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Veranstaltungen abgesagt:Musealer Schatz in Gefahr

Ein Wasserschaden in der Druckwerkstatt der Dachauer Künstlervereinigung hat das Inventar beschädigt. Die Räume müssen jetzt getrocknet werden - der Rost setzt den historischen Maschinen zu

Beinahe hätte die Stadt Dachau einen Teil ihres Inventars für das geplante Papiermuseum im neuen MD-Gelände verloren. Hätte Dieter Faustmann nicht seinem Bauchgefühl vertraut und wäre an einem Sonntag im Oktober einfach mal kurzerhand in die Werkstatt im Untergeschoss der Brunngartenstraße 5 gefahren. "Wer weiß, am Dienstagabend, wo wir unsere offene Werkstatt veranstalten, wären die Druckmaschinen vielleicht nicht mehr zu retten gewesen", berichtet der Buchdruckermeister. Der 81-Jährige kümmert sich seit 2006 hingebungsvoll um die vielen historischen Hoch-, Flach, Tief- und Siebdruckmaschinen. Er ist der einzige, der sie alle bis ins Detail kennt, es sind seine "Babys". Die vermutlich älteste, eine Tiegeldruckmaschine aus dem Jahr 1840, genannt Tellertiegel, hat Faustmann eigenhändig hergerichtet. Nun war sein unschätzbares Wissen in höchster Not gefragt, um den musealen Schatz vor dem Verrosten zu retten.

Wasserschaden in der Druckwerkstatt

Einsatzkräfte der Dachauer Feuerwehr pumpten die Räume leer.

(Foto: Toni Heigl)

Als Faustmann am Sonntagnachmittag die Tür aufschließt, traut er seinen Augen kaum: Die gesamte Werkstatt steht unter Wasser, es tropft von der Decke, rinnt die Wände herunter. Für die empfindlichen Maschinen und Setzkästen mit seltenen Blei- und Holzschriften ist das katastrophal, weiß Faustmann. Er alarmiert sofort die Feuerwehr, die wiederum auch die Polizei anrücken lässt, um die Brandschutztür zum ehemaligen Analyselabor Mayr über der Druckwerkstatt öffnen zu können. Prompt wird die Ursache in den leeren Räumen sichtbar: Ein alter Heizkörper verliert immens viel Wasser. Die Feuerwehr behebt den Schaden und saugt das Wasser im Erdgeschoss ab. Die Aufräumarbeiten in der Druckwerkstatt aber bleiben an Faustmann und seinen Kollegen, Bruno Schachtner und Richard Wallner, hängen. Eimerweise schöpfen sie mit Handbesen und kleinen Staubschaufeln das Wasser vom Boden.

Wasserschaden in der Druckwerkstatt

Ein defekter Heizkörper hat die Druckwerkstatt der Dachauer Künstlervereinigung unter Wasser gesetzt.

(Foto: Toni Heigl)

Die Männer sind geschockt: "Papiere und Papier-Stapel, Möbel, Maschinen, vor allem eine Abziehpresse haben Schaden genommen", erklärt Bruno Schachtner. "Wir schützen sie bis auf weiteres provisorisch." Rasch zeigt sich, dass die Bleischriften oxidieren und die Maschinen Rost ansetzen. Die nächsten Wochen wird über Entfeuchter die Nässe aus den Räumen so gut wie möglich ausgetrocknet. Künstliche Wärme gibt es keine, die eingebauten Heizkörper sind abgeklemmt. Der Vermieter spendet zwei mobile Elektroheizungen, so dass mittlerweile ein wenig warme Luft die Trocknung unterstützt. Faustmann kommt täglich, um das von den Entfeuchtern aufgefangene Wasser, es sind mehrere Liter pro Tag, zu entsorgen und die Maschinen immer wieder mithilfe von diversen Mitteln, Spachtel und Pinsel vom Rost zu befreien. "Benutzbar sind sie vorläufig noch nicht", sagt Faustmann. Bis Jahresende wurden alle Termine abgesagt. "Es passierte zum denkbar schlechtesten Zeitpunkt", betont Schachtner. "Von Oktober bis Dezember haben wir sonst Hochkonjunktur, viele wollen ihre Linolschnitte noch gedruckt haben oder selbst drucken, das fällt jetzt alles weg", bedauert er.

Wasserschaden in der Druckwerkstatt

Papiere, Möbel und Maschinen wurden beschädigt. Bis Jahresende wurden alle Termine in der Werkstatt abgesagt.

(Foto: Toni Heigl)

In der Folge stellte sich die Frage nach der Versicherung. Der Vermieter winkte sofort ab: "Unsere Versicherung deckt alle Schäden ab, die zum Beispiel durch Wasser am Haus entstanden sind, aber nicht im Haus", erklärt Anett Hahn, Sprecherin der zu RH Immobilien München gehörenden Euras Invest. "Schaden innerhalb der Mietfläche übernimmt laut Mietvertrag die Haftpflichtversicherung des Mieters."

Schade nur, dass die Betriebshaftpflichtversicherung der Künstlervereinigung Dachau (KVD) den Schaden nicht übernimmt. "Wir hätten eine Inventarversicherung abschließen müssen", erläutert Schriftführer Ramon Grote. Doch der Vorstand habe das nicht für erforderlich gehalten, "weil man keine Gefährdung in dieser Richtung annehmen konnte", betont Grote. "In der Werkstatt gibt es weder einen Wasserhahn noch eine Sanitäranlage." So bleibt man wohl auf dem Schaden sitzen. Und hofft nun umso mehr, schon vor der in einiger Ferne liegenden Eröffnung des geplanten Papiermuseums, in das die KVD-Druckwerkstatt integriert werden soll, in größere Räume um- und aus den sanierungsbedürftigen Kellerräumen in der Brunngartenstraße ausziehen zu können. "Damit liegen wir der Stadt und dem Landkreis als Träger schon länger in den Ohren", versichert Bruno Schachtner. "Jetzt wäre es wirklich an der Zeit zu handeln."

Immerhin gibt es auch eine gute Nachricht in dem Schlamassel um den Wassereinbruch: Die für Ende November angesetzte Ausstellung der KVD-Druckwerkstatt "Von Gutenberg bis Macintosh" kann wie geplant vom 28. November an in den Räumen des Dachauer Forums stattfinden. "Die Werke aus den Techniken Schriftsatz, Hoch-, Flach-, Tief- und Siebdruck waren alle rechtzeitig vorher fertig", freuen sich Bruno Schachtner, Richard Wallner und Dieter Faustmann. Die Bilder werden bis 16. Januar in allen Räumen des Forums in der Ludwig-Ganghofer-Straße 4 zu sehen sein.