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Überhöhte Geschwindigkeit:Wenn die Straße zur Rennstrecke wird

"Völliger Wahnsinn." Die Polizei registriert immer mehr Raser, die sich nachts vor Kontrollen sicher fühlen.

Die Raserei auf den Straßen des Landkreises hat am vergangenen Wochenende eine neue Qualität erreicht. Auf der Landstraße zwischen Markt Indersdorf und Langenpettenbach blitzte die Dachauer Polizei einen jungen Autofahrer, der mit 226 statt der erlaubten 100 Stundenkilometer unterwegs war. Der Verkehrsexperte der Dachauer Polizei, Richard Wacht, zeigte sich schockiert: "Das ist völliger Wahnsinn", sagte er. "An diese Geschwindigkeitsüberschreitung ist bisher noch keiner herangekommen."

Zweifelsfrei ist der Fall vom vergangenen Wochenende ein besonders krasser. Doch erhebliche Geschwindigkeitsüberschreitungen durch Verkehrsteilnehmer beklagten die Landkreisbürger zuletzt immer häufiger. Im Dachauer Stadtrat wurde neulich angesprochen, dass immer wieder Motorradfahrer zur Nachtzeit durch das Stadtgebiet rasten und großen Lärm erzeugten. Auf der zweispurigen Münchner Straße in Dachau, klagen Anlieger, überschreiten die Autofahrer teilweise deutlich die erlaubten 50 Stundenkilometer. Der kurze Abschnitt der Bundesstraße 304 zwischen Dachau und Karlsfeld wird geradezu als Rennstrecke missbraucht. Sobald die Ampel umschaltet, wird kräftig aufs Gas gedrückt, um erst kurz vor Dachau heftig zu bremsen.

"Wir sind als Autoland mit den Strafen relativ liberal"

Erst im Februar raste ein 27-Jähriger durch die Ortschaft Palsweis mit 188 Stundenkilometern. Zwischen Dachau und Stetten, kurz vor der Indersdorfer Gabel, blitzte die Polizei ein Auto mit 180 Stundenkilometern; auf der Bundesstraße 471 ein anderes mit 200. Verkehrsexperte Wacht registriert insbesondere eine Zunahme der nächtlichen Verkehrsunfälle wegen erhöhter Geschwindigkeit. Zu späterer Stunde fühlten sich die Autofahrer sicherer vor Kontrollen und führen vorsätzlich schneller. Die Polizei habe bereits reagiert, indem sie an unfallträchtigen Straßen mehrmals pro Monat Geschwindigkeitskontrollen durchführe.

Der Raser vom vergangenen Wochenende ist in eine hineingetappt. Er muss nun mit zwei Punkten in der Verkehrssünderkartei, 1200 Euro Bußgeld und einem dreimonatigen Fahrverbot rechnen. Im Internet echauffieren sich zahlreiche Bürger, dass die Strafe viel zu mild sei: Sie fordern ein lebenslanges Fahrverbot für den Mann. Verkehrsexperte Richard Wacht räumt ein: "Wir sind als Autoland mit den Strafen relativ liberal. Im Ausland sind sie drastisch höher." Per Gesetz gilt hierzulande, dass, wer vorsätzlich zu schnell fährt, innerorts maximal 1360 Euro und außerorts maximal 1200 Euro bezahlen muss. Außerdem sieht die Höchststrafe zwei Punkte in Flensburg und drei Monate Fahrverbot vor. In besonders krassen Fällen kann untersucht werden, ob der Verkehrssünder charakterlich geeignet ist, ein Fahrzeug im Straßenverkehr zu führen. Wacht betont, dass das auch beim Raser vom vergangenen Wochenende in Betracht komme.

© SZ vom 06.04.2017/gsl

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