Süddeutsche Zeitung

Verantwortung bewusst sein:"Der persönliche Kontakt fehlt"

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Sebastian Altmann, Taekwondo-Trainer beim TSV Dachau, über begrenzte Möglichkeiten

Protokoll:  Lisa Brendel

Grundsätzlich merken wir, dass die Eltern sehr besorgt sind. Einige Kinder sind seit März nicht mehr erschienen. Wahrscheinlich, weil jemand in der Familie einer Risikogruppe angehört. Ansonsten gab es aber trotzdem viele Kinder und Jugendliche, die regelmäßig zum Sport gekommen sind, solange dieser noch angeboten wurde. Da kristallisierten sich also schon zwei Gruppen raus. Für uns als Sportverein ist das Ganze eine große Umstellung.

Jetzt, da wir den gesamten November schließen müssen, ist es für uns natürlich schwer. Wir haben unser Angebot nun auf Onlinekurse umgestellt. Das wird sehr gut angenommen und das freut uns sehr. Es ist aber leider nicht zu vergleichen mit einem echten Training auf dem Sportplatz. Wir sehen zwar unsere Teilnehmer durch die Kamera auf dem Bildschirm, aber die Möglichkeiten sind stark begrenzt. Das liegt teilweise daran, dass die Kinder und Jugendlichen zuhause in ihrem Wohnzimmer trainieren und dort nur ein begrenzter Platz zur Verfügung steht. Auf der anderen Seite gibt es aber auch viele Übungen im Training, die durch die Trainer korrigiert oder unterstützt werden müssen, damit sie richtig ausgeführt werden können. Das ist nun nicht möglich.

Der gesamte Verein und ich sind sehr froh, dass wir in der aktuellen Zeit auf dieses Methode des Online-Trainings zurückgreifen und so den Kontakt zu den Sportlern und Sportlerinnen aufrechthalten können. Aber der persönliche Kontakt in der Halle mit den Vereinsmitgliedern fehlt. Normalerweise versuchen wir, in allen Sportarten eine Gruppendynamik durch Partnerübungen oder Gemeinschaftstraining zu entwickeln, da wir finden: Gemeinsam sind wir besser als jeder für sich alleine. Jedoch wissen wir auch, dass es aktuell oberste Priorität ist, an die Gesellschaft zu denken. Deshalb müssen wir jetzt unsere Mitmenschen schützen und auf den Sport in den Hallen vorübergehend verzichten. Bei uns Sportlern kommt es ja häufig vor, dass man sich mit Niederlagen oder Rückschlägen auseinandersetzen muss. Deshalb wollen wir jetzt einfach das Beste aus der Situation machen.

Ich habe in meiner Rolle als Trainier mit sehr vielen Sportlern zu tun. Da muss ich Rücksicht auf jeden einzelnen nehmen - denn wenn nicht, kann es sein, dass sich ganze Kurse wegen meiner Unachtsamkeit in Quarantäne begeben müssen.

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Quelle:
SZ vom 10.11.2020
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