Verein Frauenhaus-Frauenhilfe Tag der Entscheidung

Die Mitglieder des Vereins Frauenhaus-Frauenhilfe befinden auf einer außerordentlichen Mitgliederversammlung darüber, ob sich der Verein auflöst oder mit neuen Aufgaben weiter geführt wird.

Von Petra Schafflik

Für den Verein Frauenhaus-Frauenhilfe geht es am heutigen Donnerstag um die Zukunft. 80 Mitglieder sind zu einer außerordentlichen Versammlung geladen, um über die Auflösung des Vereins oder aber Weiterführung mit neuen Aufgaben zu entscheiden. Zum Hintergrund: Nachdem die Trägerschaft des Frauenhauses im vorigen Sommer an die Arbeiterwohlfahrt (AWO) übergegangen ist, hat der Verein Frauenhaus-Frauenhilfe seine Kernaufgabe verloren. Vorsitzende Marina Langmesser-Peter will nun aus der bestehenden Organisation heraus neue Schwerpunkte setzen. Doch ein Teil der Mitglieder, darunter auch die Mitgründerin und langjährige Vorsitzende Gerti Müller, plädieren für Auflösung und anschließende Neugründung mit neuen Inhalten. Die reguläre Mitgliederversammlung im Dezember konnte den Konflikt nicht lösen, jetzt soll eine Entscheidung fallen.

Das inhaltliche Konzept, mit dem Vorsitzende Marina Langmesser-Peter den Verein in die Zukunft führen will, mag sie vor der entscheidenden Mitgliederversammlung der Dachauer SZ nicht detailliert erläutern. Nur soviel: Der 24-Stunden-Notruf, den der Verein bislang neben dem Frauenhaus organisiert hat, soll weitergeführt werden. Obwohl das Frauenhaus jetzt aufgrund gesetzlicher Vorgaben gerade eine eigene ehrenamtliche Rufbereitschaft aufbaut.

Zudem ist vor wenigen Tagen neu das bundesweite Hilfetelefon "Gewalt gegen Frauen" freigeschaltet worden. Auch diese Notrufnummer ist rund um die Uhr kostenfrei erreichbar und bietet laut Internetseite Frauen "Information, Erstberatung und auch die Weiterempfehlung von geeigneten Anlaufstellen in der Nähe". Dennoch bleibe die Weiterführung des bewährten Notrufangebots im Verein sinnvoll, erklärt Langmesser-Peter, die seit 2008 dem Vereinsvorstand angehört. "Der Bedarf ist da", das zeige die Erfahrung aus der Notruf-Praxis. Zusätzlich soll der Verein künftig seine Rechtsberatung weiterführen.

Diese inhaltliche Neuorientierung des Frauenhausvereins möchte Marina Langmesser-Peter über eine geänderte Vereinssatzung festschreiben. Zweck des Vereins wäre künftig, sofern die Mitgliederversammlung zustimmt, "die Förderung des Schutzes von Ehe und Familie". Auch der Vereinsname soll analog den Aufgaben verändert werden in Frauenhilfe-Frauennotruf.

Doch diese Neuausrichtung wollen nicht alle Mitglieder mittragen. Als "Rollback ins letzte Jahrtausend", empfindet Gründungsmitglied Gerti Müller den vorliegenden Satzungs-Entwurf. Auch verändere sich der Fokus des Vereins: "Die Parteilichkeit für die Frauen geht verloren, eine Zusammenarbeit mit dem Frauenhaus wird nicht mehr erwähnt." Dabei war genau das Frauenhaus stets das zentrale Projekt des Vereins. Um so eine Schutzeinrichtung für Opfer häuslicher Gewalt aufzubauen, die es zuvor in dieser Form im Landkreis nicht gegeben hat, ist der Verein von engagierten Frauen eigens gegründet worden. Gegen politische Widerstände konnte 1998 gemeinsam mit der AWO dann das Frauenhaus eröffnet werden, das der Frauenhaus-Verein seitdem in gemeinsamer Trägerschaft mit der AWO unterstützt hat. Doch seit August 2012 ist die AWO alleiniger Träger, die Funktion des Frauenhauses sollte durch die Zuordnung zu dem großen Träger gestärkt werden. "Damit ist der Zweck des Frauenhausvereins weggefallen", findet Müller. Der Verein soll aufgelöst, mit den neuen Zielen dann von daran interessierten Mitgliedern neu gegründet werden, findet das Gründungsmitglied. "Das wäre die sauberste Lösung." Warum Vorsitzende Langmesser-Peter so einen klaren Schnitt ablehnt, war nicht zu erfahren. Dabei ist es nichts Ungewöhnliches, dass sich Vereine auflösen, sobald ihr Zielprojekt realisiert oder die Kernaufgabe anderweitig übernommen wird. So hat sich in Dachau etwa der traditionsreiche Verkehrsverein 2001 aufgelöst, als das jahrelang von dieser Organisation betriebene Informationsbüro in der Altstadt von der Stadt selbst übernommen worden ist.