Damit kann keine andere Stadt in Bayern mithalten: Im Rekordjahr 2025 besuchten mehr als 9,3 Millionen Menschen die Landeshauptstadt München. Aber auch im Umland hat sich der Tourismus zu einem wichtigen Wirtschaftszweig entwickelt. Allein in der Stadt Dachau haben im vergangenen Jahr knapp 123 000 Gäste übernachtet. Weil sie im Schnitt 2,13 Tage blieben, liegt die Zahl der Übernachtung mehr als doppelt so hoch, bei fast 262 000. Das geht aus den Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor. Dachaus Kulturamtsleiter Tobias Schneider sieht allerdings noch mehr Potenzial.
SZ: Nach Garmisch kommen die Touristen wegen der Berge, nach Sankt-Peter Ording wegen des Meeres. Was zieht jedes Jahr hunderttausende Besuchern nach Dachau?
Tobias Schneider: Hauptgrund ist die KZ-Gedenkstätte mit gut einer Million Besucher im Jahr. In den vergangenen Jahren haben wir aber auch verstärkt Regionaltourismus gesehen, der übers Jahr eine ähnliche Zahl von Tagestouristen anzieht. Unser Alleinstellungsmerkmal ist dabei die Künstlerkolonie und die Kunst- und Kulturstadt Dachau.
Hat Dachau denn einen nennenswerten „Kunst-Tourismus“?
Im Kleinen sicher, speziell bei attraktiven Ausstellungen in der Gemäldegalerie. Das ist natürlich kein Massenpublikum, aber ein gutes Nischenpublikum. Diese Besucher bleiben länger, schauen sich auch mehr in der Stadt an.
Ist der Regionaltourismus ein langlebiger Trend aus der Corona-Zeit?
Auf jeden Fall. Das hat mit den Corona-Jahren begonnen und ist seitdem relativ stabil geblieben. Es wäre übertrieben zu sagen, dass es ein ständig wachsender Markt wäre, aber das Interesse an regionaler Naherholung ist gewachsen. Das zeigt sich auch beim Rad-Tourismus und der steigenden Nachfrage nach Informationen rund um die Radwanderwege, die durch Dachau führen.



Welche Rolle spielen Events wie der Dachauer Musiksommer oder das Dachauer Volksfest für den Tourismus?
Sie ziehen keine riesigen Massen von auswärts an, aber sie sind wichtig für unser Marketing; es sind die mit Abstand bekanntesten überregionalen Veranstaltungen, die es in Dachau gibt. Bei den Rathauskonzerten liegt der Anteil auswärtiger Besucher auch schon mal bei 50 Prozent.
Gibt es Konkurrenz unter den Umlandkommunen, vor allem, wenn es um die vielen Touristen geht, die in München absteigen?
Nein. Gerade in den großen Städten des Münchner Nordens arbeiten die Tourismusbüros intensiv zusammen. Wir sind vernetzt und bewerben uns gemeinsam. Am Ammer-Amper-Radweg arbeiten mehrere Städte und Landkreise zusammen. Auch im Verbund mit Euro-Art (ein Zusammenschluss ehemaliger Künstlerkolonien aus ganz Europa; Anm. d. Red.) gibt es eine Zusammenarbeit mit anderen Kommunen wie Prien am Chiemsee. Kooperation wird ganz groß geschrieben im Tourismus.
Kooperieren Sie auch mit der Stadt München?
Zum Tourismusamt in München hat unsere Tourist-Information auch Kontakte, ja. Wir versuchen dort punktuell zu werben, aber natürlich ist München eine Liga für sich.
Ist der Tourismus ein wichtiger Wirtschaftsfaktor für Dachau? Und wer genau profitiert davon?
Vom Tourismus profitieren zum einen die Hotels und die Gastronomie, aber auch der Einzelhandel und Dienstleister. Das geht von Bus- und Taxibetrieben bis hin zu den vielen Restaurants in Dachau. Man geht statistisch davon aus, dass ein Tagestourist pro Tag 30 Euro in der Stadt lässt, ein Übernachtungsgast 180 Euro. Und wenn man unsere Touristenzahlen zusammenrechnet, kommt man auf eine Wertschöpfung von etwa 100 Millionen Euro. Das ist eine ganze Menge.
Gibt es nicht auch eine Kehrseite? Höhere Preise, mehr Verkehr, mehr Lärm?
Davon sind wir in Dachau weit entfernt, gerade was das Thema Verkehr betrifft: Die Hauptrolle beim Tourismus spielt der öffentliche Nahverkehr. Die KZ-Gedenkstätte mag eine Ausnahme sein, da reist schon der eine oder andere mit dem Auto an, aber das tangiert die Innenstadt in keiner Weise. Wir sehen da eigentlich überhaupt keine Nachteile.
Wie viel Potenzial hat eine kleine Stadt wie Dachau im Tourismus noch?
Die Zahlen sind tatsächlich hervorragend, und es ist toll, dass sich die Übernachtungszahlen in den vergangenen zehn Jahren so stark entwickelt haben; die Verweildauer in der Stadt ist viel höher geworden mit durchschnittlich mehr als zwei Übernachtungen. Gleichzeitig gibt es natürlich immer noch Potenzial – was die Altstadt betrifft oder den Kunst- und Kulturtourismus. Da wollen wir in der Zukunft auch noch mehr machen. Und wir wollen die sozialen Medien noch mehr nutzen, um dieses Alleinstellungsmerkmal weiter herauszuarbeiten.

