Verkehr Dachau entwickelt sich zum Transit-Landkreis

Verkehrsdrehscheibe Markt Indersdorf: Über den Kreisverkehr am Gewerbegebiet fahren täglich auch viele Pendler aus Nachbarlandkreisen.

(Foto: Toni Heigl)

Immer mehr Pendler aus Nachbarregionen wie Pfaffenhofen an der Ilm oder Aichach passieren den Landkreis Richtung München.

Von Wolfgang Eitler, Dachau

Das eben erst fertiggestellte Gutachten zur Situation des Verkehrs im Landkreis hat teils völlig neue Erkenntnisse über Pendlerströme und ein sich ständig wandelndes Mobilitätsverhalten der gesamten Bevölkerung ergeben. Demnach entwickelt sich der Landkreis zu einer Region, in der die Zahl der Pendler in den Raum München aus den Nachbarregionen von Pfaffenhofen a. d. Ilm bis Aichach und Augsburg zunimmt. Außerdem können die bestehenden Taktzeiten der Busse und S-Bahnen mit den flexiblen Arbeitszeiten bei Unternehmen nicht mehr mithalten. Schließlich hat sich der Autoverkehr vom Norden des Landkreises über Markt Indersdorf, Dachau und Karlsfeld erwartungsgemäß als zentrales Problem herausgestellt.

Noch sind nicht alle Daten der sogenannten Grundlagenerhebung ausgewertet. Aber die wesentlichen Trends kann Landrat Stefan Löwl (CSU) bereits darlegen. Demnach wird es zusehends schwieriger für den Landkreis, ein in sich stimmiges und alle Bereiche gleichermaßen erfassendes Verkehrskonzept zu schaffen. Wesentliche Gründe liegen in der Art der neuen Mobilität. Vor ungefähr einem Jahrzehnt fuhren die Bürger gegen acht Uhr morgens spätestens in die Arbeit. Gegen 16 bis 17 Uhr war Schluss. Jetzt stellt sich heraus, dass Busse, S-Bahnen und Straßen wegen flexibler Arbeitszeiten ständig überlastet sind. Dazu kommt, dass der Landkreis Teil der Freizeitregion des Münchner Umlands geworden ist. Schließlich setzen die Pendler immer mehr unterschiedliche Verkehrsmittel ein: Auto und S-Bahn oder Fahrrad und Öffentlicher Nahverkehr. Solche Entwicklungen erschweren jede Planung aus einem Guss.

Gießkannen-Prinzip oder Schwerpunkt-Prinzip

Aber am meisten hat Landrat Löwl der Trend überrascht, dass Dachau zu einem Durchgangslandkreis Richtung München wird. "Viele Verkehrsströme sind nicht im Landkreis selbst begründet", sagt er. Denn sie führen von Aichach und Augsburg Richtung Flughafen München und Gewerbegebieten im Münchner Norden. Oder aus Pfaffenhofen a. d. Ilm nach Petershausen. Schließlich hat sich in der Grundlagenerhebung herausgestellt, dass der Blick allein auf das Münchner Zentrum verfehlt ist. Denn viele Dachauer wollen Richtung Norden auch in den Landkreis Freising und auch nach Fürstenfeldbruck.

Landrat Löwl und die Landkreisverwaltung werden diese Ergebnisse im Detail am Freitag, 15. Juli, dem Kreisausschuss vorlegen und am Freitag, 31. Juli, dem Plenum des Kreistags. Die Debatte soll sich auch darum drehen, wie die Erkenntnisse gemeinsam mit Experten in Verkehrsmodelle umgewandelt werden könnten. Dafür sieht die Verwaltung zwei unterschiedliche Ansätze. Nach dem Gießkannen-Prinzip müsste jede Gemeinde irgendwie entlastet werden. Nach dem Schwerpunkt-Prinzip sucht sich der Kreistag die neuralgischen Punkte aus mit den größten Entlastungseffekten.

Öffentlicher Nahverkehr muss leistungsfähiger werden

In diesem Sinne müsste sich der Kreistag nach Ansicht von Landrat Löwl zunächst mit dem Hauptproblem, dem Verkehr von Indersdorf über Dachau nach Karlsfeld und darüber hinaus befassen. Löwl ist der Ansicht, dass wegen des enormen Zuzugs in den Ballungsraum und auch in den Landkreis sich nicht mehr die Frage stellt, ob der Straßen- oder mehr der Öffentliche Nahverkehr verbessert werden soll. "Es geht nicht um ein Oder, sondern um ein Und."

Der Öffentliche Nahverkehr werde sich seiner Ansicht nach stark verändern müssen hin zu Tangentialen quer durch den Landkreis von Fürstenfeldbruck in den Norden Münchens oder auch von Indersdorf über Röhrmoos und Schönbrunn mit dem größten Arbeitgeber des Landkreises, dem Franziskuswerk Schönbrunn. Außerdem empfiehlt Löwl allen Gemeinden Trassen für Radwege vorzuhalten. Löwl erhofft sich Verkehrsmodelle, die einerseits den Verkehr aus zentralen Orten wie Indersdorf (auch wegen der historischen Klosteranlage), Dachau und Karlsfeld heraushalten, gleichzeitig aber den Nahverkehr stärken.