Weichenstellungen im Familienausschuss Jugendkulturzentrum wird konkreter

In diesem Trakt der alten Papierfabrik sollen sich die Dachauer Jugendlichen kreativ austoben können.

(Foto: Toni Heigl)

Im denkmalgeschützten Gebäudetrakt der ehemaligen MD-Papierfabrik plant die Stadt Bandübungsräume und einen großen Veranstaltungsraum für junge Leute. Der Kreisjugendring soll sich das Betriebskonzept dazu überlegen

Von Petra Schafflik, Dachau

Für ein Jugendkulturzentrum in Dachau hat der Familien- und Sozialausschuss jetzt wichtige Weichen gestellt. Nun soll langsam konkret werden, was schon vor Jahren als Idee entwickelt worden ist: ein Zentrum für kulturelle Aktivitäten von Jugendlichen, installiert im denkmalgeschützten Gebäudetrakt der ehemaligen MD-Papierfabrik. Schon 2007 wurde ein umfangreiches Konzept für so ein Multifunktionshaus der Jugendkultur von der damals eigens gegründeten "Initiative Jugendkulturzentrum" vorgestellt. Da mit den Abbrucharbeiten bald die Transformation des alten Fabrikgeländes startet, "ist der richtige Zeitpunkt, das Thema auf Gleis zu setzen", erklärte Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). Das sahen auch die Stadträte so, die in der Vergangenheit schon mehrfach das Projekt grundsätzlich befürwortet hatten. Nach intensiver, konstruktiver Debatte wurde entschieden, Varianten mit einem Saal für 220 wie auch für 500 Personen weiterzuverfolgen. Der Kreisjugendring soll mitteilen, welche Kosten für ein Betriebs- und Organisationskonzept entstehen. Weil die geplante Einrichtung über die Stadt hinaus wirken soll, wird auch eine Kooperation mit dem Landkreis geprüft.

Für die Jugend gibt es in der Stadt zwei betreute Jugendzentren und mit dem Freiraum einen selbstverwalteten Treff. Dennoch fehlt immer wieder ein geeigneter Raum für kreative Ideen, für Projekte die Platz brauchen, für Musik, die laut ist, für Partys die wenig kosten. Schon 2006 haben sich deshalb Vereine und Jugendorganisation zusammengetan, um ein Jugendkulturzentrum (Juku) auf dem MD-Gelände zu initiieren. Das Juku soll nach der Vorstellung der Initiatoren einen Saal und verschiedene kleinere Räume für Workshops und Veranstaltungen bieten. Stattfinden könnten dort Konzerte, Partys, Theater, Kleinkunst, Tanz und Ausstellungen. Als Treffpunkt der jungen Leute soll ein Jugendcafé eingerichtet werden. Eine 2017 vom Stadtrat beim Dachauer Architekturbüro Endter in Auftrag gegebene Machbarkeitsstudie hat ergeben, dass im denkmalgeschützten Gebäudetrakt an der Ecke Ludwig-Thoma- / Konrad-Adenauer Straße ein Saal für 200 Leute plus diverse Nebenräume entstehen könnten. Für einen Saal mit Platz für 500 Zuschauer, wie ihn sich die Initiatoren um den Dachauer Kreisjugendring wünschen, müsste die Raumkapazität vom Eckgebäude in einen der Seitenflügel Richtung Kalanderhalle oder Wasserturm erweitert werden.

Die Frage der idealen Größe für so einen neuen Veranstaltungssaal in der Stadt wurde auch im Ausschuss intensiv diskutiert. Jugendreferentin Luise Krispenz (Grüne) sprach sich für eine großzügige Planung aus. Kulturamtsleiter Tobias Schneider mahnte, sich diese Entscheidung gut zu überlegen. "Wer sollen die Bands sein, die 500 Zuhörer ziehen? Es macht keinen Sinn, den Saal nur alle zwei Wochen zu bespielen." Allerdings ist der Stockmann-Saal im Thoma-Haus als einzige Veranstaltungsstätte mit 500 Plätzen gut ausgelastet, erklärte Schneider auf Nachfrage. Weshalb einige Stadträte durchaus Bedarf sehen, sodass nun beide Varianten weiter geprüft werden. Noch zu klären bleibt auch, ob die ehemalige Betriebskantine künftig als Jugend-Café genutzt werden kann. Diese Räume werden nun nämlich doch nicht vom geplanten Museumsforum mit Beschlag belegt und wären damit fürs Juku nutzbar. Allerdings ist offen, ob sich dort Denkmalschutz und Jugendkultur unter einen Hut bringen lassen.

Eingehend beraten wurde auch, ob das Juku eine Dachauer Einrichtung werden oder über die Stadt hinaus in den gesamten Landkreis wirken soll. Eng verknüpft damit ist die Frage, ob eine Kooperation mit dem Landkreis anvisiert wird für das Vorhaben, das 1,5 Millionen Euro oder in der größeren Variante leicht sechs Millionen Euro kosten könnte. Das Mehr an Raum ist unverhältnismäßig viel teurer, weil ab 200 Plätzen deutlich striktere Brandschutzauflagen greifen, erläuterte Oberbürgermeister Florian Hartmann. "Je mehr Personen desto aufwendiger." Die Frage der Finanzierung und Trägerschaft hat Auswirkungen, erklärte Amtsleiter Markus Haberl. Denn im Juku sollen Werkstätten, Film- und Tonstudio mit kostspieliger Ausstattung entstehen. Da sei es schon relevant zu wissen, ob dieses Angebot nur Jugendliche aus Dachau oder alle jungen Leute aus dem Landkreis nutzen können. Schon bei der Konzeption hätten sich Kulturinitiativen aus dem gesamten Landkreis mitgewirkt, erklärte Ludwig Gasteiger, Geschäftsführer des in der Initiative Juku stark engagierten Kreisjugendrings. Das Jugendkulturzentrum werde "eine wichtige Einrichtung für die Jugend, die in die gesamte Stadtgesellschaft wie auch den Landkreis hinaus wirkt", sagte Gasteiger.