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Vortrag und Gespräch:Bürgerlicher Widerstand während der NS-Zeit

Ein Vortrag und Gespräch mit dem Enkel des Widerstandskämpfers Carl Friedrich Goerdeler findet am Donnerstag, 11. Juli, um 19.30 Uhr in der Versöhnungskirche auf dem Gelände der KZ-Gedenkstätte Dachau statt. Der deutschnationale Protestant Carl Friedrich Goerdeler wurde 1930 Oberbürgermeister von Leipzig. 1931 bekam er von Reichskanzler Brüning das neu geschaffene Amt des Reichskommissars für Preisüberwachung übertragen. Seit 1936 vergewisserte sich Carl Goerdeler in umfassenden Denkschriften seines Verständnisses von Recht und Moral. Für einen funktionierenden Staat und eine europäische Friedensordnung seien drei Voraussetzungen notwendig: Ein auf christlichen Werten basierendes moralisches Empfinden, eine gesunde Wirtschaftspolitik sowie Rechtssicherheit für seine Bürger. Aus der Erkenntnis, dass keines dieser drei Erfordernisse im "Dritten Reich" erfüllt war, sondern alles ins Gegenteil verkehrt war, fühlte sich Goerdeler zum Widerstand berechtigt, ja verpflichtet.

Er entwarf konkrete Pläne für eine stabile Regierung nach dem NS-Regime, war treibende Kraft eines Widerstands-Netzwerks von Militärs und Politikern, Gewerkschaftern und Unternehmern, Christen und vielen anderen. Er war maßgeblich beteiligt am Hitler-Attentat am 20. Juli 1944. Nach dem Attentat sollte er das Amt des Reichskanzlers übernehmen. Dafür wurde er am 2. Februar 1945 hingerichtet. Seine Familie wurde von den Nationalsozialisten verfolgt und gefangen genommen.

Der Enkel Berthold Goerdeler wird von der Biografie seines Großvaters ausgehend über den bürgerlichen Widerstand während der NS-Zeit referieren. Es wird auch um die Frage von Toleranz und deren Grenzen gehen.

Vom 1. Juni bis zum 29. September wird im Gesprächsraum der Versöhnungskirche die Ausstellung "Das größte Problem ist die Wiederherstellung des einfachen menschlichen Anstandes" zu sehen sein. Sie ist eine Kooperation der Stadt Leipzig mit der Carl- und Anneliese-Goerdeler-Stiftung und der Stiftung Logos und Ethos und vermittelt sehr anschaulich den Lebenslauf und die menschliche Betroffenheit des Widerstandskämpfers Carl Friedrich Goerdeler. Die Ausstellung ist von Montag bis Samstag von 10 bis 16 Uhr und Sonntag von 12 bis 13 Uhr zu sehen.

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