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Wahlkampf in Dachau:Rote Schuhe für den Wahlkampfmarathon

Wahlkampf Auftakt

Links rote Fähnchen über grünen Flaschen, daneben Michael Schrodi bei der perfekten Inszenierung im Thoma-Haus.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

SPD schickt Michael Schrodi mit viel Rückenwind und der nötigen Ausrüstung ins Rennen um das Bundestagsmandat

Von Stefan Salger, Fürstenfeldbruck

Das ist mal ein passgenauer, perfekt inszenierter Wahlkampfauftakt: kurze knappe Statements, punktgenauer Applaus. Nach der internen Nominierung im November hat die SPD am Donnerstag Michael Schrodi nun auch mit dem nötigen Tamtam als Bundestags-Direktkandidat ins Rennen geschickt. Die ganze Welt kann hautnah miterleben, wie dem 43-Jährigen am Vatertag die Treue geschworen wird. Nichts ist dem Zufall überlassen. Per Chat gibt es Regieanweisungen für die Zuschauer wie in einer TV-Liveshow: "Applaus!" Und man erfährt nebenbei sogar, dass alle leibhaftigen Teilnehmer "einen Schnelltest gemacht haben".

Die Parteifreunde und Reporter sitzen nicht vor der Bühne des Ludwig-Thoma-Hauses in Dachau, sie sind via Zoom zugeschaltet. Gut 60 sind live dabei, als Schrodi mit Blick auf die Bundestagswahl im September seine Forderungen und Ziele umreißt. Hinter ihm hängt ein Plakat, das noch vom Auftritt des Vizekanzlers Olaf Scholz im Mai 2019 beim Politischen Frühschoppen in Fürstenfeldbruck übrig geblieben ist. Links stehen auf einem Bistrotisch fünf grüne Glasflaschen, in denen SPD-Fähnchen stecken. Passt wunderbar: Grün unten, rot oben! Denn Schrodi arbeitet sich in seiner kurzen, aber prägnanten Rede nicht nur an den ungeliebten Noch-Koalitionspartnern CDU und CSU ab, sondern - frei nach Jim Knopf von der Augsburger Puppenkiste - auch an den grünen "Scheinriesen". Bevor Schrodi aber den Mundschutz ablegen darf, wird die Wahlkampfmaschine von namhaften Fürsprechern auf Touren gebracht. Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann, Puchheims Bürgermeister Norbert Seidl, sein Olchinger Kollege Andreas Magg, die einstige Landtagsabgeordnete Kathrin Sonnenholzner sowie die Jusos Emina Burnic und Ludwig Prischenk legen Schrodi den roten Teppich aus. Hartmann sieht die Partei mit Scholz und Schrodi gerüstet für eine "soziale Klimapolitik". Seidl sieht in ihnen Garanten für die finanzielle Ausstattung der Gemeinden. Magg lobt, dass der Olchinger Schrodi "immer sofort da" sei, wenn man seine Unterstützung benötige. Der Gröbenzeller Jugendbeirätin Emina Burnic ist vor allem die klare Abgrenzung zur AfD wichtig. Kathrin Sonnenholzner wird am Ende zu dem Schluss kommen, dass "wir gebraucht werden", um "eine erfolgreiche Politik" in Berlin fortzusetzen.

Bevor Schrodi loslegt, flimmert sein Wahlkampfclip über den Bildschirm. Schnelle Schnitte, prägnante Sätze, Mimik, Gestik - so macht man das heute. Die SPD gibt sich modern. Die Kernforderungen: Zwölf Euro Mindestlohn, ein Gesundheitssektor, der in der öffentlichen Hand bleibt, ein höherer Stellenwert für Bildung, Digitalisierung und Klimaschutz.

Live und leibhaftig ergänzt Schrodi dann noch, wie er das Wunschkonzert finanzieren will: Weil jeder sechste Haushalt in Deutschland über gar kein Vermögen verfüge, bleibt vor allem die reiche Oberschicht, die gerade angesichts der coronagemachten Schulden einen höheren Beitrag leisten müsse. Denn Probleme dürften nicht auf kommende Generationen abgewälzt werden, auch die Rente mit 70 ist keine Option. Für die Mehrheit sei die SPD aber "eine Steuerentlastungspartei", betont Schrodi. Die 10-H-Regel bei Windrädern will er abschaffen. Schwarz-Grün stehe in Baden Württemberg gerade beim Klimaschutz für Stillstand. Und die CDU/CSU habe in der Affäre um Nebeneinkünfte bewiesen, dass sie "den moralischen Kompass verloren" habe. "Wir spielen jetzt auf Sieg", sagt Michael Schrodi. Mehr Marathon als Sprint - soviel ist klar. Immerhin wird Schrodi dafür mit dem passenden Schuhwerk überrascht: rote Laufschuhe. "Größe 43? Passt genau", sagt er. Der Wahlkampf kann losgehen.

© SZ vom 14.05.2021
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