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Vorbildliches Projekt:Einmalig in Deutschland

Holzbauplus-Preis für Grundschule Odelzhausen

Die Grundschule Odelzhausen wurde in Holzbauweise errichtet.

(Foto: Horst Kramer)

Die Odelzhausener Grundschule ist einer der Sieger beim Bundeswettbewerb "Holzbau plus". Doch in dem vierstöckigen Gebäude ist nicht nur Holz verbaut

Von Horst Kramer, Odelzhausen

Cordula Weber ist vom Gebäude der Odelzhausener Grundschule begeistert und macht daraus keinen Hehl: "Es ist einfach ein traumhaftes Schulgebäude, sowohl zum Arbeiten als auch zum Lernen!" Und Weber muss es wissen, schließlich ist sie die Rektorin des Grund- und Mittelschule. Im März 2019 konnten die Grundschulklassen in den Holzbau einziehen. Dieser Tage wurde das Gebäude als einer der Sieger des Bundeswettbewerbs "Holzbauplus 2020" von der Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, Julia Klöckner (CDU), ausgezeichnet. Die Verantwortlichkeit für Forsten hat das Ministerium vor etwa zehn Jahren anscheinend bewogen, sich für das Bauen mit heimischen Holz einzusetzen. In einer Videobotschaft lobt Klöckner das Odelzhausener Projekt: "Eine viergeschossige Schule aus Holz gebaut - das ist bundesweit bislang einmalig. Diese besondere Schule steht in Bayern." Ihre Grundfläche beträgt etwa 3700 Quadratmeter.

Weber wie auch der Vorsitzende des Schulverbands Odelzhausen Pfaffenhofen a.d. Glonn Sulzemoos, Pfaffenhofens Bürgermeister Helmut Zech (CSU), wurden von dem Preis völlig überrascht. Der verantwortliche Architekt Arthur Schankula vom gleichnamigen Münchner Büro, hatte das Werk bei der Bundesjury eingereicht. Eines von mehr als zweihundert, wie Klöckner erzählt.

Schankula, der an der TH Rosenheim lehrt, ist ein bundesweit anerkannter Holzbauexperte. Schon 2013 wurde eines seiner Projekte, das "H8"-Holzhochhaus in Bad Aibling, beim damaligen Holzbaupuls-Wettbewerb lobend erwähnt. Dass ihm mit der Grundschule nun ein echter Coup gelungen ist, war dem Architekten offenbar klar. Dabei waren die Bedingungen nicht einfach. So wurde der Aufstellungsort geändert, ebenso die Ausrichtung. Zudem war der Zeitdruck sehr hoch. Die Arbeitsweise bei Holzbauten erwiesen sich jedoch als hilfreich. "Die Planungsphase ist sehr detailliert, dauert deswegen länger", erzählt Schankula, "dafür geht die Realisierung umso schneller." Und tatsächlich: Der Spatenstich ging im September 2017 über die Bühne, 16 Monate später konnten die Grundschulkinder in das Gebäude einziehen.

Zech ist angesichts der Auszeichnung sichtbar hin- und hergerissen. Denn er hat die Riesenbaustelle - zu der auch ein konventioneller Betonbau für die Mittel- und Realschule zählt - als Verantwortlicher der öffentlichen Auftraggeber gemanagt. Nicht nur der Zeitplan wurde eingehalten, auch die Kosten blieben exakt im kalkulierten Rahmen von 50 Millionen Euro. Zech - der selber aus dem Baugewerbe stammt - ist andererseits ein Bauherr alter Schule. Mit Holzexperimenten hat er eigentlich nichts am Hut. "Wir wollten eigentlich nur eine ganz normale Schule. An einen Preis haben wir nie gedacht." Stolz ist er trotzdem. Als Propagator für den öffentlichen Holzbau möchte er indes nicht herhalten. Noch dazu in Zeiten, in denen im Kreistag heftig um den Einsatz des Werkstoffs Holz beim Bau des fünften Gymnasiums diskutiert wird. Zech warnt: "Die Probleme liegen häufig im Detail." Er spricht von hohen Spannungen, unter denen die großen Glasfenster stehen, von Problemen der Schneebeseitigung auf den umlaufenden Holzbalkonen, oder von Insekten, die sich im Holz einnisten.

Schankula zeigt sich überrascht, als er davon hört. Ein einziges Mal in seiner mehr als zwanzigjähriges Holzbaukarriere habe es ein Insektenproblem gegeben, als er auf Wunsch des Bauherren einen kompletten Baumstamm eingesetzt habe. Dort seien im Frühjahr Holzwespen geschlüpft. "Bei verarbeiteten Holz gibt es derlei eigentlich nicht." Auf die Besonderheiten des Projekts angesprochen, die wohl auch für die Auszeichnung verantwortlich waren, zählt der Architekt unter anderem das Rettungswegkonzept oder auch das effiziente Lüftungssystem auf, mit einem Durchsatz von 30 000 Kubikmetern Luft, und einer Licht- und Luftkuppel zwischen den zwei Trakten des Gebäudes, die mit Brücken mit Arbeits- und Aufenthaltsnischen miteinander verbunden sind. In einem Punkt sind sich der Architekt und der Bürgermeister allerdings einig: "Ein reiner Holzbau funktioniert bei den Spannweiten eines Gebäudes dieser Größenordnung nicht." Die Zahlen sprechen für sich: Denn neben 1600 Kubikmeter Fichtenholz - vornehmlich aus dem Allgäu - wurden auch 1900 Kubikmeter Beton und rund 45 Tonnen Stahl verbaut. Die Deckenkonstruktionen sind deutlich dicker als bei Normalbauten, die andererseits eine Ursache für die besondere Akustik des Gebäudes sind. Die beiden Treppenhäuser sind Beton-Stahl-Konstrukte.

Cordula Weber hebt dagegen die pädagogischen Möglichkeiten ihrer Schule hervor: etwa die zuschaltbaren Gruppenräume zwischen den Klassenzimmern, zusätzliche "Lernnischen" und die erwähnten "Lernbrücken". "Auf diese Weise können bis zu vier Klassen miteinander arbeiten", erklärt Weber. Ihr Kollegium liebe das Haus, betont sie. Die Kinder anscheinend auch. Als die Rektorin mit dem Reporter eine vierte Klasse kurz besucht und die Mädchen und Jungs fragt, wie sie ihre Schule finden, rufen die Kids im Chor: "Super!" Doch das nun ausgezeichnete und beliebte Odelzhausener Schulgebäude hat eine lange Planungsphase hinter sich: Vor genau zehn Jahren genehmigte das Kultusministerium dem Landkreis eine weitere Realschule. Odelzhausen stand damals im Mittelpunkt einer Schuldiskussion. Der Hilgertshausener SPD-Landtagsabgeordnete Martin Güll warb schon seit 2008 intensiv für die Idee einer Gemeinschaftsschule, bei einer Odelzhausener Elterninitiative traf er auf offene Ohren. Die Eltern machten Druck, auch persönlich beim damaligen Kultusminister Ludwig Spaenle (CSU). Es folgte die Zusage für die Realschule. Schankula und sein Team sollten den Neubau erstellen. Doch als sich 2014 herausstellte, dass die alte Verbandsschule aufgrund zahlreicher Baumängel nicht renovierungsfähig ist, fiel der Startschuss für die größte Baumaßnahme, die je im Oberen Glonntal durchgeführt wurde: die Errichtung eines kompletten Schulzentrums mit Grund-, Mittel- und Realschule. "Die Entscheidung für die Holzbauweise für die Grundschule war dem Zeitdruck geschuldet", erzählt der Architekt Schankula ein Jahrzehnt später.

Im September 2017 erfolgte dann der Spatenstich, im Frühjahr 2019 war die Grundschule bezugsfertig. Im Sommer folgten die Mittel- und die Realschule. Die Baukosten beliefen sich wie kalkuliert auf rund 50 Millionen Euro. "Nicht zuletzt ein Verdienst von Helmut Zech", wie Landrat Stefan Löwl damals lobte. Pfaffenhofens Bürgermeister hatte die Riesenbaustelle von Seiten der öffentlichen Auftraggeber gemanagt. Nun ist das Schulgebäude ein Vorzeigeprojekt, weit über den Landkreis Dachau hinaus.

© SZ vom 10.05.2021
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