Pilze sammeln:"Wo viele Fliegenpilze sind, sind meistens auch Steinpilze in der Nähe"

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Pilze sammeln: Die Pilzsaison ist gerade in vollem Gange, dem Regen der vergangenen Wochen sei Dank.

Die Pilzsaison ist gerade in vollem Gange, dem Regen der vergangenen Wochen sei Dank.

(Foto: Robert Günther/dpa-tmn)

Als ehemaliger Förster ist Franz Knierer ein Pilzprofi. Er erklärt, worauf man bei der Schwammerlsuche achten sollte und was sie über den Zustand des Waldes verraten.

Interview von Paulo David Plautz

35 Jahre lang war Franz Knierer Förster im Revier Odelzhausen im Dachauer Land. Neben seiner beruflichen Tätigkeit im Wald war er immer schon ein leidenschaftlicher Sammler von Pilzen - und ist es auch jetzt, wo er im Ruhestand ist, geblieben. Im Interview erzählt er, worauf man dabei achten sollte, was in diesem Jahr anders ist als sonst und welche Wirkung die trockenen Sommer und der Klimawandel auf die Pilze haben.

SZ: Herr Knierer, als Förster war der Wald jahrelang sozusagen ihr Arbeitsplatz. Kann das Sammeln von Pilzen so überhaupt noch ein Hobby sein?

Franz Knierer: Selbstverständlich. Das Sammeln ist ein Urinstinkt der Menschen, daher kann ich nicht einfach dran vorbeigehen, wenn ich einen schönen Steinpilz sehe.

Waren Sie dieses Jahr schon sammeln?

Wir waren schon ein paar Mal sammeln. Dieses Jahr hat die Pilzsaison erst sehr spät begonnen, im Vergleich zu den Vorjahren. Durch die Trockenheit hat es an manchen Plätzen fast gar keine Pilze gegeben, auch keine ungenießbaren. Aber seit ein paar Wochen, nach dem Regen, kommen sie und jetzt geht es richtig los.

Sind Sie dazu vor allem in ihrem alten Revier in Odelzhausen unterwegs?

Ja und außer mir sind dort noch viele andere fleißig am Sammeln. Gerade in Autobahnnähe sieht man fast in jeder Zufahrt zum Wald ein Münchener Kennzeichen stehen.

Eignen sich die Wälder im Landkreis also besonders zum Sammeln?

Genau, die Nadelwälder sind besonders für Steinpilze oder Maronen geeignet. Das sind dann auch die Pilze die am häufigsten von den Leuten gesammelt werden.

Pilze sammeln: Franz Knierer ist leidenschaftlicher Pilzsammler.

Franz Knierer ist leidenschaftlicher Pilzsammler.

(Foto: Toni Heigl)

Haben Sie als ehemaliger Förster Geheimtipps?

Da kommt man schon alleine drauf, wenn man so ein bisschen durch den Wald geht. Man kann aber grundsätzlich sagen: Wo viele Fliegenpilze sind, sind meistens auch Steinpilze in der Nähe.

Worauf sollten Sammlerinnen und Sammler beim Suchen achten?

Nur Pilze ernten, die man kennt. Im Übrigen entstehen die meisten Pilzvergiftungen nicht durch giftige , sondern durch verdorbene Pilze. Man sollte also immer junge, frische Pilze ernten und die dann nicht ewig rumstehen lassen, sondern zügig verarbeiten - möglichst noch am gleichen oder nächsten Tag.

Gibt es dennoch giftige Pilze, die man meiden sollte?

Also wenn man beispielsweise Röhrlinge sammelt, ist das Schlimmste, Satans-Röhrlinge zu erwischen - da gibt es dann Bauchweh. Oder Gallen-Röhrlinge, die bitter schmecken und das Pilzgericht verderben. Da lernt man dann sehr schnell (lacht). Gefährlich wird es nur, wenn man nach Blätterpilzen, wie zum Beispiel Champignons, sucht und mit dem Knollenblätterpilz verwechselt. Bei dem schmeckt man zunächst nichts. Wenn 24 Stunden danach jedoch Symptome auftreten, kann es brenzlig werden, denn der Pilz ist tödlich. Man sollte sich bei der Suche daher schon sicher sein.

Sie hatten anfangs die Trockenheit erwähnt. Nun reiht sich ein trockener Sommer an den nächsten, Extremwetterereignisse nehmen zu, der Klimawandel macht sich bemerkbar. Wie wirkt sich das auf die Pilzpopulation aus?

Bei der Frage sehe ich Pilze nicht nur als Sammelobjekt, sondern als ganz wichtigen Symbiosepartner für die Waldbäume. Das was wir für den Kochtopf ernten, sind ja nur die Früchte. Der eigentliche Pilz findet unter der Erde statt und tauscht als komplexes Lebewesen zum Beispiel Nährstoffe mit dem Baum aus. So wird die Wurzelkapazität der Bäume durch die Pilze in den Feinwurzeln bis um das Zehnfache erhöht. Daher spielen Pilze eine wichtige Rolle im Waldökosystem. Wenn Einwirkungen von außen, wie Temperaturerhöhungen oder Stickstoffeinträge das Gleichgewicht stören, dann kann das ungeahnte Folgen haben.

Haben Sie diesbezüglich bereits während Ihrer Zeit als Förster Veränderungen festgestellt?

Meinem Eindruck nach, ja. Durch die erhöhten Stickstoffeinträge findet eine Überdüngung des Waldbodens statt, wodurch beispielsweise die Population der Hallimasche zugenommen hat. Das ist kein Symbiosepilz, sondern ein Parasitenpilz, der die Wurzeln der Bäume und die Stämme zum Faulen bringt. Dadurch werden zum Beispiel die Fichten stärker vom Borkenkäfer befallen und können von einem Sturm schneller gefällt werden.

Wie lange können sich Sammlerinnen und Sammler in diesem Jahr noch auf die Suche nach Pilzen machen?

Solange es regnet und feucht ist. Vorbei ist es, wenn der Frost kommt.

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