Wegen des freien Blicks auf das Schloss Denkmalschutz behindert Barrierefreiheit

Wenigstens die Ausstellungsräume im ersten Stock sollten mit einem Lift erreichbar sein.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ein Aufzug würde Künstler und Besucher des Wasserturms glücklich machen. Doch die Vorgaben sind streng

Von Gregor Schiegl, Dachau

Zwei Orte gibt es für passionierte Treppensteiger in Dachau: die Martin-Huber-Treppe hoch zur Altstadt und den Wasserturm auf dem Schlossberg. Vor 20 Jahren hat eine Initiative von Bürgern das altehrwürdige Gebäude vor dem Abriss bewahrt. Heute ist der Förderverein Wasserturm um ihre rührige Vorsitzende Karin-Renate Oschmann vor allem ein Kunstverein, der den Turm regelmäßig mit Ausstellungen bespielt - ohne Zuschüsse der Stadt. Der Förderverein zahlt dem Eigentümer, den Stadtwerken Dachau, sogar Wasser, Strom und Miete. Nun werden auch Mieter älter und ihre Besucher, weshalb es schon seit längerem Überlegungen gibt, das Gebäude mit einem Aufzug auszustatten, und wie es aussieht, wird das Thema wohl bald wieder auf der Agenda des Stadtrats landen.

2014 hatte der Seniorenbeirat schon einmal einen Aufzug für den Wasserturm beantragt. Nachdem den Stadträten im Werkausschuss eine Kostenschätzung von etwa 350 000 Euro präsentiert worden war, schien das Thema erledigt. Doch nun gibt es möglicherweise eine günstigere Variante: einen Außenaufzug, wie ihn die Kirchenverwaltung von Sankt Jakob erst in diesem Sommer an der Fassade ihres Pfarrheims installiert hat, um ältere und behinderte Menschen nicht länger auszuschließen.

Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) hat die Idee schon mal auf ihre Machbarkeit abklopfen lassen - mit ernüchterndem Resultat. Die Denkmalschutzbehörde habe sich zu den Überlegungen "skeptisch" geäußert, berichtet er. "Die Gestaltung des Aufzugs spielt eine erhebliche Rolle." Keinesfalls dürfe sie auf der dem Schloss zugewandten Seite angebracht werden, von der man den alten Turm weithin sieht. Allerdings stehen auf der anderen Seite alte Bäume, die dem Bau womöglich im Wege stünden. "Es ist immer schwer, Denkmalschutz und Barrierefreiheit zu vereinbaren", seufzt Hartmann. Und noch ein Problem gibt es: Mit den üblichen Außenaufzügen für Wohnhäuser komme man nur in die erste der drei Etagen. Sollte die Stadt tatsächlich einen Aufzug bauen, dann für alle Stockwerke und nicht nur für das eine.

Die Vorsitzende des Fördervereins ist anderer Meinung: Die dritte, kaum genutzte Etage an einen Aufzug anzubinden, sei "absurd". Im zweiten Stock wäre der Aufzug zwar wünschenswert, weil sich dort auch die Kaffeeküche befindet, wichtig sei aber vor allem, die unterste Etage, für die man auch noch knapp 100 Stufen laufen muss. "Wir brauchen den Aufzug weniger wegen der Besucher als wegen der Künstler", sagt Karin-Renate Oschmann. Steinskulpturen und andere schwere Werke seien die Stufen kaum hinauf- und hinunterzuschleppen. Teilweise behelfen sich die Künstler mit abenteuerlichen Transportrutschen. "Das ist auf Dauer kein Zustand." Ein Antrag des Fördervereins an die Stadt soll Klarheit schaffen, ob es nicht doch eine Lösung gibt.