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Todesangst ausgestanden:"Ich dachte, das Haus stürzt ein"

Prozess in Traunstein um Kindesmissbrauch per Online-Chat

Seit diesem Dienstag muss sich ein 33-jähriger vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II unter anderem wegen zweifachen versuchten Mordes verantworten.

(Foto: Uwe Lein/dpa)

Ein Mann rast mit einem VW-Bus ins Wohnzimmer seiner früheren Verlobten. Zeugen schildern vor Gericht ihren Schrecken.

Mal flogen kleine Steine gegen das Schlafzimmerfenster, dann war ein Rascheln im Gebüsch zu hören. Doch zu sehen war niemand. Dennoch ist sich eine Bürokauffrau aus Markt Indersdorf sicher, dass der Mann, der ihr Anfang Juni vergangenen Jahres nachstellte und sie beobachtete, ihr früherer Verlobter war.

Seit diesem Dienstag muss sich der 33-jährige Kfz-Mechaniker vor der Schwurgerichtskammer am Landgericht München II unter anderem wegen zweifachen versuchten Mordes verantworten. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, er habe seine einstige Partnerin und deren neuen Lebensgefährten ermorden wollen.

Der Angeklagte raste mit einem VW-Bus in das Haus seiner Ex

In den Abendstunden des 14. Juni 2018 war der Kfz-Mechaniker mit einem VW-Bus auf die Terrassentüre des Hauses seiner früheren Verlobten zugerast. Der Wagen durchbrach die Scheiben und blieb im Eingang zum Wohnzimmer stecken. Es war der Schlusspunkt einer gescheiterten Beziehung.

Der Partner der Bürokauffrau und sie selbst hatten Glück. Als der VW auf die Terrasse zuraste, waren sie in den Badezimmern des Hauses. Der neue Lebensgefährte, ein ebenfalls 33-Jähriger Disponent aus Dachau berichtete am Donnerstag bei seiner Vernehmung, dass er sich bis heute frage, warum man so etwas mache. Nur um jemanden umzubringen, meinte der 33-Jährige. Den früheren Verlobten seiner Partnerin habe er bis zu der Tat kein einziges Mal gesehen. Er habe nur gewusst, dass er sie "permanent terrorisiert mit Whatsapp." Immer wenn er bei seiner Lebensgefährtin gewesen sei, sei der Angeklagte per Whatsapp "im Hintergrund" gewesen.

"Auf einmal hat es einen Schepperer gemacht, als ob 100 Scheiben zu Bruch gegangen sind"

Am Abend jenes 14. Juni aber kam der Kfz-Mechaniker mit dem VW-Bus über die Terrasse gerast. "Zum Glück", seien er und seine Freundin auf der Toilette gewesen, so der Dachauer. "Auf einmal hat es einen Schepperer gemacht, als ob 100 Scheiben zu Bruch gegangen sind", schilderte der 33-Jährige den Moment, als der VW die Türen zum Wohnzimmer durchbrach. Er habe gebrüllt: "Alle raus." Denn das Haus der Bürokauffrau sei ein Fertighaus. "Ich dachte, das bricht jetzt ein", berichtete der Zeuge. Er habe "Todesangst" verspürt, sei ins Freie gerannt, glaubte, seine Partnerin sei auch schon hinausgerannt. Draußen aber habe er den Vater der 30-Jährigen gesehen, der in unmittelbarer Nähe wohnt.

"Der Vater war fix und alle, der stand unter Schock", erinnerte sich der Dachauer. "Der ist ins Haus reingefahren", habe er zu ihm gesagt. Da der 33-Jährige seine Freundin nicht sah, rannte er zurück. Er sah sie im Garten. Der Kfz-Mechaniker lag auf ihr und soll ihr mit einer Hand das Gesicht zusammengedrückt haben. Der Freund der Bürokauffrau überwältigte den Kfz-Mechaniker und nahm ihn in den Schwitzkasten. Ein 16-jähriger Junge aus der Nachbarschaft, der mitbekommen hatte, was passiert war, setzte sich auf dessen Füße. Der Kfz-Mechaniker lag mit dem Gesicht zum Boden. Er habe sich immer wieder gewehrt, so der Dachauer. Einmal habe der Angeklagte den Kopf zur Seite gedreht und versucht, in seine Richtung zu blicken. Dabei, so der Zeuge, habe der 33-Jährige zu ihm gesagt: "Das war dein größter Fehler. Ich bring' dich um."

Die Bürokauffrau will nicht mehr in ihrem Haus wohnen. Es steht bereits zum Verkauf. Den Schaden, der daran entstanden ist, beziffert die Staatsanwaltschaft in ihrer Anklage auf "mindestens 50 000 Euro." Der Prozess vor der Schwurgerichtskammer wird am 7. Mai fortgesetzt.