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Von den Schwierigkeiten, ein barockes Kleinod zu retten:Das ewige Bröckeln

Die Hofmarkkirche Schönbrunn zählt zu den bedeutendsten Sakralbauten im Landkreis. Schon seit Jahren müsste sie umfassend saniert werden. Doch es gibt eine Vielzahl von Hindernissen

Bereits seit 2001 ist die Hofmarkkirche in Schönbrunn baufällig. Bis 2014 konnte immerhin die Außenfassade des Gebäudes saniert werden, das sich im Besitz der Pfarrei Röhrmoos befindet. Im Innenraum hat sich aber seit ziemlich genau 16 Jahren wenig bis gar nichts getan. Die barocke Schönheit der Hofmarkkirche ist seitdem nur noch zu erahnen: Baugerüste verstellen den Blick, überall liegt Schutt und Staub. Ein trostloser Anblick.

Hoffmarkkirche

Überall liegt Schutt und Staub. Ein trostloser Anblick.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Doch der 2014 eigens gegründete Förderverein Hofmarkkirche Schönbrunn lässt sich nicht entmutigen: In sieben Jahren, nämlich 2024, feiert die Heilig-Kreuz-Kirche ihr 300-jähriges Bestehen. "Wir hoffen immer noch, diesen Tag in einer vollständig restaurierten Kirche feiern zu können", sagt Birgitta Unger-Richter, Kreisheimatpflegerein des Landkreises Dachau und selbst Fördervereinsmitglied. Weil der Verein die geschätzten 3,3 Millionen Euro nicht selbst aufbringen kann, die die Sanierung des Innenraums kosten würde, sind die Ehrenamtlichen unermüdlich auf der Suche nach neuen Geldgebern. Die Kosten für den ersten Bauabschnitt, der mittlerweile abgeschlossen ist, beläuft sich auf 1,7 Millionen Euro - rund ein Drittel der geschätzten Gesamtsumme von rund fünf Millionen Euro; das schreckt wohltätige Spender ab. Birgitta Unger-Richter vermutet, dass auch die Kirchenverwaltung angesichts dieser Summe wohl erst mal schlucken musste.

Hoffmarkkirche

Deckengemälde sind wegen der Gerüste kaum zu sehen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Doch die Zeit drängt, das hat sich erst jetzt im November gezeigt, als Graf Franz-Leopold von Stillfrieden und Susanne Regehr vom Ortskuratorium München der Deutschen Stiftung Denkmalschutz zu einer neuerlichen Begehung der Kirche kamen. Nach dem Besuch legten die zwei Experten dem Förderverein nahe, den Antrag auf Förderung bis zur nächsten Frist im Juni 2018 an die Stiftung zu stellen, um weitere Verzögerungen zu vermeiden, es bestehe akuter Handlungsbedarf.

Hoffmarkkirche

Baugerüste verdecken den Blick auf die Stuckarbeiten.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Als Außensteher wundert man sich, warum die Arbeiten angesichts dieser Gesamtumstände bereits nach der ersten Bauphase ins Stocken geraten sind. Unger-Richter liefert eine mögliche Erklärung: Es gebe Uneinigkeit darüber, welchen Zustand des Innenraums man konservieren wolle. Lange Zeit sei man davon ausgegangen, dass es sich um den barocken Originalzustand handele. Nun habe sich aber gezeigt, dass im Laufe der Zeit Veränderungen vorgenommen worden seien. "Man sich darauf geeinigt, die barocke, im 19. Jahrhundert und nach dem Brand von 1899 überarbeitete Fassung zu konservieren", sagt Unger-Richter.

Hoffmarkkirche

Gerhard Schmidbauer (Mitte) und Birgitta Unger-Richter (rechts) bei der Begehung der Hofmarkskirche.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Der Förderverein ist nach wie vor darum bemüht, die Bedeutung der Kirche für Gemeinde und Landkreis zu betonen. Zwar werden in der Kirche wohl auch nach der Sanierung keine Gottesdienste abgehalten werden, weil die Zahl der Kirchengänger stetig zurückgeht und neben der Hofmarkkirche auf dem Gelände des Franziskuswerks auch noch die wesentlich neuere Klosterkirche Sankt Josef steht, doch darum geht es dem Förderverein gar gar nicht so sehr, vielmehr um die kulturhistorische Bedeutung. Die Heilig-Kreuz-Kirche sei ein "Kleinod", sagt Unger Richter, und dieses gelte es für die Nachwelt zu erhalten. Unger-Richter hat Kunstgeschichte studiert und zählt das Bauwerk zu den fünf bedeutendsten Kirchen im Landkreis. Der nächste notwendige Schritt der Sanierungsarbeiten wäre laut Unger-Richter die Reinigung und Festigung der Raumschale. Der Stuck in den Formen des Frührokokos bröckelt schon von der Decke.

Die eigentlichen Schmuckstücke der Kirche aber, die zwei Altäre und die lebensgroßen Passionsfiguren sieht man nicht mehr in der Kirche. Sie wurden bereits vor Jahren in der Restaurierungswerkstatt Neubauer in Bad Endorf eingelagert, um sie vor weiteren Schäden zu schützen. Vor allem bei den zwei barocken Passionsgruppen, die auf den Altären stehen, handelt es sich um echte Raritäten, die im Dachauer Raum einmalig sind: Die Figuren aus Holz tragen Echthaarperücken und Glasaugen und wirken täuschend echt. Eine weitere Besonderheit ist der für die damalige Zeit ungemein moderne achteckige Grundriss der Kirche, der noch in seiner ursprünglichen Form erhalten ist. In Schönnbrunn steht mit der Hofmarkkirche ein Stück Geschichte, da sind sich alle einig. Nur wer für den Erhalt zahlen soll, das ist wieder mal die verzwickte Frage.

Dieter Kugler, Bürgermeister der Gemeinde Röhrmoos, zu dem auch Schönbrunn gehört, sagt, ihm seien die Hände gebunden, Denkmalschutz sei in Deutschland Sache der Länder, nicht der Kommunen. Gleichzeitig stellt Kugler klar: "Ehrenamtliches Engagement ist nicht selbstverständlich." Deshalb ist es ihm wichtig, die Bemühungen des Fördervereins, so gut es geht, zu unterstützen und sei es auch nur ideell durch seine Anwesenheit. Letztlich ist es aber das Ordinariat, das entscheidet, wann und wie es mit der Sanierung weitergeht. Gerhard Schmidbauer, Mitglieder im Förderverein sowie Gemeinderat in Röhrmoos, hat seinen Optimismus nicht verloren. "Es gibt 700 Baumaßnahmen, wir sind auf Platz 48." Demnach, so rechnet Schmidbauer vor, reihten sich 652 andere Bauprojekte hinter der Hofmarkkirche Schönbrunn ein, und das gibt dann doch wieder etwas Mut.

Am Ende der Begehung der Deutschen Stiftung Denkmalschutz geht es hinauf auf die Orgelempore. Von dort kann man einen Blick durch eine Luke des verhängten Gerüsts werfen auf die Schönheit dieses Kleinods, das seit so vielen Jahren ein Schattendasein fristet: Das Deckengemälde, das einzig erhaltene Fresko des Münchner Hofmalers Balthasar Augustin Albrecht, das die Verehrung des Heiligen Kreuzes zeigt, hat auch nach all den Jahren nichts von seiner Leuchtkraft eingebüßt.

© SZ vom 25.11.2017
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