bedeckt München 17°

Verkehr:Nordumfahrung schon in zehn Jahren

Die Kreuzung der Schleißheimer Straße zur Alten-Römer-Straße ist stark verkehrsbelastet.

(Foto: Toni Heigl)

Der Landkreis übernimmt 830 000 Euro der Planungskosten, damit das Straßenbauprojekt beschleunigt wird.

Mindestens sechs Jahre will sich der Landkreis erkaufen, indem er maximal 830 000 Euro selbst in Planungskosten für die Nordumfahrung investiert. Das hat der Kreisausschuss mehrheitlich beschlossen. Damit will man das wichtige Verkehrsprojekt beschleunigen und vorbereitet sein, wenn der Freistaat Bayern das Geld zur Verfügung stellt. Landrat Stefan Löwl (CSU) sagte, das staatliche Bauamt Freising könne nun sofort mit der Planung beginnen. Bei der Behörde habe man ihm gesagt: "Wenn wir einsteigen, würden sie in zehn Jahren bauen." Die Planungszeit schätzt das Bauamt auf bis zu sechs Jahre.

Landkreis und Stadt Dachau hatten nochmals gemeinsam ein Gutachten zur Nordumfahrung in Auftrag gegeben. Auf einen Vorschlag von Landrat Löwl hin, wurde eine verkürzte Variante geprüft, die günstiger und schneller zu realisieren wäre und offenbar dieselben gewünschten Effekte hätte. Sie würde vor Webling von der Staatsstraße 2047 weg führen, südlich die Ziegelei Hörl und Hartmann umfahren und nördlich vom Leitenberg wieder auf die Staatsstraße 2339 Richtung Hebertshausen führen. Etwa auf Höhe der Würmmühle könnten Autofahrer dann auf die neue Ostumfahrung wechseln und hätten einen schnelleren Anschluss an die Bundesstraße 471, die vierspurig ausgebaut werden soll und Richtung Autobahn 92 führt. Die Anschlussstelle soll zu einem sogenannten Vollkleeblatt ausgebaut werden. Diese Variante sei billiger und verbrauche weniger Fläche, so Löwl. Auch Dachaus Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD) begrüßt die Idee: "Es spricht nichts gegen die Kurzvariante." Allerdings ärgerte er sich in der Kreisausschusssitzung über den Freistaat. Die Staatsregierung brauche grundsätzlich zu lange, um Verkehrsprojekte anzugehen. "Es ist schade, dass wir die Planungskosten in die Hand nehmen müssen."

"Entweder es wird ohne Umfahrung alles schlimmer, oder es bleibt, wie es ist"

Aus Sicht von Landrat Löwl und einen Großteil der Kreisräte ist es aber unbedingt notwendig, dass über die Umfahrung möglichst schnell Autos rollen. Auch weil sie ein ausdrücklicher Wunsch der Landkreisbürger sei und weil, wie Löwl nicht müde wird zu betonen, im Landkreis schon sehr lange keine neuen Straßen gebaut wurden. Löwl weiß, dass auch die neue Straße sehr schnell wieder voll sein wird. Das Verkehrsgutachten zeigt kaum Entlastungen für die bestehenden Straßen. Aber sie sei die angemessene Reaktion auf den wachsenden Verkehr im Landkreis. Untersuchungen zeigen, dass die Zahl der Autos stärker wächst, als die der Einwohner. "Es gibt mehr Köpfe und alle Köpfe wollen mehr fahren", fasst Löwl zusammen. Er macht keinen Hehl daraus, dass die Belastung durch die Umfahrung zwar nicht abnehme, aber eben auch nicht zunehme. "Entweder es wird ohne Umfahrung alles schlimmer, oder es bleibt, wie es ist."

Die Dachauer Stadträte hatten dem Bau der Nordumgehung im Umwelt- und Verkehrsausschuss zugestimmt. Bis auf CSU und ÜB, die den Bau der Straße dringend fordern, waren die anderen Fraktionen allerdings wenig überzeugt. Die Straße helfe nicht, den Nord-Süd-Verkehr, der sich Richtung B304 durch Dachau und Karlsfeld quält, zu entzerren. Verkehrsreferent Volker C. Koch (SPD) fordert daher dringend eine Westumfahrung. Auch der Stau an der Kreuzung Schleißheimer Straße und Alte Römerstraße löst sich durch die Umfahrung nicht auf. Karlsfeld wird vermutlich wenig profitieren, das zeigt das Gutachten, und das räumt auch Löwl ein. "Aber Karlsfeld würde trotz neuer Gewerbegebiete auch nicht weiter belastet", gibt der Landrat zu bedenken. Gleichwohl sagte Karlsfeld Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU) im Kreisausschuss: "Wichtig ist, dass wir es im Gesamten sehen. Die Kurzvariante ist schlüssig."

Die Grünen im Stadtrat wollen daher weder den Straßenbau noch die Gewerbegebiete mittragen

Ganz deutlich allerdings erklären die Gutachter vom Gevas Humberg und Partner: "Das Gewerbegebiet Dachau Ost (sollte) nur unter der Maßgabe erweitert werden, dass die Ortsumfahrungen realisiert werden." Gemeint sind hier ganz neue Flächen jenseits von Kopernikus- und Fraunhoferstraße, die schon im Dachauer Moos liegen oder angrenzen. Die Grünen im Stadtrat wollen daher weder den Straßenbau noch die Gewerbegebiete mittragen.

Wirklich von den Umfahrungen profitieren wird Hebertshausen. Zwar nicht von der Nordumfahrung, dafür von der Ostumfahrung. Die Gemeinde soll zudem eine Südumfahrung erhalten, die allerdings das Moos durchschneidet. Landrat Löwl hält es für untragbar, dass jetzt die viel befahrene Staatsstraße 2339 Hebertshausen durchschneidet und dabei auch an zwei Schulen direkt vorbei führt. Durch die neuen Straßen würde die Gemeinde um ein Drittel vom Verkehr entlastet.

Mit den Planungen für Ostumfahrung werde das staatliche Bauamt Freising voraussichtlich 2024 beginnen, sagt Löwl. Die Nordumfahrung wäre eigentlich erst danach dran. Weil nun der Landkreis die Planungskosten für die Nordumfahrung trägt, kann sie sogar vor der Ostumfahrung gebaut werden, so hofft der Landrat. Der Ausbau der Kreuzung an der A 92 soll bis etwa 2030 abgeschlossen sein, die Verbreiterung der B 471 wird länger dauern.

Derzeit werden etwa 30 Maßnahmen im gesamten Landkreis untersucht

Das sind jedoch nicht die einzigen Straßen, die im Landkreis in den kommenden Jahren gebaut werden sollen. Derzeit werden etwa 30 Maßnahmen im gesamten Landkreis untersucht. Umfahrungen etwa auch für Erdweg und Schwabhausen, eine Straße zum Gewerbegebiet Altomünster, sowie weitere Straßen bei Markt Indersdorf, Röhrmoos, Petershausen und Odelzhausen. Auch drei Varianten für eine Westumfahrung Dachaus sind darunter.

Die Maßnahmen sind Teil des Gesamtverkehrskonzeptes, auf das sich die 17 Kommunen im Landkreis geeinigt haben. Dabei werden auch Nahverkehr und Radwege geplant. Hartmann sagte, zusätzlich zur Nordumfahrung brauche man "flankierende Maßnahmen im ganzen Landkreis".