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Volksfest Markt Indersdorf:Ude kürt Güll

Nach der Lobeshymne des SPD-Spitzenkandidaten für die Landtagswahlen auf den Dachauer Abgeordneten und dessen Bildungspolitik ist klar, wer bei einem Regierungswechsel neuer bayerischer Kultusminister werden würde.

Zum politischen Mittagstisch treffen sich Hubert Böck, Josef Kreitmeir, Christian Ude und Martin Güll (v. li.) in Markt Indersdorf.

(Foto: DAH)

Am Sonntagnachmittag ist zur Gewissheit geworden, worüber SPD-Politiker im Landkreis nicht ohne Stolz seit längerem spekulieren. Sollte es bei den Landtagswahlen am 15. September zu einem Regierungswechsel unter dem SPD-Spitzenkandidaten, dem Münchner Oberbürgermeister Christian Ude, kommen, wird der Dachauer SPD-Landtagsabgeordnete Martin Güll bayerischer Kultusminister. Beim Wahlkampfautritt im Bierzelt von Markt Indersdorf lobte ihn Ude für eine herausragende Bildungspolitik, er würdigte die Ideen für eine Erhaltung der wohnortnahen Schulen und das neue Programm "eines Gymnasiums der zwei Geschwindigkeiten". Und er sagte gleich mehrmals: "Ich stehe voll hinter Martin Güll."

Die Wiederwahl des Abgeordneten in den Landtag gilt wegen des guten Listenplatzes als ziemlich sicher. Der Dachauer Politiker wollte sich nicht zu Udes Lobeshymne äußern und winkte ab: "Warten wir die Wahlen ab." Dafür sagte beispielsweise Harald Dirlenbach, Bürgermeisterkandidat der SPD für Vierkirchen und enger Weggefährte Gülls, die sich beide nach der Veranstaltung in Indersdorf erleichtert umarmten, der SZ: "Ich habe nichts anderes erwartet." Heinz Eichinger, Bürgermeister in Vierkirchen und maßgeblicher Politiker seiner Partei im Landkreis, äußerte sich ähnlich bewundernd über Güll wie Ude: "Der Martin hat unheimlich dazu gelernt. Wie der jetzt im Bierzelt auftritt."

Der SPD-Kreisvorsitzende war auch gefordert. Denn Christian Ude verband den Wahlkampftermin in Markt Indersdorf mit einer Kranzniederlegung in seiner Eigenschaft als Münchner Oberbürgermeister bei den Feierlichkeiten zum 68. Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Dachau am 29. April 1945. Deshalb traf er mit einer Verspätung von fast einer Stunde im Bierzelt ein. Deshalb musste Güll persönlich ran und seine Wahlkampfrede in Udes Abwesenheit vorziehen. SPD-Mitglieder, politisch Interessierte auch von Freien Wählern oder CSU und ganz normale Mittagsbesucher des Volksfests bildeten eine eindrucksvolle Wahlkampfkulisse, die erst zum Ende hin abbröckelte. Güll versprach eine humane Schule ohne den an bayerischen Schulen üblichen Notendruck. Er würdigte Eltern, Lehrer und Schüler, die trotz der Schulpolitik der CSU zu enormen Leistungen bereit seien. Unter einer von der SPD geführten Regierung will Güll den "Wunsch der Eltern nach einer längeren gemeinsamen Schulzeit" erfüllen - über die vier Jahre Grundschule hinaus: "Es muss endlich ein Ende haben mit diesem schrecklichen Übertritt."

Wegen Gülls "Kompetenz in all diesen Fragen", verzichtete Ude in seiner Rede auf längere Ausführungen zur Bildung. Er rückte die Finanz- und Arbeitsmarktpolitik in den Vordergrund. Und damit ein Thema, das beispielsweise der Karlsfelder Altbürgermeister Fritz Nustede in dieser Ausführlichkeit und Gründlichkeit bei einem Bierzeltauftritt, die den Wahlkampf für Martin Güll im Landkreis Dachau eröffnen sollte, nicht erwartet hätte. Ein Zuhörer sprach von einer "sehr anspruchsvollen Rede". Der SPD- Spitzenkandidat forderte eine Rückkehr zu "Recht, Gesetz und Anstand" vor allem in der Wirtschaftspolitik. "Es muss die Würde der Arbeit wiederhergestellt werden", sagte er und forderte Unternehmen auf, soziale Verantwortung zu übernehmen. Geschäfts- und Investmentbanken müssten klar getrennt werden. Wenn letztere riskante Geschäfte tätigten, hätten künftig sie selbst und nicht die Steuerzahler dafür zu haften. Schließlich forderte er eine Transaktionsteuer auf Börsengeschäfte, damit Rücklagen für den Krisenfall geschaffen werden könnten.

Ude forderte die Bierzeltbesucher auf, das Original dieser Politik zu wählen und nicht die Kopie, also nicht die CSU, welche sich überraschenderweise kurz vor den Landtags- und Bundestagswahlen im Herbst eben diesen Forderungen angeschlossen habe, um ihre "großen Peinlichkeiten vergessen zu machen".

© SZ vom 06.05.2013

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