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Urbane Seilbahn:Für die Pendler ein Segen

Eine Seilbahn als Nahverkehrsmittel ist ein unorthodoxer Lösungsansatz. Doch das Entscheidende ist, dass damit tatsächliche Verbesserungen möglich wären

Die Stadt Dachau nimmt sich einer Pionieraufgabe an. Mit der Planung einer Seilbahntrasse vom Dachauer Bahnhof in den Münchner Stadtteil Moosach geht sie das erste Projekt einer urbanen Seilbahn im Verbund des öffentlichen Nahverkehrs in Bayern an. In Wuppertal wurde ein bereits weit gediehenes Projekt im Mai in einem Bürgerentscheid abgelehnt. Die Landeshauptstadt München trat zwar im vergangenen Sommer mit einer Idee für eine Seilbahn über den Frankfurter Ring auf, für die nun eine Machbarkeitsstudie erstellt wird - doch Dachau gebührt die Ehre des Ersten. Als in München groß getrommelt wurde, lag in Dachau längst ein Stadtratsbeschluss vor.

Für das Bündnis für Dachau ist das ein großer Erfolg. Die Fraktion gibt sich stets engagiert im Sinne der Umwelt, der Allgemeinheit und der Steuerzahler. Sie neigt zu radikalen Forderungen und utopischen Ideen und verbindet das gern mit einer gewissen Technikbegeisterung. Immer offen für Neues und auch Abseitiges, wirkte auch der Einfall mit der Seilbahn anfangs wie eine typische Bündnis-Träumerei. Doch in Zeiten, da sich für den Straßenverkehr kaum noch Lösungen finden lassen, Busse im Stau stehen und auf die S-Bahn notorisch kein Verlass ist, während die Bevölkerungszahl unaufhaltsam wächst, ist es geboten, neuen Ideen Raum zu geben. Diese Überzeugung hat sich fraktionsübergreifend durchgesetzt.

Alles hängt nun davon ab, wann und wie ein rechtlicher Rahmen geschaffen wird, und wo genau die Seilbahntrasse verlaufen könnte. Wenn sie im wesentlichen über öffentlichen Grund und etwa die Güterzuggleise führt, spricht wohl wenig dagegen. Haarig wird es, wo private Flächen oder gar Wohngebiete überquert werden müssen. Zudem gibt es Kritiker, nach denen Seilbahnen über Strecken von mehr als sieben Kilometern Länge ineffektiv sind - nach Moosach sind es zehn Kilometer. Es wird sich dann zeigen, ob wirklich so einfach und kostengünstig alle 400 bis 600 Meter Seilbahnstützen aufgestellt werden können. Und auch, ob sich die Investition für den Münchner Verkehrsverbund trägt. Klar ist, dass es nicht ohne Beteiligung des Freistaats geht. Dieser könnte als Modellprojekt die kurze Münchner Trasse bevorzugen, die Seilbahn, Tram und U-Bahn verbinden soll. Dieser stehen Tausende Pendler aus dem Umland gegenüber. Für diese wäre ein leises, fast emissionsfreies, stets zuverlässig schnurrendes Verkehrsmittel, das mit mehr oder weniger Gondeln schnell an den Bedarf angepasst werden kann, ein Segen.