Viertägige Jubiläumsfeier Tradition mit vielen Brüchen

Schon im November hat der 13-köpfige Festausschuss mit einem formellen Patenbitten Bürgermeister Richard Reischl (im Anzug) als Schirmherrn und Gabriele Böswirth als Festmutter gewonnen.

(Foto: Toni Heigl)

Der Burschen- und Mädchenverein Hebertshausen feiert von Donnerstag an vier Tage lang seine erste Gründung vor 115 Jahren. Seit 1903 hat sich der Verein mehrmals neu aufgestellt. Zum Festauftakt wird Ministerpräsident Markus Söder erwartet

Von Petra Schafflik, Hebertshausen

Egal ob Judasfeuer an Ostern, das Maibaumaufstellen oder der Christkindlmarkt, immer wenn in Hebertshausen Traditionen gepflegt und Feste gefeiert werden, ist der katholische Burschen- und Mädchenverein aktiv dabei. Wer in der Stadt lebt, mag sich wundern, aber hinter der Organisation mit dem altmodisch klingenden Namen steckt eine rührige Gruppe junger Leute, die das Dorfleben mit ihrem Engagement belebt und gestaltet. Aktuell zählt der Verein 90 Mitglieder. "Dabei zu sein, ist für junge Leute im Ort fast schon ein Muss", sagt Vorstand Philipp Winkler. Mitmachen beim katholischen Mädchen- und Burschenverein können Hebertshausener, die 15 Jahre alt sind, einen katholischen Taufschein muss niemand mehr vorweisen, aber mit Heirat oder dem 35. Geburtstag heißt es Abschied nehmen vom aktiven Team. Weil der Verein nicht nur alte Bräuche pflegt, sondern auch selbst auf eine 115-jährige Geschichte zurückschaut, wird an diesem Wochenende groß gefeiert. Von Donnerstag an soll das viertägige Gründungsfest mit politischem Abend, Zeltparty, Kabarett und traditionellem Festsonntag Hebertshausener und auswärtige Gäste aller Generationen unterhalten. "Wir wollen im Dorf mal wieder gemeinsam gscheit feiern."

Der katholische Burschen- und Mädchenverein ist ein angesehener Aktivposten im Gemeindeleben, aber das war in der wechselvollen Geschichte nicht immer so. Gegründet vom damaligen Pfarrer Jakob Holzlechner 1903 als Burschen- und Krankenunterstützungsverein zielte die Organisation darauf ab, "Glaube, Sitte und Berufstüchtigkeit zu fördern". Doch schon 1936, so ist aus der Chronik zu erfahren, löste sich der Verein auf, weil die jungen Männer zum Arbeitsdienst einberufen wurden. Das blieb nicht die einzige Auflösung. Nach dem Krieg 1957 wieder gegründet, trafen sich nur ein paar Jahre lang 30 Burschen zum Volkstanz, absolvierten Seminare und organisierten Theatervorstellungen. Einen weiteren Neustart gab es 1984. Damals initiierten die jungen Männer die beliebte Woidparty als Sommernachtsfest, ließen auch das Judasfeuer wieder aufleben, das noch heute in der Nacht vor Ostern die Bürger zusammenbringt. Eine neue Vereinsfahne wurde bei der 1200-Jahr-Feier der Gemeinde 1985 geweiht, doch erneut brach das Interesse bald ein.

Bürgermeister Richard Reischl (CSU) erinnert sich, dass er selbst als Vorstand damals den Verein "inaktiv" gestellt habe. Umso mehr freut er sich, "dass es weitergeht, so aktiv wie nie zuvor". Seit der letzten Neugründung 2009 sind auch Mädchen willkommen, der Vereinsname wurde geändert. Neue Aktivitäten kamen dazu, aber nach wie vor werden alte Traditionen gepflegt. Auch die enge Verbindung zur Kirche ist geblieben. Eine Fahnenabordnung geht mit bei der Fronleichnamsprozession, die Mädchen und Burschen organisieren das Osterfrühstück beim Auferstehungsgottesdienst und servieren heiße Getränke nach der Christmette.

Tradition und Moderne treffen jetzt auch beim Gründungsfest zusammen: Werbung für ihr Event machen die jungen Leute mit Anzeigen wie auch auf sozialen Medien, sogar ein eigener Video-Clip wurde gedreht. Hitzige Debatten löste das Plakatmotiv aus, das drei Dirndl-Dekolletés zeigt. Kein Bild, das allen gefällt. Doch Vorstand Philipp Winkler und Thomas Kölbl vom Festausschuss haben damit kein Problem. Burschen und Mädchen seien an der Auswahl beteiligt gewesen. "Und Werbung soll ruhig provokant sein". Hitzige Diskussionen gibt es auch wegen des politischen Abends, zu dem Ministerpräsident Markus Söder (CSU) nach Hebertshausen kommt. Angesichts der internen Auseinandersetzung in der CSU gibt es Kritik. Doch der Verein stehe keiner Partei nahe, sagt Vorstand Winkler. Um einen Redner der CSU habe man sich bemüht, weil viele Hebertshausener CSU wählen und man sich daher viele interessierte Gäste erwartet habe. Aus heutiger Sicht, so Winkler, "hätten wir auf den politischen Abend vielleicht lieber ganz verzichtet."

Schließlich gehe es beim Gründungsfest nicht um Wahlkampf, sondern um Tradition. Die wird vor allem am zentralen Festsonntag im Mittelpunkt stehen. Das zeigen auch die Vorbereitungen: Schon im November, auch das ist Brauch, hat der 13-köpfige Festausschuss mit einem formellen Patenbitten Bürgermeister Richard Reischl (CSU) als Schirmherrn und Gabriele Böswirth als Festmutter gewonnen. Eine Festordnung wurde aufgestellt, hölzerne Werbeschilder gebaut, eine 36-Meter-Bar gezimmert und mit viel Handarbeit herzförmige Reservierungs-Taferl gestaltet für jeden der 60 Vereine, die aus ganz Oberbayern anreisen werden. Die Festgemeinde erwartet am Sonntag um sechs Uhr morgens ein Weckruf der Böllerschützen Ampermoching, ab acht werden die Gastvereine empfangen, um zehn Uhr ein feierlicher Festgottesdienst gefeiert. Höhepunkt ist von 14 Uhr an der Festumzug, bei dem alle Vereine in Tracht und mit ihren Fahnen durchs Dorf ziehen.