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Völkerverständigung:Auftritt mit Symbolkraft

Heiko Klohn

Seit 2007 ziert das Konterfei von Frank Zappa das Schulgebäude in Oświęcim. Heiko Klohn malte es auf Wunsch der Life-Festival-Veranstalter.

(Foto: Landratsamt)

Die Bigband der Knabenkapelle Dachau gastiert auf dem Musikfestival "Life" im polnischen Oświęcim

Nach dem Auftritt beim Montreux Jazz Festival 2017 steht die Bigband der Knabenkapelle Dachau im Juni erneut auf der Bühne eines großen internationalen Musikfestivals, nämlich beim "Life" in Oświęcim. Auf dem polnischen Musikfestival für Völkerverständigung spielten bereits Eric Clapton, Sting, Peter Gabriel und Elton John. Diesmal ist unter anderem Santana dabei - und die Bigband Dachau. Es ist das erste Mal, dass eine Band, die die Bezeichnung "Dachau" im Namen trägt, nach Oświęcim eingeladen wird, an den Ort, an dem die Nationalsozialisten ihr berüchtigtes Vernichtungslager Auschwitz betrieben. "Da kriegt man schon Gänsehaut", sagt Bigband-Schlagzeuger Jan van Meerendonk. "Das hat eine Symbolkraft, die weit über alles andere hinausgeht, was wir musikalisch bisher erreicht haben."

Vom Journalisten Darek Maciborek ins Leben gerufen und von einer gemeinnützigen Stiftung getragen will das "Life"-Festival Menschen verschiedener Nationalitäten, Kulturen und Sprachen verbinden. "Das ist genau das, wofür die Bigband Dachau steht: Toleranz und Offenheit", sagt Jan van Meerendonk. Mit ihrer Tanzmusik zelebrierte die Bigband bereits in Mailand und Montreux ein heiteres Miteinander und setzt damit auch ein Zeichen gegen jede Art der Ausgrenzung - und das auch ganz bewusst unter dem Namen "Dachau". Die Einladung auf das "Life"-Festival empfinde er persönlich als "große Ehre", sagt der Musiker.

In den vorangegangenen beiden Jahren waren bereits Bands aus Dachau auf dem Life-Festival zu Gast. 2016 spielten Owing To The Rain und 2017 Kandinsky. Auch diesmal kam eine Anfrage des Festivalveranstalters. "Es ist uns wichtig, dass die Bands aus Dachau seit einigen Jahren dabei sind", sagt Darek Maciborek. Die Namen Dachau und Auschwitz stünden weltweit für "das schrecklichste Kapitel der Geschichte und das größte Verbrechen gegen die Menschen". Er finde "unglaublich schön, dass Deutschen und Polen gemeinsam in Auschwitz, den Frieden" feierten.

Das Landratsamt Dachau als Partner des Festivals machte schließlich nach Rücksprache mit dem Kulturamtsleiter der Stadt Dachau, Tobias Schneider, drei Vorschläge. Die Wahl der Veranstalter fiel auf die Bigband Dachau. Bei ihrem Auftritt im Mosir-Stadion am 16. Juni spielt die Bigband Dachau allerdings nicht ihr übliches Repertoire, sondern ist Teil des internationalen Bläser-Orchesterprojekts "Rebel Babel" mit dem polnischen Rap-Künstler L.U.C. "Rebel Babel" versteht sich als Dialog- und Begegnungsraum für Musiker und Komponisten aus allen Regionen Europas und veranstaltet oft jenseits der Festivalbühnen Flashmobs. Ziel ist ein Austausch der verschiedenen Kulturen und Stile. Am Ende soll aus dem Gemeinschaftsprojekt nichts Geringeres erwachsen als "die größte Band in Europa".

Kuriosum am Rande: Während die Bigband spielt, tritt parallel die Rockband Europe auf; deren Hit "The Final Countdown" war die erste Nicht-Jazz-Nummer, die die Bigband für ihr Repertoire adaptierte.

Wie in den vorangegangenen zwei Jahren wird der Kreisjugendring Dachau auch diesmal wieder eine Busfahrt für Jugendliche zum Life-Festival organisieren, bezuschusst vom Landratsamt Dachau. "Wir wollen damit die Partnerschaft mit Leben erfüllen", sagt Landratsamtssprecher Wolfgang Reichelt. Zwischen den Künstlern Dachaus und Oświęcims gibt es schon seit 30 Jahren eine enge Partnerschaft. Zu verdanken ist das der Initiative der Gruppe D. Neben der bildenden Kunst gewinnt nun die Musik an Bedeutung, denn sie ist es, die junge Menschen zusammenführt, Polen wie Deutsche.

© SZ vom 29.03.2018

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