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Verkehr:Autohäuser am Limit

Im Autohaus Rapp in Karlsfeld ist es laut Verkaufsleiter Georg Maier schon zu echten Engpässen gekommen.

(Foto: Toni Heigl)

Kfz-Innungsbetriebe im Landkreis beklagen einen Rückstau bei der Zulassung von Autos. Da bis Jahresende ein gesenkter Mehrwertsteuersatz gilt, rechnen sie mit Last-Minute-Käufen und befürchten noch längere Wartezeiten. Das Landratsamt gibt an, die Situation im Griff zu haben

Von Jacqueline Lang, Dachau

Noch bis Ende des Jahres zahlt man beim Einkaufen nur 16 statt 19 Prozent Mehrwertsteuer. Das gilt beim Kauf der Milch im Supermarkt, das gilt aber auch beim Kauf eines neuen Autos. Der Verband des Kraftfahrzeuggewerbes Oberbayern rechnet deshalb mit "Last-Minute-Käufen" und fürchtet gleichzeitig, es könnte aufgrund des Mehr an Autos zu "massiven Problemen" bei der Zulassung von Kraftfahrzeugen zum Jahresende kommen. Laut Verband ist die Situation vor allem im Landkreis Dachau problematisch: Von den elf befragten Kfz-Innungsbetrieben im Landkreis bewerten sieben die Arbeit der Zulassungsstelle schon jetzt als "mangelhaft".

Laut einer Online-Befragung des Verbandes, an der sich insgesamt 500 Kfz-Innungsbetriebe aus ganz Bayern beteiligt haben, gaben elf befragte Betriebe aus dem Landkreis Dachau an, dass die Bearbeitungszeit zwischen bis zu drei Tagen und einer Woche liege. Durch die Verzögerungen bei der Zulassung entstünden im Durchschnitt etwa fünf zusätzlich Standtage für Fahrzeuge, was zur Folge habe, dass die Betriebe auch erst fünf Tage später ihr Geld bekämen. Acht der elf Betriebe rechnen mit Problemen zum Jahresende aufgrund der örtlichen Situation an der Zulassungsstelle, sechs gehen sogar von "starken" bis "sehr starken" Problemen aus.

"Gerade die Corona-Krise zeigt, wie sehr viele Menschen auf ihr eigenes Fahrzeug vertrauen", sagte Albert Vetterl, Präsident und Landesinnungsmeister des bayerischen Kraftfahrzeuggewerbes. Deshalb müssten die kommunalen Verwaltungen dringend die Grundlage dafür schaffen, "dass Zulassungen reibungslos möglich sind - sowohl im Interesse der Autobesitzer als auch im Interesse der mittelständischen Kfz-Händler vor Ort", mahnt Vetterl.

Georg Schmeller vom Autohaus Schmeller in Markt Indersdorf weiß, wovon Vetterl spricht, doch er sieht das pragmatisch: Natürlich seien die Wartezeiten im Vergleich zu der Zeit vor Corona lange, weil man immer eine Woche vorab einen Termin vereinbaren müsse, "aber momentan geht es eben nicht anders".

Ähnliches berichtet auch Sabine Obermaier vom Autohaus Gruber in Dachau: In den ersten Wochen der Coronazeit habe man sogar zwei bis drei Wochen auf eine Zulassung warten müssen, aber mittlerweile sei man mit einer Woche Wartezeit weitestgehend wieder zum Normalzustand zurückgekehrt.

Da Schmeller selbst nur eine begrenzte Zahl an Autos hat, die er in der Woche verkauft, hat er auch so schnell kein Platzproblem und kann "gut damit leben", wenn mal ein Fahrzeug mal ein paar Tage länger bei ihm auf den Hof steht. Dass das bei Autohäusern, die größere Mengen umsetzen anders ist, kann er sich allerdings gut vorstellen.

Ein solcher Fall ist etwa das Autohaus Rapp in Karlsfeld: Verkaufsleiter Georg Maier sagt, es sei schon zu "echten Engpässen" gekommen wegen der Zulassungsstelle, und eine Verbesserung habe er seit Beginn der Krise noch nicht feststellen können. Das hänge vor allem damit zusammen, dass immer nur noch maximal drei Vorgänge pro Termin abgehandelt werden könnten - wenn man denn überhaupt einen Termin bekomme.

Die Auswirkungen der Mehrwertsteuersenkungen haben Schmeller und Obermaier nur ganz kurz bemerkt: Einen "kurzen Run" habe es am Anfang gegeben, sagt Schmeller, doch der Markt habe sich schnell wieder beruhigt. Das deckt sich mit den Angaben der Dachauer Zulassungsstelle: "Tatsächlich sind die Zahlen der Vorgänge allgemein im Juli im Vergleich zum Vorjahr recht ähnlich, dafür im August und September merkbar erhöht und im Oktober wieder geringer als 2019", heißt es dort auf Nachfrage.

Schmeller kann deshalb nicht bestätigten, dass derzeit viele Menschen auf den letzten Drücker noch Autos kaufen, und für ihn ist der Grund auch schnell gefunden: Wer jetzt ein Auto kauft, kann nur in Ausnahmefällen noch damit rechnen, dass sein Auto noch in diesem Jahr geliefert wird, sofern es nicht schon im Autohaus auf ihn wartet. Und wenn es erst im kommenden Jahr geliefert werde, könne er, sagt Schmeller, auch erst 2020 die Rechnung schreiben - mit der dann geltenden Mehrwertsteuer von 19 Prozent.

Maier, der erst vergangene Woche ein Auto verkauft hat, befürchtet, dass es "zu Diskussionen kommen wird", sollte das Auto nicht mehr rechtzeitig geliefert werden können, auch wenn natürlich alles vertraglich festgehalten ist. "Es ist alles nicht mehr so, wie es einmal war", sagt er. Prognosen darüber abzugeben, wie sich die Situation insgesamt entwickeln werde, sei daher schier unmöglich. Und auch wenn daran die Behörden bei Weitem keine Alleinschuld tragen, steht für Maier doch eines fest: Hätte sein Autohaus an der Umfrage teilgenommen, die Dachauer Zulassungsstelle hätte die Note "mangelhaft" bekommen.

Die Dachauer Zulassungsstelle indes gibt an, die Situation im Griff zu haben. Demnach gebe es aktuell keinen Rückstau bei der Behörde. "Wir sind mit allen Zulassungen, Umschreibungen und sonstigen Vorgängen, auch bei den Abgaben der Händler und Zulassungsdienste seit August tagesaktuell", heißt es seitens des Landratsamts, an das die Zulassungsstelle angegliedert ist. Einige wenige Ausnahmen gebe es, wenn zum Beispiel die Unterlagen nicht vollständig oder korrekt eingereicht würden, wenn erst kurz vor Ende der Öffnungszeiten die Vorgänge durchführbar seien oder die Unterlagen nicht mehr abgeholt würden.

Das vereinfachte Zulassungsverfahren, das man zwischenzeitlich eingeführt hatte, bietet die Zulassungsstelle seit Ende Oktober nicht mehr an, "da hier die Unterlagen oft nicht vollständig eingereicht wurden und die Kosten teilweise nicht beglichen wurden".

Laut der Zulassungsstelle liegt eine "detaillierte Statistik, ob die Anträge durch den Verkauf von einem Autohaus oder einem Privatkauf eingereicht wurden" nicht vor. Grundsätzlich lasse sich aber sagen, dass sich die Terminvergabe und die anderen Annahmemöglichkeiten "gut eingespielt" hätten und von Bürgern wie Firmen gut angenommen würden, "sodass zumindest ein vorübergehender Normalzustand erreicht wurde".

© SZ vom 17.11.2020
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