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Verkehrsprobleme in Bergkirchen:Das Kreuz mit den Rasern

Neue Traglufthalle

Bürgermeister Simon Landmann (CSU) versteht, dass sich die Bergkirchner mehr Verkehrssicherheit wünschen.

(Foto: Niels P. Joergensen)

Die wachsende Verkehrsbelastung treibt die Bergkirchener um. Pendler rauschen durch Wohngebiete zur Autobahn. Bürger fordern mehr Radarkontrollen und sichere Wege für Radler

Raser, Durchgangsverkehr und fehlende Radwege: Die wachsende Verkehrsbelastung in der Region treibt auch die Bergkirchener um. Bei der Bürgerversammlung im Gasthof Kreuzhof referierte Bürgermeister Simon Landmann (CSU) am Dienstag im nur schwach besetzten Saal deshalb ausführlich über Verbesserungen, die der Nahverkehrsplan des Landkreises für Bergkirchen bringen wird. Auch die Gemeinde ist aktiv: Sie investiert in Radwege, verstärkt Geschwindigkeitskontrollen, setzt auf innovative Mobilitäts-Ideen wie Mitfahrerbänke, baut die geschlossene Elektro-Ladestation im Gewerbegebiet Gada wieder auf und plant Kreuzungsumbauten für mehr Verkehrssicherheit. Doch die Bürger wünschen sich mehr. Immer noch fehlten Radwege an einigen viel befahrenen Strecken, wurde beklagt. Und trotz aufgestockter Radarüberwachung fühlen sich Anwohner belastet durch Pendler, die ihren Weg zur Arbeit durch Wohngebiete abkürzen oder zu schnell fahren. Rathauschef Landmann zeigte Verständnis, mochte aber keine rasche Lösung versprechen. Im Zuzugslandkreis sei "Verkehr unser Thema. Aber es wird nicht besser, das Chaos wird eher noch schlimmer werden."

Wer mit dem Radl unterwegs ist, muss in der weitläufigen Gemeinde Bergkirchen mit ihren 23 Ortsteilen auf verschiedenen Strecken immer noch auf der Kreisstraße fahren. "Wann kommt endlich ein Radweg von der Himmelreicher Brücke nach Eschenried?", fragte Josef Huber. Die Gemeinde sucht seit Jahren nach einer Lösung, "aber wir wissen noch nicht, wie", räumte der Bürgermeister ein. Ein parallel zur Straße verlaufender Feldweg ist zu schmal, Pappeln stehen im Weg, die angrenzenden Felder sind im Besitz von 50 unterschiedlichen Eigentümern. Nun wird überlegt, eine schmale Radspur mit Pfosten von der Fahrbahn abzutrennen, ähnlich wie beim Sportverein ASV an der Gröbenrieder Straße in Dachau. Ein Radweg vom Kreuzhof zum Langwieder See, den ein anderer Bürger forderte, sei dagegen "fast unmöglich" wegen der schmalen Bahnunterführung, die es zu queren gilt. Grundsätzlich verfolge die Gemeinde aber das Ziel, an jeder Kreisstraße einen Radweg zu bauen. Realisiert wird heuer die Strecke von Priel nach Eisolzried, geplant werden Radwege von Oberbachern nach Schwabhausen, von Kreuzholzhausen nach Priel und von Unterbachern zu den Ortsteilen Breitenau und Webling. Josef Huber sprach sich dafür aus, nicht unbedingt immer die optimale Lösung zu suchen. "Lieber nicht ganz perfekt, dafür aber gleich."

Die Bedeutung von sicheren Wegen für Radler ist auch deshalb groß, weil der motorisierte Verkehr zunimmt. Und gerade im Berufsverkehr oft viel zu schnell gefahren wird. Das beklagten in der Versammlung Anwohner aus Gröbenried und Eschenried, wo Pendler Richtung Autobahn A 8 durchrauschen. Aber auch in Neuhimmelreich wird zu schnell gefahren. Die Bürger fordern mehr Radarkontrollen, und zwar zur Hauptverkehrszeit. Die Gemeinde bucht bei der Kommunalen Verkehrsüberwachung bereits 30 Prozent mehr Kontrollen, zehn weitere automatische Tempo-Anzeigen wurden gekauft. "Aber die Verrückten werden wir nicht rausbringen", ist sich Bürgermeister Landmann sicher. Das zeige der Pilotversuch mit Tempo 40 in der Bergkirchener Römerstraße. Die automatische Geschwindigkeitsaufzeichnung dort hat ergeben, dass die Autofahrer im Schnitt langsamer fahren. "Aber trotzdem rasen am helllichten Tag einzelne mit Tempo 105 durch."

Mehr Sicherheit im Straßenverkehr verspricht sich die Gemeinde auch durch bauliche Maßnahmen. In Bergkirchen sind an der Tankstelle und in Lauterbach beim Maibaum Fußgängerampeln geplant, Unterbachern bekommt einen Mini-Kreisverkehr und an der gefährlichen Kreuzung in Günding wird eine Ampelanlage gebaut. Verschiedene Umbaumaßnahmen haben bisher nämlich nicht geholfen. "Das ist immer noch die unfallträchtigste Kreuzung im Landkreis", so der Bürgermeister. Dennoch wird der Verkehr in Bergkirchen ein Thema bleiben. Deshalb, das kündigte Landmann an, soll eine im Gemeindeblatt veröffentlichte Umfrage noch genauer erfassen, wo die Bürger in Sachen Mobilität der Schuh drückt.

© SZ vom 23.03.2018
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