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Umzugspläne des Baumarkts:Stadt stellt sich OBI-Markt in den Weg

Der Baumarkt OBI will expandieren und zu diesem Zweck ins Stadtgebiet umziehen. Doch die Stadt lässt den Bauausschuss darüber im Dunkeln. Offenbar hat sie andere Pläne.

Helmut Zeller

Eigentlich hätte der Deal schon vor Jahren über die Bühne gehen können - und Dachau wäre bereits um einen Anbieter auf dem schwachen Sektor des Elektro-Einzelhandels reicher. Der Baumarkt Obi will expandieren und deshalb im Stadtgebiet umziehen, an seinem bisherigen Standort im Gewerbegebiet Schwarzer Graben ist Media Saturn interessiert.

Obi-Heimwerkermarkt

Obi würde gerne in Dachau umziehen, um zu expandieren. Die Stadt passt das nicht ins Konzept.

(Foto: ddp)

Aber Informationen der Süddeutschen Zeitung zufolge stellt sich die Stadt quer. Auch hat nie eine Diskussion darüber im Bauausschuss des Dachauer Stadtrats stattgefunden. Die Angelegenheit erscheint um so rätselhafter, als Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU) auf eine Anfrage des Stadtrats Günther Heinritz (SPD) im Bauausschuss alles als "Quatsch" abgetan hat.

Stadtrat Heinritz bezog sich in der vergangenen Sitzung des Gremiums auf eine Information des Haus- und Grundeigentümervereins Dachau über die Umzugspläne des Baumarkts. Bürgel fegte das Thema sofort vom Tisch und erklärte, dass es solche Pläne nicht gebe. Tatsächlich plant Obi-Chef Franz Xaver Romig aber schon seit mehr als drei Jahren, wie er der SZ bestätigte, seinen Großmarkt zu verlagern. Romig, der einen Obi-Markt auch in Landsberg am Lech betreibt, kommentierte die Haltung des Oberbürgermeisters nicht.

Dachaus Zweiter Bürgermeister Claus Weber (Freie Wähler) - Bürgel war nicht erreichbar - zeigte sich überrascht: Davon hätten er, sagte Weber, und seine Fraktion noch nie etwas gehört. Wenn überhaupt, dann müsse das auf "oberster Ebene" besprochen worden sein. CSU-Stadtrat Erwin Zehrer erklärte: "Ich kenne nur die Gerüchte."

Überrascht reagierte auch Michael Simon, Leiter des Stadtbauamts, auf die Anfrage der SZ. "Woher wissen Sie das?" Simon sagte dann, ein konkreter Antrag liege nicht vor. Aber er räumte ein, dass "man" über einen Umzug des Obi-Marktes "immer mal wieder im Gespräch" mit Romig sei - nämlich seit drei Jahren.

Der Dachauer Baumarkt möchte auf ein Gelände zwischen Schleißheimer Straße und Alte Römerstraße ziehen, das zum Teil der Stadt gehört. Dort soll der neue Markt mit einer Verkaufsfläche von wieder ungefähr 10.000 Quadratmetern entstehen. Es gehe nicht um eine Mehrung, sondern eine Neuorganisation mit verbessertem Kundenservice, sagte Romig. Dafür wäre allerdings eine Bebauungsplanänderung nötig, da für das Areal weiterer Einzelhandel ausgeschlossen ist.

Neue Einzelhandelsmärkte stoßen in Dachau bekanntlich auf massiven Protest der kleineren Einzelhändler. Allerdings würde ein Elektrofachmarkt für den noch einzigen Vertreter dieser Branche in der Altstadt keine Gefahr darstellen. Wie zu erfahren war, würde Media Saturn einen Großmarkt mit einer Verkaufsfläche von 3279 Quadratmeter Größe auf dem Obi-Gelände errichten. Ein solcher Fachmarkt ist in Dachau längst überfällig und würde den Abfluss von Kaufkraft in die Großmärkte der Region bremsen. Von der Firmenzentrale in Ingolstadt war nur zu erfahren: "Dachau wäre ein attraktiver Standort für uns."

Nach Informationen der SZ könnten die Obi-Pläne jedoch mit der Absicht der Stadt konkurrieren, auf dem MD-Gelände in der Altstadt ein Einzelhandelszentrum einzurichten. Ein kürzlich in Auftrag gegebenes Gutachten soll klären, wie viel Einzelhandel neben der Wohnbebauung in den denkmalgeschützten Gebäudeflügeln der ehemaligen Papierfabrik untergebracht werden kann. 10.000 bis 15.000 Quadratmeter Verkaufsfläche sind laut Einzelhandelsgutachten für die Industriebrache in der Altstadt vorgesehen. Darauf bezieht sich auch Bauamtsleiter Simon: Das Gutachten sehe den Einzelhandel eigentlich im Zentrum der Stadt, sagte er.

© SZ vom 08.09.2010
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