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Wahl des zweiten Bürgermeisters:Große Enttäuschung für Joseph Ndogmo

Vor großem Publikum wird der neue Erdweger Bürgermeister Christian Blatt vereidigt. Bei der Wahl seines Stellvertreters erlebt der ehemalige Konkurrent eine herbe Niederlage. Der Gemeinderat stellt ihn nicht einmal auf. Otmar Parsche erhält die meisten Stimmen

Joseph Ndogmo macht am Dienstagabend eine bittere Erfahrung. Noch vor knapp einem Monat hatte der gebürtige Kameruner bei der Erdweger Bürgermeisterwahl einen echten Achtungserfolg gelandet und 32,5 Prozent der Wählerstimmen erhalten. Nun, bei der Wahl des zweiten Bürgermeisters, muss Ndogmo schmerzlich feststellen, dass sein Rückhalt im Erdweger Gemeinderat weitaus kleiner ist als in der Bürgerschaft. Von insgesamt 21 Stimmen erhält der Deutsch-Afrikaner nur zwei. Er kassiert eine herbe Niederlage.

Vereidigung und Wahl

Christian Blatt am runden Tisch.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Enttäuschung sitzt am Tag nach der Wahl noch tief bei dem 49-jährigen Bauingenieur. "Ich hatte gehofft, dass die Leute das Wählervotum widerspiegeln. Aber so war es wieder eine Bestätigung, dass ich alleine im Gemeinderat bin", sagt er am Telefon. Bis zuletzt war es in der 6000-Einwohner-Gemeinde Erdweg ein ungeschriebenes Gesetz, dass der Zweitplatzierte der Bürgermeisterwahl auch den Posten des zweiten Bürgermeisters bekommt. Dass es dazu dieses Mal nicht kommen wird, deutet sich jedoch schon an, als den parteilosen Joseph Ndogmo keiner aus dem Gremium vorschlägt. Das macht er dann selbst. Ndogmo bedankt sich bei den Bürgern im voll besetzten Sitzungssaal abermals für deren Vertrauen bei der vergangenen Bürgermeisterwahl und betont, dass viele Wähler ihn gebeten hätten, nun zweiter Bürgermeister zu werden. Die anderen Gemeinderäte, egal welcher Fraktion, machen ihm allerdings einen ordentlichen Strich durch die Rechnung.

Vereidigung und Wahl

Zunächst wird Christian Blatt als Bürgermeister vereidigt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Günter Sommermann von der Freien Wählergemeinschaft Kleinberghofen ergreift vor der Wahl extra das Wort, um den Gemeinderäten nahezulegen, Ndogmo nicht zu wählen. "Ein Kandidat, der ohne Basis arbeitet, ist nicht als Kulminationspunkt der Gemeinde geeignet", sagt Sommermann. Er befürchtet offenbar, dass Ndogmo, der für die Freie Wählergruppe Welshofen seit 2014 im Gemeinderat sitzt, das Gremium spalten und womöglich gegen Bürgermeister Christian Blatt arbeiten könnte.

Vereidigung und Wahl

Otmar Parsche wird zweiter Bürgermeister.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Ausgang ist bekannt. Nachdem Blatts Schreibtisch kurzerhand in eine Wahlkabine umgebaut wird, stimmen die Gemeinderäte nacheinander ab. Grundsätzlich kann jeder Gemeinderat gewählt werden, außer Bürgermeister Blatt natürlich. Nach dem ersten Wahlgang fallen zwei Stimmen auf Ndogmo, neun auf Veronika Eisenhofer (CSU) und zehn auf Otmar Parsche, den Vorsitzenden der Freien Wähler Erdweg. In der Stichwahl setzt sich der Unterweikertshofener, der mit einer Unterbrechung seit neun Jahren im Gemeinderat sitzt, schlussendlich mit elf zu zehn Stimmen gegen Eisenhofer durch. Für die Freien Wähler, deren Kandidat Rolf Blaas bei der Bürgermeisterwahl mit 5,4 Prozent der Stimmen eine dramatische Niederlage erlitt, ist Parsches Wahl zumindest ein kleiner Lichtblick. Sichtlich glücklich sagt der 62-jährige Pensionär: "Ich bedanke mich für die Wahl und hoffe, dass ich euch nicht enttäuschen werde."

Vereidigung und Wahl

Dann bekommt nicht der Zweitplatzierte der Bürgermeisterwahl, Joseph Ndogmo, den Posten des zweiten Bürgermeisters,

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Sitzungssaal im Obergeschoss des Erdweger Rathauses ist an diesem Dienstagabend so gut besucht, dass aus dem benachbarten Trauungszimmer zusätzliche Stühle geholt werden müssen. Und tatsächlich ist ja einiges geboten, abgesehen von der überaus aufschlussreichen Wahl des zweiten Bürgermeisters. Der neue Chef der Gemeinde, der 33-jährige Christian Blatt, wird an diesem Abend vereidigt. Im Publikum sitzen seine Mutter Angela und seine Frau Christine. Günter Sommermann führt die Zeremonie als ältester Gemeinderat durch. An den neuen Bürgermeister richtet er sogleich einige mahnende Worte. Als Bürgermeister, so sagt Sommermann, habe man eine Machtfülle wie kaum ein anderer Politiker. "Dir fehlt eigentlich nur noch die richterliche Gewalt", sagt er. Das Publikum lacht. Christian Blatt hebt schließlich die rechte Hand und spricht Sommermann den Eid nach. Blatt schwört auf Gott. Dann bekommt er einen warmen Applaus und sagt: "Jetzt pack ma's."

Die dritte Bürgermeisterin Monika Sedlatschek (Freie Wähler), die sich in der Gemeinde besonders um die Asylpolitik verdient gemacht hat, tritt danach überraschend aus "persönlichen Gründen" von ihrem Amt zurück. Ein Ersatz muss demnächst gewählt werden. Dem Gemeinderat bleibt die sozial engagierte Walkertshofenerin aber weiterhin erhalten. An diesem Abend bekommt sie sogar noch eine neue Kollegin. Nach der Wahl des zweiten Bürgermeisters vereidigt Bürgermeister Blatt die neue Kleinberghofener Gemeinderätin namens Michaela Micheli. Sie rückt von der Liste der CSU Erdweg für Bürgermeister Christian Blatt nach.

Joseph Ndogmo will nach der herben Enttäuschung dem Gemeinderat übrigens treu bleiben. "So sind halt die Leute", sagt er über den Ausgang der Wahl.