Umstrittener Ärztefunktionär Hans Joachim Sewering ist tot

Er war wegen seiner NS-Vergangenheit hoch umstritten: Der ehemalige Ärztepräsident Hans Joachim Sewering ist gestorben.

Der langjährige deutsche Ärztefunktionär Hans Joachim Sewering ist in seiner Heimatstadt Dachau gestorben. Der Internist und Lungenarzt starb bereits am vergangenen Freitag, sein Tod wurde aber von der Bayerischen Landesärztekammer (BLÄK) und seinen Angehörigen erst jetzt bestätigt. Sewering war wegen seiner Nazi-Vergangenheit umstritten, hatte aber alle Vorwürfe stets zurückgewiesen.

Hans Joachim Sewering war von  1973 bis 1978 Präsident der Bundesärztekammer. Hier eine Aufnahme aus dem Jahr 1973 bei der Eröffnung des 76. Deutschen Ärztetages in München.

(Foto: sz.sonstige)

Sewering war von 1973 bis 1978 Präsident der Bundesärztekammer. Die Kassenärztliche Vereinigung Bayerns leitete er von 1972 bis 1992, die bayerische Landesärztekammer sogar von 1955 bis 1991. Auch im Weltärztebund engagierte er sich.

Sewering war in der Nazizeit Mitglied von SS und NSDAP. Als Arzt in der Tuberkulose-Heilanstalt in Schönbrunn bei Dachau soll er ab 1942 an dem Euthanasie-Programm beteiligt gewesen sein, in dessen Rahmen behinderte Kinder ermordet wurden. Nach Informationen des Simon-Wiesenthal-Zentrums in Jerusalem überwies er in den Kriegsjahren mehrere geistig behinderte Patienten aus Schönbrunn in die Nervenheilanstalt Eglfing-Haar bei München. Drei von ihnen wurden dort von Nazi-Ärzten ermordet. Als exemplarisch für Sewerings Verwicklung wird stets der Fall der Babette Fröwis genannt. Die damals 14-Jährige lebte 1943 in der Pflegeanstalt für Behinderte in Schönbrunn. Sewering behauptete jedoch, von den Tötungen nichts gewusst zu haben.

Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft gegen ihn wurden eingestellt. Trotz seiner NS-Vergangenheit wurde Sewering nach dem Krieg Honorarprofessor und mit der Ehrendoktorwürde der Medizinischen Fakultät der Technischen Universität München ausgezeichnet. Die Bundesrepublik ehrte ihn mit dem Großen Verdienstkreuz mit Stern und Schulterband, der Freistaat Bayern mit dem Verdienstorden und der Verfassungsmedaille in Gold.