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Weichs:Bäume blockieren Bauherrn

Drei Birken umrahmen die Heiligensäule im neuen Wohngebiet.

(Foto: Toni Heigl)

Der Weichser Gemeinderat ist sich uneins: Müssen die Birken um die Heiligensäule am Kreuzberg gefällt werden, damit der Eigentümer des angrenzenden Grundstücks seinen Garten anlegen kann? Das Problem ist die Steigung

Nur alteingesessene Weichser dürften wissen, was mit "Heignsei" gemeint ist. Den Neubürgern, insbesondere allen Nichtbayern, sei hierzu erklärt, dass dieser Begriff im Dialekt des Dachauer Hinterlands eine Heiligensäule bezeichnet. Mit diesem Bildstock am Kreuzberg zwischen Weichs und Aufhausen hat es seine besondere Bewandtnis: Grund für die Errichtung war ein Gelübde, das ein Mann bei einer unheimlichen Begegnung abgelegt haben soll.

Damals sei ein Weichser Wirt nach dem Biertrinken in Aufhausen heimgegangen. In der Dämmerung sei ihm komisch geworden. Plötzlich stand ein feuriger Schimmel vor ihm. Vor Angst um sein Leben gelobte der Wirt, dass er eine Heiligensäule errichten werde, wenn ihm nichts passiert. Er kam wohlbehalten zurück und baute den Bildstock mit einer Darstellung der heiligen Dreifaltigkeit. Nach Kriegsende wurde die "Heignsei" zerstört, um 1955 ließ sie eine Weichser Bauernfamilie neu errichten.

Viele Jahre führte die Straße von Weichs nach Aufhausen direkt an der "Heignsei" vorbei, bis mit dem Gewerbegebiet eine neue Straßenführung ausgewiesen wurde. Bei der Vermessung des Neubaugebiets "Aufhausener Feld" hatte sich ergeben, dass die "Heignsei" nicht auf Privatgrund steht, sondern zur Fläche des Bebauungsplans gehört. Aufgrund dessen hat die Gemeinde 2014 das von drei stattlichen Birken eingerahmte Flurdenkmal als öffentliche Grünfläche ausgewiesen und zur Pflege der Ortsgruppe des Bundes Naturschutz übergeben. Mit dieser Baumgruppe, die an die Ostseite des Neubaugebietes angrenzt, hatte sich jetzt der Gemeinderat zu befassen.

Schon im Dezember hatten die Gemeinderäte in nichtöffentlicher Sitzung lebhaft über einen Schnellantrag von SPD-Gemeinderat und Landschaftsarchitekt Simon Kammermeier diskutiert. In dem Antrag hatte er auf den "großen Höhensprung" verwiesen für die Grundstücksbesitzer an der Ostseite des Aufhausener Feldes. Demzufolge müssten die Bauherren eventuell eine gemeinsame Mauer planen. Bei einem der Grundstücke würde diese Mauer sich nicht mit den drei Birken an der "Heignsei" vertragen. Kammermeier zufolge könnte der Besitzer an seiner Grenze überstehende Wurzeln und Äste entfernen lassen. Allerdings würde dies vermutlich das Absterben von mindestens zwei der Birken nach sich ziehen. Deshalb sollen die Bäume gefällt und stattdessen eine Ersatzpflanzung vorgenommen werden. Laut Voranfrage werde die Untere Naturschutzbehörde dieses Vorgehen genehmigen.

Einige Räte sprachen sich jedoch gegen die Fällung der Birken aus. Der Bauherr wusste ja schließlich beim Kauf des Grundstücks, dass die Bäume dort stehen und dass er darauf Rücksicht nehmen muss. Zudem stellte sich die Frage, ob es sich um einen Planungsfehler seitens des Bauleitplanung handelt. Schließlich müsste man damit rechnen, dass nach den erforderlichen Abgrabungsarbeiten die Bäume umfallen und die Sicherheit beeinträchtigen könnten. Auf Nachfrage der Gemeindeverwaltung wies das Ingenieurbüro eventuelle Planungsfehler zurück. Stützmauern entlang der Baugrenzen zur freien Landschaft hin seien unzulässig. Der Höhenunterschied könne vielmehr durch eine Geländemodellierung der verbleibenden Fläche ausgeglichen werden. Eine Fällung der Birken ist nach Ansicht des Planers nicht nötig.

Diesem Argument widersprach nun der SPD-Gemeinderat Simon Kammermeier in der jüngsten Sitzung. Er bezeichnete das betreffende Grundstück mit der 3,50-Meter-Engstelle an der "Heignsei" als Extremfall. Aufgrund der Steigung von nahezu 50 Prozent sei eine Gartennutzung nicht möglich, gab er zu bedenken. Birgit Singer (CSU) warnte indes vor einer Stützmauer. Wenn man sie zulasse, könne man einen Präzedenzfall für die anderen Grundbesitzer schaffen. SPD-Gemeinderätin Petra Hesse bezeichnet es als "ziemlich hart", ein teures Grundstück ohne Garten gekauft zu haben. Auf Vorschlag von Bürgermeister Harald Mundl einigte man sich schließlich, dass Landschaftarchitekt Kammermeier bis zur nächsten Sitzung einen Gestaltungsvorschlag für die "Heignsei" als 3-D-Modell ausarbeitet.