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Volksfest Dachau:Der große Tag der Kinder

Mehr als 200 Mädchen und Jungen sowie 160 Betreuer und zwölf Motivwagen ziehen am Sonntag durch die Innenstadt

Kinderfestzug

Das macht auch den Erwachsenen Spaß: Der große Kinderfestzug in Dachau anlässlich des Volksfestes.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Am Sonntag dann Kaiserwetter. Vom heftigen Regen am Vortag sind nur ein paar Pfützen zurückgeblieben. "Gestern hätten wir den Kinderfestzug wahrscheinlich abblasen müssen", meint Zugleiter Günther Angermeier. Der starke Regen hätte die Kostüme und die aufwendigen Motivwagen ruiniert, ganz zu schweigen davon, wie es den Kindern selbst dabei ergangen wäre. Sie hatten sich doch so auf diesen Tag gefreut. Weder Angermeier noch die weiteren Vorstandsmitglieder Christian Schmid oder Günter Dietz können sich erinnern, dass man den alle zwei Jahre stattfindenden Kinderfestzug je hätte absagen müssen. "Wir hatten immer Glück", so Dietz.

Kinderfestzug

Ein Mädchen tritt weniger martialisch auf: mit einer Taube zum Beispiel.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Um 9.30 Uhr erfüllt emsiges Treiben die Brucker Straße zwischen Landratsamt und Augsburger Straße in Dachau. Zugleiter Angermeier muss immer wieder auf seinen Plan schauen und erklärt geduldig den Musikern und Kindern, die es nicht wissen, wo ihr Platz im Zug ist. 32 verschiedene Gruppen mit mehr als 200 Kindern und mehr als 160 Betreuern gehen mit. Die Erwachsenen passen auf, dass niemand unter die Räder kommt. Die Kinder auf den Wagen sind angeschnallt, das ist Vorschrift. 13 Motivwagen stellt der Verein, die meisten davon stammen aus Grimms Märchen wie Rapunzel, Dornröschen, Schneewittchen oder Frau Holle. Aber auch Filmmotive sind dabei wie Arielle, Robin Hood, die Minions oder Cäsar & Cleopatra. Sie werden von den historischen Traktoren des Bulldog Clubs Dachau gezogen. Weitere Wagen kommen von der Freiwilligen Feuerwehr Dachau, dem THW, dem Museumsverein, dem Dachauer Wochenmarkt. Die Feuerwehr hatte sich extra einen neuen Wagen mit Drehleiter und Wasserspritze bauen lassen. Die Kinder der Feuerwehrler wollen mit Wasserpistolen die Besucher entlang der Strecke anspritzen. Bei der Wärme wird sich später niemand darüber ärgern.

Mit einem Trommelwirbel der Knabenkapelle setzt sich der Zug in Bewegung

Alle Mädchen und Jungen haben sich früh morgens in der nahegelegenen Klosterschule umgezogen und von den Mamas herrichten lassen. Viele sind schon mehrmals dabei gewesen. "Wer einmal mitgemacht hat, kommt immer wieder", sagt Dorothee Liebert aus Dachau. Ihre beiden Töchter, die 15-jährige Johanna und die zwölfjährige Sophia, sind zum fünften Mal dabei, Sophia als Rapunzel, Johanna als Taferlmädchen im Dirndl. Punkt elf Uhr geht es los. Mit einem Trommelwirbel und dem zünftigen "Gföller Marsch" der Knabenkapelle setzt sich der Zug in Bewegung. Stadtrat und Vereinsvorstand Günter Dietz vorneweg, dahinter die Mädchen im Wagen mit dem geflochtenen Stadtwappen.

Kinderfestzug

Im Wikingerschiff durch die Dachauer Altstadt - beim Kinderfestzug werden Kinderträume wahr.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Mädchen und Jungen, die sich als Schmetterlinge und Bienen verkleidet und geschminkt haben, folgen. Fleißig winken sie den Zuschauern an der Wegstrecke zu. Später werden sich auch die Pferdegespanne der Spaten- und Schlossbergbrauerei sowie des Spar-Vereins anschließen. Dazwischen, immer mit gut sichtbaren Abstand zueinander, die Blaskapellen von Sittenbach, Schönbrunn und Eisenhofen, dazu die Stadtkapelle Dachau, die Amper-Musikanten Bergkirchen und die Indersdorfer Musikanten.

Kinderfestzug

Andere Kinder verkleiden sich als Schmetterlinge, Bienen oder stellen eine Märchengestalt dar.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Den Abschluss macht das Amper-Nilpferd, kein leichter Job für dei 15-jährige Sabrina Seidl

Den Abschluss macht traditionell die Ehrenkutsche mit Landrat Stefan Löwl (CSU) und Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). Ganz hinten, auch das ist Tradition, läuft das Amper-Nilpferd. Wer auch immer im Plüschkostüm steckt, ist nicht zu beneiden. Sabrina Seidl, Tochter des Festzugvorstands Roland Seidl, ist bewusst, was auf sie zukommt. "Kein Problem", meint die 15-Jährige mit einem Lachen, "alle haben mir schon gesagt, dass ich dabei zwei Kilo abnehmen werde".

Auch sie schafft die drei Kilometer durch die Altstadt, die Mittermayer- und Ludwig-Thoma-Straße am Festgelände entlang, die Münchner Straße hoch und wieder zurück bis zum Gasthaus Drei Rosen. Danach geht es für die Kinder, die meisten sind müde von der Hitze und vom vielen Winken, zurück in die Klosterschule, wo sie mit einer Brotzeit und Freifahrten fürs Volksfest belohnt werden. Nur die Blaskapellen marschieren weiter zum Festgelände, allen voran die Band'a Léo aus Léognan. Die Kapelle aus Frankreich ist stundenlanges Marschieren und Musizieren gewöhnt, sie spielen unablässig mit so viel Dampf, dass alle am Straßenrand mitklatschen und tanzen.