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SZ-Serie: Mit dem Bus in den Landkreis, Folge 7:Drängeldrama an der Haltestelle

Wenn sich die Türen des MVV-Busses der Linie 729 an der Haltestelle in Ebersbach bei Weichs morgens öffnen, müssen die Schüler schnell sein, um einen Platz zu bekommen. Oft wird dann geschubst und gedrängelt.

(Foto: Toni Heigl)

Der MVV-Bus der Linie 729 ist heillos überfüllt. In Ebersbach kommt es deshalb jeden Morgen zu chaotischen Szenen. Einige Schüler wollen nicht mehr mitfahren.

Tausende Schülerinnen und Schüler sind jeden Tag mit den MVV-Regionalbussen im Landkreis unterwegs. Viele davon sind gut besetzt, in den Fahrzeugen geht es oft hoch her. In den Bussen der Linie 729 aber spielen sich jeden Morgen chaotische Szenen ab: An der Haltstelle in Ebersbach drängen viele Schüler in den ohnehin schon überfüllten Bus. Kinder trauen sich nicht mehr einzusteigen und werden dann von den Eltern mit dem Auto in die Schule gebracht. Der Weichser Bürgermeister Harald Mundl wandte sich mit einem Brandbrief an das Landratsamt. Die Behörde hat inzwischen Kontakt mit dem MVV aufgenommen. Jetzt ist eine Lösung in Sicht: Um die Linie 729 zu entlasten, soll eine weitere Linie die Grundschule in Weichs anfahren.

Der Bus 729 verkehrt zwischen Gundackersdorf und Esterhofen und fährt über Fränking, Edenpfaffenhofen, Aufhausen und Ebersbach nach Weichs. In der Früh befördert er überwiegend Grund- und Realschüler nach Weichs. An der Bushaltestelle am Maibaum in Ebersbach bietet sich jeden Morgen das gleiche Bild: Schulkinder drängen sich vor der Tür des überfüllten Busses und versuchen, sich noch hineinzuquetschen. Manche schaffen es nicht und werden nicht mitgenommen. "Einige Kinder kamen schon zu spät zum Unterricht", klagt Sibylle Prell, stellvertretende Leiterin der Grundschule Weichs. Einige Eltern bringen ihre Kinder deshalb mit dem Auto zur Schule - was die Schule eigentlich vermeiden will, weil die Eltern-Taxis zusätzlichen Verkehr bringen. Es sei aber auch schon vorgekommen, dass Kinder gar nicht zur Schule kamen, weil die Eltern keinen Transport organisieren konnten, so Prell. "Die Situation ist ziemlich dramatisch." Manche Eltern hätten ihr auch geschildert, dass sie Angst um ihre Kinder hätten.

Einige Kinder wollen nicht mehr mitfahren

Nicole Kropf, Elternbeiratsvorsitzende der Grundschule, hat die Situation an der Haltestelle mehrmals beobachtet. Auch ihre drei Kinder benutzen den Bus. "Er war jedes Mal gerammelt voll. Die Kinder ziehen sich gegenseitig am Schulranzen rein, damit der Busfahrer die Tür schließen kann." Das Problem gebe es schon seit Jahren, doch in diesem Schuljahr sei es extrem. Betroffen seien vor allem die Erstklässler, die sich in dem Gerangel nicht so gut durchsetzen können. "Seit September fahren einige Kinder nicht mehr mit, weil sie nicht in den überfüllten Bus einsteigen wollen."

"Eltern haben mir mitgeteilt, dass ihre Kinder nicht mehr im Bus unterkommen", sagt Mundl. Das treffe besonders die Grundschulkinder. Einige seien schon weinend ausgestiegen und wollten dann nicht mehr den Bus benutzen. Mit den Bussen der Linie 729 fahren Realschüler mit, die auch andere Linien nutzen könnten. Der 729er ist aber der einzige Bus, der direkt zur Weichser Grundschule fährt. "Es ist gut, wenn die kleineren Kinder direkt zur Grundschule kommen", sagt der Bürgermeister. "Die Sechsjährigen haben einen schweren Schulranzen, mit dem sie sonst den Berg zur Grundschule hochlaufen müssten."

Brandbrief an den MVV

Das Landratsamt hat sich mit dem Problem an den MVV gewandt. "Wir haben nach den Fahrgastzahlen der Linien gefragt, die jeden Morgen zwischen Ebersbach und Weichs verkehren", so Pressesprecher Wolfgang Reichelt. Neben der Linie 729 sei noch eine weitere vollkommen ausgelastet. Laut Reichelt gibt es von 7.12 Uhr bis 7.27 Uhr sieben Fahrtmöglichkeiten zwischen Ebersbach und Weichs. Auf dieser Strecke verkehren die Linien 708, 728, 729 und 785. Mit Ausnahme der Linie 729, die direkt an der Grundschule hält, fahren die anderen Busse die Haltestelle "Ludwig-Thoma-Straße" an. Sie liegt einige hundert Meter von der Schule entfernt. Reichelt weist darauf hin, dass alle Grundschüler, die in Weichs wohnen und keinen Anspruch auf eine Busbeförderung haben, den Berg zur Schule hinauflaufen müssen.

Das Landratsamt hat den MVV gebeten, eine Linienänderung bei den anderen Bussen zu prüfen. "Das ist nicht so einfach", so Reichelt, "weil dabei auch die Taktung und die Anschlussmöglichkeiten eine Rolle spielen." Mittlerweile hat der MVV signalisiert, dass die Route einer Linie geändert werden kann. Dann werden weitere Busse die Schule anfahren. Reichelt: "Wann genau das umgesetzt wird und welche Linie das sein wird, steht noch nicht fest."

Die Lokalausgaben der Süddeutschen Zeitung suchen im Oktober gemeinsam mit dem MVV den Busfahrer oder die Busfahrerin des Jahres. Teilnahmecoupons liegen in allen Regionalbussen aus. Ihren Favoriten oder ihre Favoritin können Fahrgäste aber auch per Mail vorschlagen: busfahrer-aktion@mvv-muenchen.de.

© SZ vom 25.10.2019
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