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Verkehr in Karlsfeld:Noch eine Chance für die N71

Einen Erfolg wie den der Linie 172, die zwischen Dachau und Feldmoching verkehrt, würden sich auch die Karlsfelder für ihren Nachtbus wünschen.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Bislang wird der Nachtbus, der vom Westfriedhof nach Karlsfeld fährt, nur wenig genutzt. Pro Jahr sind es gerade einmal 176 Fahrgäste. Die Gemeinde will das Angebot in den kommenden Jahren besser bewerben

Von Christiane Bracht, Karlsfeld

Manch ein Nachtschwärmer ist froh um sie. Doch viele haben den Nachtbus N71 bisher nicht genutzt. Gerade mal 352 Fahrgäste stiegen in die Linie, die seit Dezember 2017 jeden Samstag und Sonntag von 1.34 Uhr an jede halbe Stunde vom Westfriedhof nach Karlsfeld fährt. Die letzte Fahrt startet um 5.04 Uhr. Endstation ist die Gartenstraße. 16 Minuten braucht der Bus für die gesamte Strecke. "Wenn es das früher gegeben hätte", entfuhr es Alexandra Kolbinger (CSU) im Bauausschuss. Ja, das hätte sich wohl manch ein Gemeinderat gewünscht. Umso enttäuschter waren die Kommunalpolitiker über die geringe Auslastung der Linie.

"176 Fahrgäste pro Jahr, das macht 57 Euro pro Fahrgast", rechnete Vizebürgermeister Stefan Handl (CSU) vor. "Dafür hätten wir jedem ein Taxi zahlen können." Die Ernüchterung ist groß. Es geht um die Frage: Soll der Nachtbus weitere vier Jahre fahren? Pro Jahr würde das 11 065 Euro kosten, erklärt Günther Rustler, der für Verkehr im Rathaus zuständig ist. Eine stolze Summe für die klamme Gemeinde. "Wir wollen den öffentlichen Nahverkehr stärken", mahnte Handl. Die "Erfolgslinie 172", die zwischen Dachau und Feldmoching pendelt, hätte sich auch erst etablieren müssen, ebenso sei es bei der Einführung des 160ers gewesen, der Karlsfeld an Pasing anbindet. "Wir sollten dem N71 eine Chance geben", meinte Handl. "Wenn wir sie vorschnell beerdigen, waren alle Investitionen umsonst." Vielleicht könne man mit Werbung die Zahl der Nutzer erhöhen. "Vielleicht ist er bei der Zielgruppe nicht ausreichend bekannt." Michael Fritsch (Grüne) nahm ihm die Hoffnung: "Diese Altersgruppe nutzt die Handy-App und hat mit einem Klick alle Verbindungen." Doch als einer die MVG-App testete, stellte sich heraus, dass der N71 nicht angezeigt wird.

Kritik übten einige Gemeinderäte an der Wahl der Haltestellen. In Karlsfeld hält der N71 lediglich an der Münchner Straße, bei St. Anna, dem Schwarzgraben- und Kiem-Pauli-Weg, sowie der Gartenstraße. "Warum fährt er nicht zum Bahnhof?", fragte Kolbinger. Dort fahre man schließlich los. Viele hätten dort auch ihr Fahrrad geparkt. Fritsch beklagte, dass die Rothschwaige, in der er wohnt, nicht angeschlossen sei. Rustler erinnerte daran, dass die N71 ein Angebot der Stadt München war, die Linie zu verlängern, weil der Bus sonst einfach stehen bleiben und bis zu seinem nächsten Einsatz warten würde. Das mache sie für Karlsfeld kostengünstig. Dachau habe eine Verlängerung abgelehnt, deshalb könne auch die Rothschwaige nicht angefahren werden.

"Die N71 ist ein Baustein unseres Mobilitätskonzepts der Zukunft", mahnte Franz Trinkl (SPD) und plädierte für eine Verlängerung um weitere vier Jahre. Auch Verkehrsreferent Bernd Wanka (CSU) war dafür. Gerade für junge Frauen, die am Wochenende mal später nach Hause wollen, ohne das Elterntaxi in Anspruch zu nehmen, biete der Bus eine relativ sichere Möglichkeit, erinnerte er. Außerdem werde sich die Attraktivität der Linie sicher erhöhen, wenn der S-Bahn-Nordring erst für den Personennahverkehr erschlossen und die zweite Stammstrecke gebaut sei. Er schlug vor, in der Gemeindezeitschrift noch einmal auf die Nachtlinie aufmerksam zu machen.

Um die Attraktivität der Busse zu steigern, sollen "dynamische Fahrgastinformationen" angebracht werden. Das sind Anzeigetafeln, die informieren, wie lange es noch dauert, bis der Bus kommt. 190 400 Euro kostet dies für 24 Haltestellen, erklärte Rustler. Doch der Freistaat fördert dies zu 80 Prozent, sodass die Gemeinde nur noch rund 38 000 Euro dafür zahlen muss. "Der Unterhalt bleibt aber bei uns", warnte Handl. Doch Wanka wandte ein, dies sei ein wichtiger Beitrag für die Verkehrswende in einer vom Verkehr äußerst geplagten Gemeinde. Die am stärksten frequentierten Haltestellen sollen nun mit den Tafeln ausgestattet werden.

© SZ vom 08.10.2020
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