Ohne konkreter darauf einzugehen, sieht Werner Dornstädter auch Schwachpunkte in Mundls Politik. "Es gibt Bürger, die eine andere Meinung haben und andere Interessen vertreten ." Auf dem Land sei die Kinderbetreuung ein großes Thema. Sieht er denn in diesem Punkt Defizite? "Man kann alles verbessern", sagt der Herausforderer. Für die Jungen ebenso wie für die Alten. "Es gibt viele kleine Einzelschritte in eine für alle lebenswerte Zukunft. Das alles muss man mit dem Siedlungsdruck aus der Großstadt in Einklang bringen." Er selbst sehe sich "als Brücke für die kommende Generation".

Zum Wahlabend sagt Harald Mundl: "Ein bisserl spannender wird er schon verlaufen." Und im Vergleich zur Vorbereitungszeit auf die Kommunalwahl sei er jetzt auch etwas angespannt. "Denn wer einen Gegenkandidaten hat, der kann auch verlieren." Das glauben ihn Weichs aber nicht wirklich viele Menschen. Mundl ist klarer Favorit. Und er baut darauf, dass die Bürger honorieren, was die Gemeinde in den vergangenen sechs Jahren geleistet hat. "Ich hoffe, die Wähler zeigen, dass sie mit mir weiterarbeiten wollen." Aber auch Außenseiter Dornstädter traut sich zu, das Amt des Bürgermeisters auszufüllen. "Ich wäre ein schlechter Kandidat, wenn ich mir keine Chancen einräumen würde. Ich hoffe, dass es knapp wird."