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Ungewöhnliche Karriere:Vom Schreibtisch in den Wald

Franz Knierer war früher Finanzbeamter. Jetzt ist er Förster und hat eine neue Mission.

In meinem ersten Leben war ich Finanzbeamter", sagt Franz Knierer und lacht. Das Interesse für die Natur sei aber schon immer da gewesen. Darum habe er noch einmal umgeschult, das Abitur nachgeholt und sei seit nunmehr 25 Jahren Förster. "Das macht mir richtig Spaß", erklärt Knierer. Und seine Begeisterung für die heimische Flora gibt er gerne weiter. An diesem Samstag führte er Neugierige durch den Lebensraum Wald - in Kooperation mit Esther-Anna Veges von der Abteilung Stadtgrün und Umwelt der Stadt Dachau. Ohne ihr gestalterisches und organisatorisches Engagement wäre es wahrscheinlich bei einer "kleinen Waldführung" geblieben, so Knierer. Doch so bietet die "Lange Nacht der Wälder" ein vielfältiges Programm.

Als zuständiger staatlicher Förster im Forstrevier Odelzhausen wünschte sich Knierer, dass Besucher den "Wald und seine Besitzer kennenlernen". Allein in seinem Gebiet gebe es über 2000 verschiedene Waldbesitzer. Die liegen ihm besonders am Herzen, weil sie Dreh- und Angelpunkt der Forstarbeit sind. Darum ist Knierer auch Beratungsförster des westlichen Landkreises Dachau. Für die Bürger bot das Wald-Rendezvous eine Vielzahl von Angeboten: Von einem Sonnwendfeuer über Bastelarbeiten bis hin zu einer Nachtwanderung war für jeden etwas dabei. Knierer kämpft gegen das schwindende Interesse und den mangelnden Bezug zur Natur. Der Bildungsauftrag sei sein "zweites Standbein". Er ist nicht nur leidenschaftlicher Förster vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten Fürstenfeldbruck, sondern auch als Bildungsbeauftragter für Waldpädagogik tätig. Grundschulklassen bietet er regelmäßig Führungen und Pflanzaktionen an und auch Jugendlichen bringt er im Stadtwald die Forstwirtschaft näher.

Eigene Kinder hat Knierer zwar nicht, doch seinen Neffen führt er gerne durchs Grüne. "Der ist mein Dummy", sagt Knierer. Doch auch Erwachsenen fehle immer mehr das Verständnis für Forstwirtschaft. Knierer bedauert, dass viele den Wald nur noch als "Joggingfläche oder Spazierweg" sehen.