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Radwegkonzept für Dachau:Breiter, besser, sicherer

Stadträte einigen sich auf ein Radwegenetz für Dachau, das in ein Gesamtkonzept einfließt. Das Fahrrad soll sich als Alternative zum Auto etablieren

Die Dachauer Stadträte haben sich auf ein Radwegenetz für die Stadt geeinigt. Es ist die Grundlage des Radverkehrskonzeptes, das derzeit erstellt wird. Ergebnis soll ein schnelles und sicheres Wegenetz für erwachsene Radler sein, die Alltagsstrecken bewältigen. Gleichzeitig soll auch ein beschildertes Netz an Nebenrouten entstehen, das etwa von Gelegenheitsfahrern oder Kindern genutzt werden kann, die sich vielleicht an Hauptstrecken nicht sicher fühlen könnten. Als Grundlage für das Radverkehrskonzept hatte die Stadt auch die Dachauer Radfahrer befragt. Nach einem Beschluss der Stadträte im Frühjahr vor einem Jahr, hatte die Stadtverwaltung ein Planungsbüro gesucht und im Juli 2018 das Büro PGV Alrutz aus Hannover beauftragt.

Das Radverkehrskonzept der Stadt wird mit dem des Landkreises abgestimmt, somit gibt es auch eine Zusammenarbeit zwischen der Stadt und den umliegenden Gemeinden. Bergkirchen hat bereits den Wunsch angemeldet, eine Radwegverbindung zwischen Himmelreich und Gröbenrieder Straße entlang der B471 zu schaffen. Die SPD hat in einem gesonderten Antrag noch eine Verbindung zwischen Gewerbegebiet Dachau-Ost und Hebertshausen vorgeschlagen.

Parteiübergreifend und landkreisweit wird mittlerweile darüber nachgedacht, wie dem Fahrradverkehr Platz gemacht werden kann, damit das Fahrrad sich als echte Alternative zum Auto etablieren kann. Dafür brauchen Radler vor allem mehr Sicherheit. Ziel des Dachauer Konzeptes ist "eine deutliche Steigerung des Radverkehrs", so schreibt die Stadtverwaltung in der Sitzungsvorlage für den Umwelt- und Verkehrsausschuss. Zwei Gutachterinnen vom beauftragten Büro PGV Alrutz hatten sich zunächst den Zustand der Radwege angesehen und einiges verbesserungswürdig gefunden. So hören manche Radwege etwa entlang der Alten Römerstraße oder an der Münchner Straße stadtauswärts unvermittelt einfach auf. Andere sind viel zu schmal und bringen Radfahrer und Fußgänger in Gefahr, etwa an der Schillerstraße und Sudetenlandstraße. In einem Workshop im Februar hatten die Gutachterinnen mit Stadträten, Verwaltungsmitarbeitern, Polizisten und Verbandsmitgliedern diskutiert.

Auch Michael Eisenmann (Bündnis) und Peter Strauch (CSU) waren dabei. Klar ist für beide, dass die eigentliche Arbeit erst anfängt, wenn das Konzept steht. Trotzdem bezeichnet Eisenmann das Konzept als "Quantensprung". Er sei begeistert darüber. "Dann weiß man, wie man arbeiten kann." Auf vielen Straßen Dachaus muss erst einmal Platz geschaffen werden. Die CSU hat dazu einen Antrag gestellt, Einbahnregelungen etwa in der Martin-Huber-Straße zu prüfen. "Wir werden diesem Antrag zustimmen", sagt Eisenmann. Die Idee stammt vom Bündnis und Strauch räumt ein, die CSU habe diese früher einmal abgelehnt.

Die Einigkeit der beiden Stadträte in dieser Frage zeigt einen mittlerweile fraktionsübergreifenden Konsens. Fraglich ist nur, mit welcher Maßnahme wo begonnen werden wird. "Fast alle Radwege müssen verbessert werden", sagt Strauch. "Ein roter Schutzstreifen reicht da nicht." Dann fügt er an, so einen Radweg zu bauen, sei richtig teuer.

Eisenmann vom Bündnis ist dabei nicht aufs Sparen bedacht. Das Bündnis fordert, dass die Stadt pro Einwohner und Jahr 18 Euro in Verbesserungen für den Radverkehr investiert. "Das muss es uns wert sein." Davon abgesehen gibt sich Eisenmann, dessen Fraktion gerne mal radikale Forderungen stellt, gemäßigt. In Straßen, wo Geschäfte sind, müsse man behutsam vorgehen und Schritt für Schritt Verbesserungen für den Radverkehr schaffen - die, wie auch Strauch einräumt, nun mal meistens den Autofahrern Platz wegnehmen, Stellfläche etwa. "Wir wollen den Radverkehr stärken", sagt Eisenmann. Und damit Schritt für Schritt den Autoverkehr ersetzen. Die Geschäftsinhaber müssten dabei allerdings auch mitziehen.

Fahrradverkehr

Hauptsächliches Ziel ist ein lückenloses Wegenetz mit gemütlichen und sicheren Nebenstrecken und Hauptstrecken.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Vor allzu radikalen Ansätzen warnt zumeist die CSU, und so mahnt Peter Strauch, nicht zu vergessen, dass Radverkehr Wetter- und Jahreszeiten abhängig ist. "Dann müssen die Radfahrer sich auf den ÖPNV verlassen können." Die Polizei sieht Verbesserungsbedarf besonders an den Kreuzungen Schleißheimer Straße und Friedenstraße sowie Schillerstraße und Gröbenrieder Straße. Es helfe, Radwege deutlicher zu markieren. Die Statistik zeigt, wie gefährdet Radfahrer sind. Insgesamt nimmt die Polizei zwar wenige Radl-Unfälle auf - nur sechs Prozent aller Unfälle. Doch in 42 Prozent der Unfälle mit Verletzten sind Radfahrer involviert und sogar in 45 Prozent aller Fälle mit schwer Verletzten.

Mit dem Radwegekonzept wird die Stadt wohl eine Forderung des Verkehrsclubs ADFC und auch der Fraktion Bündnis für Dachau umsetzen: deutlich bessere und besser markierte Radwege. Vorrangig sollen Radfahrerstreifen auf der Fahrbahn angelegt werden oder direkt neben der Fahrbahn auf Höhe des Gehsteigs. Nur noch in Ausnahmefällen sollen Radwege hinter Baumreihen oder einer Reihe parkender Autos verschwinden. Wie Bündnis-Mitglied Bernhard Sturm schon früher der SZ erklärte, führten solche abgetrennten Radwege nur zu trügerischer Sicherheit. Weil die Radfahrer für Autofahrer nicht sichtbar sind, kommt es an Kreuzungen und Einfahrten umso eher zu Konflikten. Zum Schutz der Fußgänger sollen die Radwege auch möglichst von den Bürgersteigen getrennt werden. Erst recht, wenn durch E-Bikes und bald elektrisch betriebene Tretroller neue, schnelle Fahrzeuge hinzukommen. Auch Lastenräder werden beliebter, ihr Einsatz wird von der Stadt gefördert. Auch deshalb wird darauf geachtet, dass neue Radwege ausreichend breit ausfallen. Kritisiert haben die Gutachterinnen auch, dass mal gelbe, mal weiße Schilder den Radfahrern die Richtung weisen. Das soll angepasst werden.

Fahrradverkehr

Statt gelber und weißer soll es in Zukunft einheitliche Schilder geben.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Nachdem die Stadträte sich einstimmig auf das Netz einigen konnten, sollen sie noch im Juli über den Entwurf zum ganzen Radverkehrskonzept abstimmen. Es soll die Planung für verschiedene Maßnahmen von Wegeausbau bis Beschilderung enthalten sowie die Festlegung von Haupt- und Nebenrouten.