bedeckt München
vgwortpixel

Verkehrspolitik:Zeit zum Umsteigen

Auf einer Podiumsdiskussion der ÜB sind sich die Experten einig: Nur der Ausbau von ÖPNV und Radwegen kann den Verkehrskollpas verhindern.

Die Verkehrsentwicklung ist ein brisantes Dauerthema, das die Dachauer bewegt. Keine Bürgerversammlung, bei der nicht geklagt wird über lauten Durchgangsverkehr oder fehlende Parkplätze. Wo die Stadt künftig lenkend eingreifen will, steht im Verkehrsentwicklungsplan (VEP), der nun fortgeschrieben werden soll. Doch nach welchen Kriterien? Dazu diskutierten am Montag im Zieglerbräu drei Experten auf Einladung der Überparteilichen Bürgergemeinschaft (ÜB), die im Stadtrat die Novellierung des VEP angeregt hat. "Impulse" erhoffte sich ÜB-Stadtrat Peter Gampenrieder, der gemeinsam mit Alexander Erdmann die Debatte moderierte. Denn Stadt und Landkreis wachsen, auch Neu-Bürger "brauchen Mobilität und erzeugen Verkehr", erklärte Christian Breu, Geschäftsführer vom Regionalen Planungsverband und Planungsverband äußerer Wirtschaftsraum München. Ein Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs und attraktive Radstrecken können entlasten. "Aber 80 Prozent der Verkehrsleistung bewältigt der motorisierte Individualverkehr."

Wo lässt sich ansetzen, um den Verkehrskollaps zu vermeiden? Ideen und Anregungen zu Straßennetz, Parken, Radwegen und öffentlichem Nahverkehr erarbeiteten Rainer Endreß, Kreisvorsitzender des Allgemeinen Deutschen Fahrradclubs (ADFC), Planungsverbands-Geschäftsführer Christian Breu und Klaus Reindl, Mobilitätsexperte, langjähriger Pressesprecher des Automobilclubs ADAC und Gemeinderat in Pfaffenhofen an der Glonn.

Für ihre Ausführungen interessierten sich neben Mitarbeitern von Stadt- und Kreisverwaltung auch Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD), Bergkirchens Bürgermeister Simon Landmann (CSU) und Stadträte, aber überraschend wenige Dachauer. Dem also überwiegend fachkundigen Publikum erläuterten die Podiumsteilnehmer, dass mehr Bürger auf Busse, Bahnen und Fahrrad umsteigen müssen, sollten die Straßen entlastet werden. Voraussetzung ist ein "massiver Ausbau" öffentlichen Nahverkehrs, so Breu. "Denn die S-Bahn ist jetzt schon überlastet." Positiv beurteilt werden Expressbusse, die künftig den westlichen Landkreis an München anschließen könnten. Gute Erfahrungen habe Pfaffenhofen mit einem Rufbus gemacht, so Reindl. Die politisch stark umstrittene Nord-Ost-Umfahrung für Dachau werde den Verkehr nicht reduzieren, "aber den Verkehrszuwachs auffangen", ist Planungsverbands-Geschäftsführer Breu überzeugt. Allerdings fehle ein leistungsfähiger Anschluss zu den Nachbargemeinden. "Da gibt es noch keine tolle Lösung".

Es braucht ein Parkraum-Management

Einig waren sich die Diskussionsteilnehmer, dass Dachau ein Parkraum-Management, sprich Parkgebühren, braucht. So lasse sich "Verkehr reduzieren", betonte Breu. Damit Parkhäuser trotz Kostenpflicht angenommen werden, "müssen sie hell, sauber und bequem sein", mahnte Reindl. Wichtig ist auch die Verknüpfung verschiedener Verkehrsmittel. Hier hat die ÜB bisher die Idee eines Park-and-Ride-Parkplatzes am Stadtrand verfolgt. Mit dem Ziel, den Verkehr vor der Stadt abzufangen. Die Zukunft gehöre aber komplexen Mobilitätsstationen mit E-Bike-Ladestation und Car-Sharing "in der Mitte der Stadt", betonte Breu.

Die Akzeptanz des Fahrrads als "Verkehrsmittel für den Alltag" bewarb ADFC-Vorsitzender Endreß. Dafür müsse die Infrastruktur verbessert werden, gute Radlständer fehlten oft genauso wie eine Vernetzung von Stadt und Landkreis. Allerdings ist das Thema Radfahren offenbar enorm emotional besetzt: Der Wunsch des Radler-Sprechers nach einem besseren Miteinander aller Verkehrsteilnehmer rief sofort kritische Zwischenrufe über "Kampfradler" hervor. Einmütig dagegen fiel das Urteil zur Münchner Straße aus, die aktuell in einer Testphase nur dreispurig verläuft. "Der Verkehr läuft ruhiger und nicht viel langsamer", sagte Endreß. Die markierten Radstreifen auf der Fahrbahn lobte Reindl als "grundsätzlich sicherer". Wegen der Schrägparker, sei "Rücksichtnahme und Mitdenken gefragt", so Reindl und Endreß unisono. Und Christian Breu merkte an, bei seiner Anfahrt habe er "vom Umbau gar nicht viel bemerkt."