Ob in Dachau, Bergkirchen und Karlsfeld das Leitungswasser von Mittwoch an wieder uneingeschränkt zum Trinken und Kochen verwendet werden kann, stand auch am Dienstag noch nicht fest. Das seit Donnerstag geltende Abkochgebot galt zumindest auch noch den ganzen Dienstag über – und zwar im gesamten Versorgungsgebiet der Dachauer Stadtwerke, also in der Stadt Dachau mit den Ortsteilen Obergrashof, Webling und Steinkirchen, in der Gemeinde Bergkirchen (Ortsteile Günding, Im Lus, Kienaden, Feldgeding, Neuhimmelreich, Gröbenried) und in Karlsfeld (Alte Bayernwerkstraße, Am Tiefen Graben, Bajuwarenstraße 6 und 8).
Am Donnerstagnachmittag war bei einer routinemäßigen Trinkwasseruntersuchung im Bereich der Münchner Straße eine Belastung mit coliformen Keimen festgestellt worden. Daraufhin wurden vorbeugend alle Bürgerinnen und Bürger im Versorgungsgebiet der Stadtwerke dazu aufgerufen, das Trinkwasser vor der Nutzung, auch dem Zähneputzen, abzukochen.

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Nach ersten Nachuntersuchungen am Freitag wurden am Montag weitere Wasserproben entnommen, heißt es von den Stadtwerken. Im Labor würden die coliformen Keime nun sequenziert. Durch diese Analyse, bei der die genetischen Informationen der Bakterien untersucht werden, soll geklärt werden, ob die Keime gesundheitsschädlich sind. Allein der Fund von coliformen Keimen sage noch nichts über eine Gesundheitsgefahr aus, erklären die Stadtwerke. Dafür sei die Untersuchung im Labor nötig.
Eine Laboruntersuchung dauert etwa 24 bis 48 Stunden. Verlässliche Ergebnisse für den Bereich rund um die Münchner Straße sollten am späten Dienstagnachmittag vorliegen. Das Abkochgebot bleibt aus Gründen des vorbeugenden Gesundheitsschutzes solange weiterhin bestehen.
Nach ersten Erkenntnissen ist möglicherweise ein Hydrant die Ursache
Zur Ursache gibt es seit Samstag eine erste Vermutung: Die Stadtwerke ließen an einer Bushaltestelle am Unteren Markt in Dachau einen Hydranten vorsorglich austauschen. „Ob hier tatsächlich ein Zusammenhang mit der festgestellten Verunreinigung besteht, ist derzeit noch offen“, hieß es aber. Am Sonntag wurden die Trinkwasserleitung und sämtliche Hydranten in der gesamten Münchener Straße vorsorglich gründlich mit Wasser durchgespült. Im Anschluss wurden neuen Proben entnommen. Damit wolle man überprüfen, „ob die intensiven Spülmaßnahmen Wirkung gezeigt haben und der verdächtige Hydrant tatsächlich die Ursache der Verunreinigung war“, teilten die Stadtwerke am Sonntagnachmittag mit.
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Laut den Stadtwerken gilt das Abkochgebot für das Trinken von Leitungswasser, die Zubereitung von Speisen und Getränken und das Waschen von Obst, Gemüse und Salat. Auch fürs Zähneputzen und die Reinigung offener Wunden sollte abgekochtes Wasser genutzt werden. Das Wasser sollte einmal sprudelnd aufgekocht und anschließend mindestens zehn Minuten abgekühlt werden. Aus praktischen Gründen wird die Verwendung eines Wasserkochers empfohlen. Für andere Zwecke kann das Wasser weiterhin bedenkenlos verwendet werden, wie etwa zum Duschen und Baden, zur Reinigung von Kleidung und Geschirr und zur Toilettenspülung.
Einen ähnlichen Vorfall hatte es 2007 schon einmal in Karlsfeld gegeben. Bei einer mikrobiologischen Routineuntersuchung war damals eine erhöhte Konzentration an coliformen Bakterien im Trinkwasser festgestellt worden. Die Gemeinde vermutete als Grund Haarrisse im Flachdach eines Saugbehälters. Häufig gelangen die Keime über undichte Stellen ins Leitungsnetz. Eindeutig geklärt werden konnte der Grund für die Verkeimung nicht. Um die Bakterien abzutöten, wurde das Trinkwasser gechlort. In anderen Teilen Deutschlands ist das normal. Für die Karlsfelder war der Schwimmbadgeruch aus der Leitung allerdings ungewohnt. Inzwischen setzt die Gemeinde ultraviolettes Licht ein. Auch das entkeimt Wasser – allerdings geruchs- und geschmacksneutral.

