Süddeutsche Zeitung

Ausstellung:Freundinnen der Kunst

In ihrer ersten gemeinsamen Ausstellung "FarbStoffRaum" im Dachauer Wasserturm zeigen die Malerinnen Kristin Mettcher und Anna Kroschewski neben einem bemalten Surfbrett auch Abstraktes und Fluoreszierendes.

Von Jana Rick, Dachau

Fast 80 Werke abstrakter Kunst zieren derzeit den Dachauer Wasserturm. Anna Kroschewski und Kristin Mettcher stellen dort ihre Arbeiten aus, unter dem Titel "FarbStoffRaum". Ein Wortspiel, das drei wesentliche Elemente ihrer Kunstwerke vereint: Ausdrucksstarke Farbigkeit zeichnet ihre Malereien aus, grelle und bunte Töne ziehen sich durch alle drei Räume des Wasserturms, auch durch das gesamte Treppenhaus. Mit dem Fokus auf Stoff betonen die beiden Künstlerinnen ihre Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien und Untergründen, sei es Acryl oder Mixed Media, auf Papier oder Leinwand. Oder sogar Kunst auf einem Surfbrett, das ebenso im Wasserturm ausgestellt ist. "Ich wollte ausprobieren, wie es sich anfühlt, auf Holz zu malen", erklärt Kroschewski mit Blick auf das blau-grün-weiß bemalte Kunstwerk. Eigene Räume wiederum schaffen die beiden Künstlerinnen durch Vielschichtigkeiten und farbliche Überlagerungen.

Kroschewski ist freischaffende Künstlerin und Kunstpädagogin aus Röhrmoos, ihre Werke hat die 43-Jährige bereits unter anderem im Dachauer Schloss ausgestellt, auf dem Kult-Festival in Dachau und auf der Stroke Art Fair Messe in München. Die Dachauerin Kristin Mettcher arbeitet als Grafikdesignerin und gestaltet hauptberuflich Logos, Illustrationen und Layouts. Für sie ist es die erste Ausstellung ihrer Malereien, die für sie seit Jahren einen Ausgleich zum Grafikdesign bieten. "Im Grafikdesign bin ich oft gebunden, während ich beim Malen die vollkommene Freiheit habe, alles selbst zu entscheiden und mich leiten zu lassen", erklärt die 44-Jährige.

Die beiden Künstlerinnen kennen sich über eine gemeinsame Freundin und entschieden sich vor einem Jahr zu einer gemeinsamen Ausstellung. Was die beiden Freundinnen verbindet, ist die Liebe zur Kunst und zur Malerei, und dies von Kindesbeinen an. Beide wuchsen in Künstlerfamilien auf, und Kroschewski erinnert sich, dass ein Blatt Papier und Farben sie schon im Kleinkindalter faszinierten. Was die beiden Künstlerinnen außerdem gemeinsam haben, sind ihre Rollen als Mütter. Ihre Kinder sind miteinander befreundet und werden auch hin und wieder als Rat gebende Betrachter hinzugezogen. Wobei beide Künstlerinnen am liebsten alleine malen, um sich vollkommen Farbe, Stoff und Raum zu widmen. Was ihre Kunst verbindet, ist das Abstrakte, losgelöst von gegenständlicher Malerei. Die Werke der beiden Freundinnen harmonieren über die Stockwerke und Räume hinweg, sie beleben den Wasserturm mit fröhlichen und lebendigen, aber auch verträumten Malereien.

Kroschewski und Mettcher erklären, dass ein weiteres Merkmal ihrer Werke die Freiheit sei. Freiheit, sowohl im Entstehungsprozess für sie als Künstlerinnen als auch für die Betrachter, da ihnen Interpretationsspielräume offengelassen werden. "Menschen sind stets auf der Suche, etwas zu erkennen", so Kroschewski. In einem ihrer Gemälde hat eine Besucherin einen Vogel erkannt, in einem anderen einen bunten Totenkopf. Beide Malerinnen wollen in ihren Bildern nicht zu viel vorgeben, auch nicht durch die Namen, die sie ihren Bildern gegeben haben.

Und doch sind die Werke von Kroschewski und Mettcher ganz unterschiedlich und klar voneinander zu unterscheiden: In Kroschewskis Bildern erkennt man Grenzen und geschlossene Formen, während Mettcher mit fließenden Bewegungen arbeitet, mit Dynamiken und Farbverläufen. So erkennt man in "La boum" bunte Linien und Wellen, die sich vereinen und wieder verlaufen. Tanzende Farbverläufe sozusagen, denn Mettcher möchte mit dem Bild eine Partystimmung übermitteln. Dabei kam auch fluoreszierende Farbe zum Einsatz, die im Schwarzlicht neon-orange leuchtet.

Dass hinter der Ausstellung viel Arbeit steckt, merkt man bei der Zusammenstellung der Bilder und staunt, wenn die beiden Künstlerinnen erklären, dass die meisten Bilder innerhalb eines Jahres entstanden sind, in Vorbereitung auf die Ausstellung. Liebevoll dekorierte Vasen mit Blumen aus dem eigenen Garten runden die Ausstellung ab. Man merkt den beiden an, dass sie stolz sind auf das, was ihnen durch die gemeinsame Ausstellung gelungen ist. Einige Bilder haben bereits durch Käufer ein neues Zuhause gefunden, was für Mettcher mit ihrer ersten Ausstellung ein neues Gefühl ist.

Die beiden Künstlerinnen stehen den Besuchern gerne jederzeit zur Verfügung, betonen sie und freuen sich über Fragen und Austausch zu ihren Bildern— zu Farben, Stoff und Raum.

Die Ausstellung "FarbStoffRaum" ist noch bis Sonntag, 1. Oktober im Dachauer Wasserturm am Hofgartenweg zu sehen. Die Öffnungszeiten sind Donnerstag bis Samstag 16 bis 19 Uhr und Sonntag 14 bis 18 Uhr.

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