Verkehrssicherheit:Augen auf und Fuß vom Gas

Verkehrssicherheit: Für Verkehrssicherheit setzen sich Adrian Wiedenmann, Claudia Stier, Richard Wacht, Beate Rexhäuser, Albert Sikora und Stefan Januschkowetz ein.

Für Verkehrssicherheit setzen sich Adrian Wiedenmann, Claudia Stier, Richard Wacht, Beate Rexhäuser, Albert Sikora und Stefan Januschkowetz ein.

(Foto: Toni Heigl)

Dank Schulweghelfern verunglücken nur sehr wenige Kinder im Straßenverkehr. Doch Kreisverkehrswacht, Polizei und Schulamt appellieren gerade jetzt zum Schulbeginn an die Autofahrer, sich besonders umsichtig zu verhalten

Von Julia Putzger, Dachau

Mit neongelber Kappe und Weste stehen sie mitten in Dachau auf der Augsburger Straße, die rote Warnkelle schwenkend. Nein, das ist keine Verkehrskontrolle, nur ein Fototermin, doch Autofahrer sollten immer besonders achtsam sein, wenn sie diese Schulweghelfer in dieser Kleidung sehen. Von kommenden Dienstag an passen Dutzende von ihnen wieder darauf auf, dass alle Kinder sicher zur Schule kommen. Um das zu schaffen sind jedoch alle Verkehrsteilnehmer gefragt.

An den Dachauer Ortseingängen weisen Transparente mit der Aufschrift "Achtung Schulanfang" bereits darauf hin, dass in den kommenden Wochen wieder besondere Vorsicht im Straßenverkehr geboten ist. Kinder und vor allem Schulanfänger gelten laut Adrian Wiedenmann, 2. Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Dachau, als schwächste Verkehrsteilnehmer, weshalb man sich verstärkt für deren Sicherheit einsetzen müsse. Das sei allerdings nur durch die erfolgreiche Zusammenarbeit des Landkreises mit der Verkehrswacht sowie der Stadt Dachau möglich, sind sich die Vertreter der verschiedenen Organe bei der Pressekonferenz einig.

Um zum Schulanfang für Sicherheit auf den Straßen zu sorgen, werde beispielsweise die Polizei an Gefahrenstellen und in Tempo 30-Zonen umfangreiche Kontrollen durchführen, erklärt Richard Wacht von der Polizeiinspektion Dachau. "Diese Überprüfungen werden nicht nur ermahnend, sondern kostenpflichtig sein. Unser Schwerpunkt liegt dabei auf der Geschwindigkeit und auf der Sicherung im Fahrzeug." Denn leider sei die Beanstandungsquote sehr hoch, weshalb man nachhaltig auf die Fahrzeuglenker einwirken wolle.

Insgesamt beurteilt Albert Sikora, Direktor des staatlichen Schulamts des Landkreises Dachau, die Situation im Landkreis aber bereits sehr positiv: Zwar habe es im Jahr 2018 zehn und im Jahr 2019 bisher acht Schulwegunfälle mit verletzten Kindern gegeben, gerechnet auf die Anzahl von etwa 10 000 Schülern allein an den Mittel- und Grundschulen des Landkreises beweise das aber den Erfolg der Maßnahmen. "Trotzdem ist natürlich jeder Unfall einer zu viel", stellt Sikora fest.

Die wichtigsten Akteure sind laut Wacht die Schulweghelfer. Sie sind seit mehreren Jahrzehnten an bestimmten Straßenübergängen im Einsatz und helfen den Kindern beim sicheren Überqueren der Fahrbahn. Und das mit Erfolg: "Der Schulweghelferübergang ist der sicherste Übergang - er ist sicherer als eine Ampel oder ein Zebrastreifen", erklärt Wacht. Bisher habe es an diesen Übergängen noch nie einen Unfall gegeben. Doch damit das auch so bleibt, suchen Stadt, Land und Polizei noch händeringend nach Helfern. Nach einer Einschulung bei der Polizei kann jeder Erwachsene als Schulweghelfer tätig sein, das nötige Material wird von der Dachauer Verkehrswacht zur Verfügung gestellt.

Des weiteren sollen sich aber auch die jungen Schüler selbst möglichst sicher im Verkehr bewegen, weshalb Eltern unbedingt vor dem Schulbeginn den Schulweg mit ihren Kindern üben sollen. Sofern möglich hält Beate Rexhäuser, Fachberaterin Verkehrs- und Sicherheitserziehung im Dachauer Schulamt, den Schulweg zu Fuß auch für die beste Option: "Die Kinder sind gesünder und besser drauf, wenn sie in Ruhe selbst zur Schule gehen können. Und wer einmal zurückdenkt: Es war doch früher das Schönste, auf dem Schulweg mit den besten Freunden zu ratschen." Das größte Verkehrsproblem stellten die Eltern dar, die ihre Kinder per "Elterntaxi" zur Schule bringen. "Wir haben eine McDonalds-Drive-In-Mentalität, die Eltern würden am liebsten bis in die Aula fahren", ärgert sich Rexhäuser. Die schwierigste Aufgabe sei es mitunter, den Eltern einen sensiblen Umgang damit zu vermitteln.

Doch auch das Schulbusfahren will gelernt sein: Rexhäuser trifft sich darum schon am Montag mit den Erstklässlern ihrer Grundschule in Erdweg, um zu üben, wo die Schüler an der Haltestelle auf den Bus warten und welche Verhaltensregeln im Bus gelten. Spezielle Sicherheitsbeauftragte kümmern sich auch an den anderen Schulen in den ersten Wochen um die Verkehrserziehung. Da Schulbushaltestellen auch oftmals außerorts liegen, appelliert Claudia Stier von der Verkehrsbehörde des Landratsamts an alle Autofahrer, auch auf Landstraßen im Haltestellenbereich besonders vorsichtig zu sein.

Das größte Problem sieht Wiedenmann von der Kreisverkehrswacht schlussendlich aber in der allgemeinen Hektik der Erwachsenen: Da der Großraum München und der Landkreis Dachau so stark wachse, könne die Infrastruktur nicht mithalten - in Folge dessen stehe man als Autofahrer regelmäßig im Stau und habe es dann umso eiliger. Er appelliert darum: "Nehmt euch Zeit, geduldet euch und denkt an die anderen!"

© SZ vom 06.09.2019
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