Karlsfeld:Die umstrittene Tiny-House-Siedlung

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Karlsfeld: Tiny Houses gibt es inzwischen überall in Deutschland. Auch in Karlsfeld soll eine Siedlung für die Minihäuser entstehen.

Tiny Houses gibt es inzwischen überall in Deutschland. Auch in Karlsfeld soll eine Siedlung für die Minihäuser entstehen.

(Foto: Uli Deck/dpa)

Im Landkreis kostet der Traum vom Eigenheim viel Geld. In Karlsfeld soll deshalb eine Tiny-House-Siedlung entstehen. Ein Konzept dafür wurde vor Kurzem im Bauausschuss vorgestellt und mehrheitlich angenommen, Bündnis für Karlsfeld, SPD und Grüne stimmten jedoch dagegen.

Von Anna Schwarz, Karlsfeld

Die Grundstückspreise im Landkreis schießen in die Höhe - auch in Karlsfeld. Damit sich der ein oder andere trotzdem ein Eigenheim leisten kann, stellte die CSU vor zwei Jahren den Antrag, dass in Karlsfeld eine Tiny-House-Siedlung errichtet werden soll. Daraufhin bildete sich eine Arbeitsgruppe innerhalb des Bauausschusses. Sie stellte vor Kurzem ein Grobkonzept zur Siedlung vor. Die Planungen wurden mehrheitlich angenommen, doch nicht alle Ausschussmitglieder waren damit glücklich. Einige sprachen von Flächenverschwendung und, dass das Konzept "überhaupt nicht ökologisch sei".

Gemeinde pachtet Grundstück von Landwirt und verpachtet es weiter an Bewohner

Rund zehn bis 20 Tiny Houses seien geplant, die Grundfläche jedes Minihauses soll etwa 23 bis 30 Quadratmeter betragen, die Gesamtfläche der Parzelle rund 100 Quadratmeter. Laut Konzept seien ortsfeste Bauten mit (einfachem) Fundament ohne Keller geplant: "In der Tiny-House-Siedlung soll dauerhaftes Wohnen stattfinden, soweit möglich sollen die Bewohner verpflichtet werden, ihren Hauptwohnsitz in der Tiny-House-Siedlung anzumelden", steht in dem Konzept. Touristisches Wohnen oder Wohnen in Verbindung mit Gewerbe sei nicht gewünscht und soll im Bebauungsplan ausgeschlossen werden.

Angedacht sei außerdem, dass die Minihäuser an die Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung der Gemeinde angeschlossen werden. Gemeinschaftseinrichtungen für Veranstaltungen oder gemeinsame Aktivitäten soll es in der Siedlung "nach mehrheitlichem Wunsch" nicht geben. Ebenfalls mehrheitlich entschied die Arbeitsgruppe, dass die Gemeinde die Wohnanlage betreiben soll. Folgende Idee steckt dahinter: Die Gemeinde pachtet das Siedlungs-Grundstück von einem Landwirt und verpachtet die Parzellen an die Bewohner, mit der Pacht sollen Erschließungskosten refinanziert werden. Nun soll sich die Gemeindeverwaltung darum kümmern, geeignete Grundstücke für die Minihäuser zu finden, und mit den Eigentümern sprechen.

"Wir kommen weder mit dem Geld, noch mit der Infrastruktur nach."

Das Konzept wurde mehrheitlich vom Ausschuss gebilligt - gegen die Stimmen des Bündnisses für Karlsfeld, der Grünen und der SPD. Franz Trinkl (SPD) kritisierte etwa, dass die Tiny-House-Siedlung Flächenverschwendung sei. Wenn ein Landwirt heutzutage schon seine Fläche hergebe, müsse man doch alles herausholen und Mehrfamilienhäuser bauen, um möglichst viel Wohnraum zu schaffen: "Der Zuzug ist hoch, der Druck ist groß, da müssen wir nachverdichten", erklärt er auf Nachfrage.

Auch der Bündnis-Fraktionsvorsitzende Peter Neumann sieht die Pläne kritisch, denn für ihn sei Karlsfeld "schon an der Grenze des Wachstums". Er sagt: "Wir kommen weder mit dem Geld, noch mit der Infrastruktur nach." Auch die Partei von Heike Miebach (Grüne) hat die Planungen abgelehnt - grundsätzlich sei man nicht gegen die minimalistischen Häuser, aber das Karlsfelder Konzept sei "überhaupt nicht ökologisch". Es trage unter anderem zur Bodenversiegelung bei, wenn die Häuser im Grünzug gebaut, an das Kanalsystem angeschlossen und die Fundamente fest betoniert werden. Auch die Stadt Dachau hält wenig von den Eigenheimchen. Ohne Gegenstimme haben die Stadträte im Bauausschuss im Mai 2021 die Errichtung der Minihäuser im Stadtgebiet abgelehnt. Der Grund: Tiny Häuser mögen zwar klein sein, verbrauchen dennoch viel Fläche. Und die ist nicht nur in Karlsfeld ein knappes Gut.

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