Verkehr Karlsfeld mit dem Rücken zur Wand

Täglich zwängen sich mehr als 40 000 Autos durch die Gemeinde. Jetzt soll mit einer Experten-Studie der Verkehrskollaps doch noch abgewendet werden.

Von Gregor Schiegl

Mit Hilfe eines Verkehrsentwicklungsplans versucht Karlsfeld, den Verkehrskollaps in seinem Gemeindegebiet doch noch abzuwenden. Am Mittwoch beauftragte der Hauptausschuss des Gemeinderats die Münchner Ingenieurgesellschaft "Gevas Humberg & Partner" dazu mit einer umfangreichen Verkehrsuntersuchung. Die Experten sollen ein Modell ausarbeiten, anhand dessen sich verschiedene Szenarien der Verkehrsentwicklung in der Gemeinde simulieren lassen. "Wir ersticken im Verkehr", klagt Bürgermeister Stefan Kolbe (CSU).

Auf der Münchner Straße in Karlsfeld fahren täglich 40 000 Fahrzeuge.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Über das Nadelöhr Münchner Straße zwängt sich der Autopendlerverkehr des gesamten Landkreises nach München. Schon heute fahren über manche Abschnitte der Straße mehr als 40 000 Fahrzeuge am Tag. Und es dürften in den kommenden Jahren noch deutlich mehr werden, denn die Zahl der Einwohner wächst im Landkreis weiter - und damit der Verkehr in Karlsfeld. Staus zu den Stoßzeiten sind an der Münchner Straße heute schon Alltag, die Schadstoffbelastung seit Jahren alarmierend. Bei Messungen wurden mehrfach Grenzwertüberschreitungen von Feinstaub, vor allem aber zu viel Stickstoffdioxid festgestellt. Die Konzentration des gesundheitsgefährdenden Gases lag zeitweise 50 Prozent über dem zulässigen Wert. In seiner Not hatte Bürgermeister Kolbe sich sogar jüngst an Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) gewandt. Der konzedierte, dass Karlsfeld sein Verkehrsproblem nicht alleine lösen könne, konnte selbst aber auch keine konkrete Hilfe anbieten.

Nun versucht die Gemeinde sich selbst zu helfen - soweit das irgendwie geht. Sie gibt nach mehr als 20 Jahren erstmals wieder eine detaillierte - und vermutlich nicht billige - Verkehrsstudie in Auftrag. Sie soll aufzeigen, wann sich wo welche Verkehrsströme bewegen und wie schnell. Weiter soll sie klären, was tatsächlich Durchgangs- und was Binnenverkehr ist; wer wann und wo das Rad benutzt, die Bahn oder den Bus; und wie bequem oder umständlich es für die Verkehrsteilnehmer ist, an ihr jeweiliges Ziel zu gelangen. Voraussichtlich im Mai 2013 will Gevas dazu Fragebögen an 8000 Karlsfelder aus 3700 Haushalten schicken, zudem sollen Autofahrer an den Einfallstraßen über ihre Wegstrecken befragt werden. Die genaue Kenntnis der Verkehrsströme soll helfen, Modelle zu entwickeln, wie man die Verkehrsteilnehmer zum Umstieg vom Auto auf andere Verkehrsmittel bewegen kann.

Bündnis-Fraktionssprecherin Mechthild Hofner hofft, dass dies zu einer spürbaren Verbesserung der Radwege führt: "Das ist eine der großen Chancen, den innerörtlichen Verkehr zu entlasten." Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU), der selbst in die Ausarbeitung des Untersuchungsprogramms eingebunden war, warnte vor überzogenen Erwartungen an den Verkehrsentwicklungsplan: Karlsfeld könne aufgrund seiner Lage das Problem nicht wie andere Gemeinden einfach mit einer Umfahrung lösen. "Das Ergebnis der Untersuchung wird uns noch viel Kopfzerbrechen bereiten", sagte er. Andererseits bekomme man nun endlich "diskussionsfähige Zahlen" an die Hand.

Diese Zahlen dürften noch eine wichtige Rolle spielen, wenn es darum geht, Verursacher großer Verkehrsströme jenseits der Gemeindegrenze zu identifizieren und mit in die Verantwortung zu nehmen: "Ich schätze, dass täglich 2000 Leute durch Karlsfeld mit dem Auto zu MAN fahren", meint Kolbe. "Aber erst, wenn ich genau sagen kann, dass es so und so viele sind, ist das ein schlagkräftiges Argument, wieder Werksbusse einzuführen."