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Nahverkehr:Neue Ringbuslinie soll Dachau und Unterschleißheim verbinden

Schnelle Expressbusse sollen genutzt werden.

(Foto: Toni Heigl)

Um die S-Bahn-Linien im Umland zu verbinden, präsentiert das bayerische Verkehrsministerium ein Konzept für einen Ring aus Expressbussen.

Von Martin Mühlfenzl und Thomas Radlmaier, Dachau

Etwa 10,8 Kilometer Luftlinie liegen die beiden großen Zentren des Münchner Nordens - die große Kreisstadt Dachau und die Stadt Unterschleißheim - auseinander. Gefühlt allerdings liegen zwischen beiden Städten Welten. Wer mit den öffentlichen Verkehrsmitteln von Unterschleißheim nach Dachau pendeln will, hat zwei Möglichkeiten: Mit der S 1 bis zum Bahnhof Laim und von dort aus in entgegengesetzter Richtung mit der S 2 bis Dachau (Fahrtzeit 31 Minuten) oder mit dem Bus, ebenfalls ein Umstieg inbegriffen, bei 49 Minuten Fahrzeit.

Das bayerische Verkehrsministerium hat nun ein Konzept vorgelegt, mit dem Verbindungen dieser Art - sogenannte Tangentialen zwischen zwei Schnellbahnästen - deutlich schneller zurückgelegt werden könnten: Das Projekt "Ringbuslinien rund um München" soll mit einem in sich geschlossenen Ring aus sieben aneinander anschließenden Expressbuslinien durch die Landkreise München, Dachau, Fürstenfeldbruck, Starnberg und Bad Tölz-Wolfratshausen eine Brücke zwischen den wichtigen S-Bahn-Haltestellen und Wirtschaftsstandorten der Region schlagen - ohne Umsteigen und Zeitverlust.

"Wir brauchen diese schnellen Verbindungen dringend"

Es handle sich um "schnelle Verbindungen zwischen den S-Bahn-Ästen", sagt der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU). Der erste Plan für die Linienführung durch den Landkreis Dachau sieht so aus: Der Ringbus fährt aus Fürstenfeldbruck über die B471 nach Dachau. Er passiert die Münchner Straße, biegt auf die Bahnhofstraße ein und folgt der Schleißheimer Straße nach Oberschleißheim. Wo und wie oft der Bus dann halte, werde noch geprüft, sagt Löwl. Genauso wie eine Alternativroute über Günding.

Bitte umsteigen: Wer im Münchner Umland von einem Ort zum anderen will, soll künftig direkter zum Ziel kommen und schnelle Expressbusse nutzen können.

(Foto: Stefan Rumpf/Karte: MVV)

"Was jetzt vorliegt, ist schon ein sehr konkreter Trassenvorschlag", sagt der Landrat des Landkreises München, Christoph Göbel (CSU), dessen Haus die Koordination der Trassenführungen übernommen hat. "Wir brauchen diese schnellen Verbindungen dringend. Vor allem dort, wo sich große Pendlerpunkte und viele Arbeitsplätze befinden."

Der Freistaat will den Ringbus um München finanziell unterstützen

Angestoßen hatte das Konzept der Ringbuslinien noch Ilse Aigner (CSU) als Verkehrsministerin, an der Erarbeitung sind das Staatsministerium, der Münchner Verkehrs- und Tarifverbund (MVV) und die fünf betroffenen Verbundlandkreise beteiligt. Ziele des neuen Rings um München sind laut dem aktuellen Verkehrsminister Hans Reichhart (CSU) insbesondere Schienenstrecken zu entlasten und attraktive Querverbindungen anzubieten. "Ich bin überzeugt, dass die zusätzliche Buslinie Fahrgästen kürzere Fahrtwege ermöglichen und damit das ÖPNV-Angebot um einen wichtigen Baustein erweitern kann", so der Minister.

Der Freistaat hat laut Reichhart bereits zugesagt, die Linie finanziell zu unterstützen. Dass der Freistaat versichert habe, den Aufbau des Busrings durch die Region mit acht Millionen Euro zu unterstützen, bestätigt Göbel. Auch sein Dachauer Kollege Löwl geht von einem "großzügigen Zuschuss des Freistaates" aus. Welche Kosten auf die Landkreise zukommen werden, sei dagegen noch nicht abzuschätzen; dies könne erst im Zuge der Feinjustierung der Trassen sowie nach der Ermittlung der Betriebskosten abgeschätzt werden.

Die grobe Trassenführung sieht vor, die Linien im Süden Münchens von Wolfratshausen aus im Uhrzeigersinn über Starnberg, Gilching, Fürstenfeldbruck, Dachau, Oberschleißheim, Garching, Ismaning, Feldkirchen, Haar, Hohenbrunn und Deisenhofen laufen zu lassen. Anbindungen sind geplant nach Bad Tölz, Buchenau und Unterschleißheim sowie zum Forschungszentrum Garching und nach Heimstetten.

Ringbuslinien könnten in drei Jahren in Betrieb gehen

Für MVV-Geschäftsführer Bernd Rosenbusch bietet der Busring den enormen Vorteil, dass Pendler "nicht mehr durch das Nadelöhr der Münchner Innenstadt" müssten und Staus bereits vor den Stadtgrenzen vermieden werden könnten. Zudem seien "durchdachte Busangebote" verhältnismäßig günstig, so Rosenbusch.

Anders als schienengebundene Verkehrsmittel. "Außerdem dauert es eine Ewigkeit, bis man ein Gleis kriegt", sagt Göbel. "Wir aber brauchen schnelle Lösungen." Und auch innovative, moderne Antriebstechniken. Göbel kann sich vorstellen, auf den Trassen mit Brennstoffzellen betriebene Busse oder Elektrofahrzeuge fahren zu lassen. Auch einen Oberleitungsbus, also eine Tram ohne Schienen, schließt der Landrat nicht aus. "Wir müssen Lösungen finden, um Busse zu beschleunigen, etwa eigene Spuren, grüne Wellen." Dies sei im Zuge des Ausbaus der B 471 von der Anschlussstelle Aschheim/Ismaning bis Garching und Oberschleißheim sowie weiter nach Dachau möglich. Im Landratsamt München wird erwartet, dass die Ringbuslinien frühestens in drei Jahren in Betrieb gehen könnten. So lange dauere es samt Planung, Ausschreibung des Betriebs und Vorlauf der Ausschreibung.

© SZ vom 06.04.2019
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