Umbaupläne in der Altstadt Eine Investition in die Heimat

Franz und Andreas Scherm haben große Pläne mit ihrem Kaufhaus in der Altstadt: Sie planen Praxen, Büros und zwölf Wohnungen im dritten Stock. Im Untergeschoss wünschen sie sich einen Supermarkt

Von Viktoria Großmann, Dachau

Man muss schon sehr viel Fantasie haben, um eine helle Zukunft für diese Räume zu sehen. Franz Scherm und sein Sohn Andreas stehen im dritten Stock des Kaufhauses am Dachauer Schrannenplatz. Der Raum ist seit Jahren ungenutzt. "Hier haben wir als Jugendliche viel Zeit verbracht", erinnert sich der jüngere Scherm. Das frühere Hörhammer-Kaufhaus hatte hier seine Technikabteilung. Daran schloss sich die Kantine an. Ein verstaubtes Schild an der Wand verkündet noch den Namen "Birgmann-Stuben". Das war im Neubau von 1971 alles, was noch an das Gasthaus zum Birgmannbräu erinnerte. Es wurde 1970 abgerissen. Und nun soll hier das Birgmannforum entstehen. Die Scherm KG ist seit 2016 neuer Besitzer des Gebäudes. Vater und Sohn sind fest entschlossen, einen Beitrag zur Belebung der Altstadt zu leisten. Ins Untergeschoss soll ein Lebensmittelladen einziehen. Der versteckte, unzugänglich wirkende Eingang wird zu einem einladenden Vorplatz umgestaltet. Die ungenutzte Kaufhausetage und Nebenräume werden zu Mietwohnungen und Geschäftsräumen.

Das dritte Stockwerk ist heute ein Lagerraum. Über Jahre mit allem zugestellt, was eben übrig war. Schaufensterpuppen, Dekoration, Kleiderbügel, Mode aus der vergangenen Saison. An den aufgerissenen Decken sind Leitungsrohre sichtbar. Dafür ist der Blick aus der ehemaligen Kantine grandios. Nach Norden über die Dächer in der Altstadt auf die grünen Hügel von Pellheim und Steinkirchen, wo sich behäbig die beiden Windräder drehen. Auch nach Westen bietet sich ein ungewöhnlicher Blick über die verschachtelte Dächerlandschaft. Nach Süden geht der Blick auf den Schrannenplatz und St. Jakob. Zöge man hier ein, würde man gerne die Fenster vergrößern. Aber das geht nicht, erklärt Andreas Scherm. Ensembleschutz.

Noch stört ein Funkmast den Blick von der Dachterrasse des Rübsamen-Kaufhauses. Eine eher kleinere Herausforderung beim Umbau des schwierigen Gebäudes.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Unternehmergeist kann man von einer Bau- und Verwaltungsgesellschaft erwarten. Aber es gehört für ein so besonderes und schwieriges Gebäude wohl auch Idealismus dazu. Und sehr viel Heimatverbundenheit. Über all das verfügen Franz Scherm und sein Sohn Andreas. Schon der Name Birgmannforum unterscheidet den Dachauer Bauherrn vom auswärtigen. So tragen die Wohnungen in der ehemaligen Koschadeklinik den Namen Schlossbergterrassen. Dabei dürften die neuen Besitzer bevorzugt den Blick nach München genießen. Zum Schlossberg müssen sie noch ein paar Hundert Meter gehen.

Das Kaufhaus ist eigentlich ein ziemlich überdimensionierter Kasten. Mehr als 2000 Quadratmeter darin stehen seit Jahren leer. Nach Osten wird es von einer Brandmauer begrenzt, in die keine Fenster eingesetzt werden können. Obendrauf auf dem Dach, das eine großartige Aussicht bietet, steht ein Mobilfunkmast. Das klingt alles nicht ideal. Aber Scherm und Scherm haben sich zusammen mit ihrem Dachauer Architektenteam überlegt, wie man die ungenutzten Räume zu zwölf Mietwohnungen unterschiedlicher Größe sowie etwa drei Büros oder Praxen umbauen kann.

Der Blick aus den zukünftigen Wohnungen reicht über die Dächer der Altstadt.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Ein Lichthof soll die Wohnungen und Büros erhellen. Auch das Dach soll als Terrasse nutzbar gemacht werden. Einige Wohnungen könnten über zwei Stockwerke reichen. Ein Raum am Westeck des Gebäudes wirkt schon jetzt so hell, dass es für ein Atelier reichen würde.

Die Familie Scherm ist in Dachau fest verwurzelt. Um die Jahrtausendwende hat sie aus einem vorher landwirtschaftlich genutzten Eck der Altstadt den modernen Schermhof mit Mietwohnungen, Büros und Praxen gemacht. Das italienische Restaurant, das auch dazugehört, zieht Publikum an den östlichen Rand der Altstadt. Wer jetzt oben auf dem Dach des Kaufhauses steht, blickt auf drei Kräne. Mit dem Kaufhaus hat nun mittlerweile jedes bedeutsame und oft gleichzeitig schwierige Gebäude in der Altstadt innerhalb weniger Jahre einen neuen Besitzer oder Investor gefunden. In den kommenden Jahren werden mindestens 250 Menschen in die überschaubare Altstadt ziehen. Sie werden eine der Wohnungen in der ehemaligen Koschadeklinik gekauft haben oder zur Miete im ehemaligen Hörhammerbräu wohnen. Wohnungen entstehen auch auf dem Rössleranwesen, im ehemaligen Café Weißenbeck, in der früheren Brauerei am Schlossberg und nicht zuletzt nun im Kaufhaus. Alles in allem 136 Wohnungen.

Franz und Andreas Scherm werden Teil dieses Aufschwungs sein. Aber es geht ihnen noch um etwas anderes. "Behörden, Büros, Praxen, Läden - das alles gehört in eine Altstadt", sagt Andreas Scherm. Auch wenn das Rathaus seinen Erweiterungsbau nun in der unteren Stadt plant. Vor allem gehört für ihn ein Lebensmittelladen dazu. Und hier hat nun das Kaufhaus klare Vorteile: Es gibt Platz für Lager und Kühlräume, es gibt eine Lieferzufahrt über die Wieninger Straße und Parkplätze im Haus. Das Kaufhaus hat zwei Tiefgaragenebenen. Franz Scherm hat es sich genau ausgerechnet. Das derzeit leer stehende Untergeschoss ist deutlich größer als der ehemalige Franziskuswerk-Laden am Widerstandsplatz. Die Verkaufsfläche sollte einem Sortimenter wie Edeka oder Rewe, die in Innenstadtlagen zunehmend kleinere Läden betreiben, ausreichen. "Wenn die neuen Bewohner da sind, gibt es genug Kaufkraft", sagt Franz Scherm. "Wenn es mit den Ketten nicht klappt, können wir uns vorstellen, eine Genossenschaft zu gründen." Ein Nahversorger in der Altstadt, das könnte ein Thema im Kommunalwahlkampf werden, findet Scherm.

Der Eingangsbereich soll verschönert werden.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Die Stadt haben Scherms bei der Umgestaltung des Platzes vor dem Laden auf ihrer Seite. Das Grundstück gehört teils der Stadt, die sich an den Kosten beteiligt. Der Eingang zum Untergeschoss liegt versteckt, ist durch steile Treppen eher schwer zu erreichen. "Die Chance, diese Fläche umzugestalten ist uns so wichtig, dass wir das Vorhaben auf jeden Fall unterstützen", sagt Oberbürgermeister Florian Hartmann (SPD). An einen Zweck gebunden ist der Umbau nicht.

Nicht nur Hartmann und Scherm glauben fest an das Potenzial für einen Laden und an das Potenzial der Altstadt insgesamt. Auch der Unternehmer Marcus Vorwohlt, der das Rübsamen betreibt, glaubt an Dachau. Er ist an unterschiedlichen Orten schon seit 30 Jahren in der Dachauer Altstadt aktiv. "Die Altstadt war nie so schlecht, wie sie immer geredet wurde", sagt er. Sie habe sich in den vergangenen Jahren sehr positiv entwickelt. Rübsamen-Filialen gibt es in Augsburg, Aichach oder Landsberg. In Dachau sei der Zuspruch besonders groß. "Die Dachauer lieben ihre Stadt und sie nehmen Angebote auch an." Er sei "wirklich froh" über den Unternehmergeist der Scherms. Er werde deren Investitionen zum Anlass für eigene nehmen. In der zweiten Jahreshälfte 2019 will er das Kaufhaus umgestalten.

Franz Scherm und Sohn Andreas wollen einen Lebensmittelladen im Untergeschoss einrichten.

(Foto: Niels P. Jørgensen)

Franz Scherm träumt noch davon, die Altstadt zugänglicher zu machen. Durch einen Aufzug etwa, wie er zuletzt bei den Plänen für eine Rathauserweiterung am Karlsberg diskutiert wurde. Aus seiner Sicht könnte auch das Altstadtparkhaus noch aufgestockt werden. Für Vorwohlt ist die Diskussion um die Erreichbarkeit weniger wichtig: "Wenn das Angebot passt, dann kommen die Leute."

Wenn es nun mit der Planung gut vorangeht, könnten die Wohnungen schon 2020 fertig sein. Sorgen, Handwerker zu bekommen, hat Franz Scherm nicht. Er habe gute Kontakte. Alle aus der Region. Es soll eine Investition in die Heimat sein - in jeder Hinsicht.