Umweltschutz:Die Stadt Dachau will Bäume schützen

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Frühling entlang der Amper

Und so wird dieser Baum am Amperweg auch künftig in der Farbe des Hauses blühen können.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Eine Verordnung soll dafür sorgen, dass die Stadt grün bleibt, trotz zunehmender Nachverdichtung

Von Thomas Radlmaier, Dachau

Wer vom Schlossberg auf Dachau blickt, sieht viel grün. 8850 Bäume wachsen im Straßenbereich und 2200 in Parkanlagen. Weitere knapp 5000 stehen im Umfeld von Kindergärten, Schulen, Friedhöfen oder entlang von Gewässern. Insgesamt rund 47 000 Bäume gibt es nach Angaben der Abteilung Stadtgrün auf öffentlichen Flächen. Das entspricht etwa einem Baum pro Einwohner. Tatsächlich ist die Baumzahl in Dachau noch viel höher. Bei den 47 000 sind die Bäume auf privaten Grundstücken nicht einberechnet.

Damit Dachau so grün bleibt, will die Stadt nun eine Baumschutzverordnung erarbeiten. Diese soll den Erhalt, aber auch das Fällen von Bäumen vor dem Hintergrund einer zunehmenden Nachverdichtung im Stadtgebiet klar regeln. Das haben die Stadträte im Umweltausschuss mit knapper Mehrheit beschlossen. Wie es der Name sagt, soll die Verordnung schützenswerte Bäume vor der Rodung bewahren, und zwar auch dann, wenn diese auf Privatgrundstücken stehen. Bisher ist die Stadt machtlos, wenn jemand in seinem privaten Garten einen Baum fällen will. Außer es handelt es sich um ein Naturschutzdenkmal; diese besonderen Bäume, von denen es im Landkreis circa 150 gibt, stehen unter Naturschutz. Unter den Landkreiskommunen hat nur die Gemeinde Haimhausen eine Baumschutzverordnung.

Das Bündnis für Dachau hatte per Antrag gefordert, eine Baumschutzverordnung zu erlassen. In der Ausschusssitzung begründete Stadtrat Michael Eisenmann das damit, dass durch die zunehmende Nachverdichtung im Stadtgebiet immer mehr ältere und damit wertvolle Bäume verschwinden würden. Er sagte, leider gebe es rücksichtslose Bauträger. "Für die ist ein Baum ein Hindernis." Als Beispiel nannte Eisenmann die Fällung einer alten Buche in der Bürgermeister-Krebs-Straße. Auch Thomas Kreß (Grüne) meinte: "Das Baumrecht darf nicht chancenlos sein gegen das Baurecht."

Nach Angaben der Abteilung Stadtgrün produziert ein Baum pro Stunde 1200 Liter Sauerstoff und deckt damit den Bedarf von sechs Menschen. In derselben Zeit verbraucht er circa 2,4 Kilogramm Kohlendioxid und filtert 7000 Kilogramm Staub. "Um die Leistung eines Altbaumes zu ersetzen, müssten je nach Baumart circa 200 Jungbäume gesetzt werden", so die Abteilung Stadtgrün. Deshalb seien größere Bäume besonders wichtig für das Stadtklima.

Die CSU, Freien Wähler und ÜB stimmten gegen eine Baumschutzverordnung. Peter Strauch (CSU) sprach von einem "Bürokratiemonster" und von einer "Gängelung der Menschen". Die Dachauer Bürger seien verantwortungsbewusst und würden Bäume nur fällen, wenn es nicht anders möglich sei. Die Baumschutzverordnung sei vielmehr eine "Bauverhinderungsverordnung". Peter Gampenrieder (ÜB) lehnte die Beschlussvorlage aus einem anderen Grund ab. Die Stadtverwaltung rechnet jährlich mit bis zu 150 Anträgen im Zuge einer Baumschutzverordnung. Dafür müsste die Stadt wohl eine halbe Stelle im gehobenen Dienst schaffen und somit mehr Geld für Personal ausgeben; Geld, das die Stadt in der angespannten Finanzsituation eigentlich nicht hat. Gampenrieder und andere Stadträte machen sich in einer Arbeitsgruppe Gedanken darüber, wie man den Haushalt konsolidieren kann. "Wir ringen gerade darum, den Verwaltungshaushalt wieder klar zu bringen", sagte er. Man müsse Zuschüsse für Sportvereine streichen. Für eine Baumschutzverordnung sei dies der "falsche Zeitpunkt".

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