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Wasser marsch:Karlsfeld sprudelt wieder

Via Facebook hatte ein Elektroingenieur aus Karlsfeld angeboten, sich den Franz-von-Assisi-Brunnen in seiner Nachbarschaft mal anzuschauen.

(Foto: Toni Heigl)

Durch das Engagement eines Bürgers könnte die Gemeinde nach Jahren wieder einen aktiven Brunnen bekommen

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Karlsfeld hat zwar einen Brunnen im Wappen, doch ein munteres Plätschern hört man nirgends. Zwar gibt es schön gestaltete Brunnen in der Gemeinde, etwa die stählernen Blüten, die sich an der Münchner Straße in die Höhe recken oder die Krenmoos-Fontäne, die der Karlsfelder Bildhauer Klaus Herbich 1997 geschaffen hat, auch der Franz-von-Assisi-Brunnen ist besonders. Aber in allen herrscht Trockenheit - zum Teil schon seit mehr als zehn Jahren. Sehr zum Verdruss vieler Bürger, die die Brunnen gerne in Betrieb sehen würden. Bisher hieß es jedoch immer, die Instandsetzung sei zu teuer. Jetzt naht Hoffnung: "Im Frühjahr könnte der erste Brunnen in Karlsfeld wieder sprudeln", kündigte Bürgermeister Stefan Kolbe am Dienstag im Hauptausschuss an.

Vor eineinhalb Jahren hatte sich ein Elektroingenieur via Facebook angeboten, den Franz-von-Assisi-Brunnen in seiner Nachbarschaft mal anzuschauen und wenn möglich zu reparieren. "Ich versuche Sachen am Leben zu erhalten", sagte der 63-Jährige damals. Seit Mitte der Neunziger, als das Wohngebiet entstand, sitzt der bronzene Franz von Assisi mit seinen Vögeln bereits auf dem Platz. Früher planschten Kinder zu seinen Füßen, doch seit einigen Jahren sammelt sich dort nur noch Müll. Das gefiel dem hilfsbereiten Mann nicht. "Ich repariere viel, was andere wegschmeißen würden", sagte er.

CSU-Gemeinderat Bernd Wanka sagte gleich: "So ein Angebot lassen wir nicht liegen." Bürgermeister Kolbe reagierte zunächst deutlich reservierter. Da müsse ein Ingenieurbüro dran, sagte er damals. Kolbe hatte Sorge wegen des Haftungsrisikos und dass der TÜV die Reparatur nicht abnehmen würde. Doch inzwischen haben beide eine Lösung gefunden und Kolbe jubiliert: "Es ist eine tolle Geschichte, wenn Bürger sagen, sie helfen."

Die Kosten, die das Ingenieurbüro veranschlagt hatte, "waren zu hoch", sagt Kolbe. Um Dichtungen und die Elektrik der Pumpanlage zu erneuern, hätte die Gemeinde Karlsfeld mindestens 50 000 Euro investieren müssen. Rechnet man eine fünfprozentige Kostensteigerung pro Jahr währen es inzwischen sicher 65 000 Euro, so die Verwaltung. Hinzu käme die Wartung für etwa 2300 Euro, nicht zu vergessen die wöchentliche Kontrolle und Reinigung. Angesichts der leeren Gemeindekasse wäre wohl nie mehr Wasser durch den Kaskadenbrunnen gelaufen, hätte der Elektroingenieur nicht sein Fachwissen, seine Zeit und Arbeitskraft ehrenamtlich zur Verfügung gestellt. Seit einiger Zeit werkelt er nun schon mit einem Nachbarn an dem Brunnen. "Er spricht alles mit uns ab", sagt Kolbe. Die Materialkosten übernimmt die Gemeinde. Dafür hat der Bürgermeister jetzt 10 000 Euro im diesjährigen Haushalt bereitgestellt. "Es sind überschaubare Kosten." Ein neues Schaltwerk war wohl nötig und eine Pumpe. Wenn die freiwilligen Helfer fertig sind, wird der TÜV das Werk abnehmen. "Ich freue mich, wenn der Brunnen läuft", sagt Kolbe.

Die anderen Brunnen werden allerdings bis auf weiteres trocken bleiben. Denn die Instandsetzung ist dort schwieriger. Bei der Krenmoos-Fontäne am Drosselanger etwa funktionieren die Pumpen nicht mehr und die Rohrleitungen müssten erst einmal gespült werden. Ein Rohrbruch hatte den Schacht unter dem Brunnen geflutet und die Schaltanlage regelrecht absaufen lassen, so die Gemeinde. Bevor man eine Sanierung in Angriff nähme, müsse man erst mal eine umfangreiche Planung machen, heißt es. Ein früherer Gutachter hatte Instandsetzungskosten von etwa 100 000 Euro angesetzt. Derzeit ist das für die Gemeinde nicht bezahlbar.

Beim Franz-von-Assisi-Brunnen hat Kolbe die Sanierung zur "Chefsache" erhoben. Er habe das Bürgerengagement unterstützen wollen, erklärte er den Gemeinderäten.

© SZ vom 01.03.2021
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