Tim McMillan in Dachau Krokodiljäger und Golfballeinschläge

Tim McMillan lebt für ein halbes Jahr in Dachau. Der brillante Gitarrespieler hat sich bei seinem ersten Konzert als Fan des Oberbürgermeisters geoutet.

Von M. Staudinger

Wer den australischen Singer- und Songwriter Tim McMillan einmal privat kennenlernen will, muss eigentlich nichts weiter tun, als eines seiner Konzerte zu besuchen. Denn der 31-jährige Musiker beherrscht nicht nur seine Gitarre perfekt. Er ist auch wirklich unterhaltsam und scheut sich nicht, einschlägige Episoden aus seinem Leben zu berichten.

Tim McMillan (links) und sein Bassist Brad Lewis bei ihrem ersten Konzert am Schrannenplatz in Dachau.

(Foto: privat)

Was also erfährt der Zuhörer am Sonntagabend auf dem Schrannenplatz, als McMillan sein Einstandskonzert in Dachau gibt, wo er die kommenden sechs Monate in der Ruckteschell-Villa leben wird?

Er findet zunächst einmal heraus, dass McMillan und sein Bassist Brad Lewis furchtbar flexibel sind. Dicke Wolken nämlich hängen über der Altstadt - für ein Open Air denkbar ungünstig. Doch McMillan lässt das Publikum entscheiden, ob er drinnen in der Kultur-Schranne oder draußen spielen soll. Es wird ein Freiluftkonzert, die Mehrheit urteilt durch Klatschen.

Eine gute Entscheidung: Während des knapp zweistündigen Auftritts gesellen sich immer mehr Passanten hinzu und hören McMillans vielseitigem Gitarrenspiel, einer Mischung aus Folk, Klassik, Latin Jazz, Flamenco und Blues, zu.

Zwischen den Liedern berichtet McMillan viel über seine Heimat Australien, die er liebevoll nur den Busch nennt. Er spielt mit Klischees, wird dabei aber nicht platt. Der 31-Jährige erzählt von der Zeit, als er als Musikpädagoge arbeitete und zu freundlich zu den Klienten dort war. Oder von seinem Onkel, dem Krokodiljäger, der nur ein deutsches Wort kann (verboten) und glaubt, dass Johann Sebastian Bach noch immer Konzerte in Leipzig gibt.

Der Zuhörer weiß jetzt, dass McMillan einen Bruder hat, der Kabarettist ist, und eine Schwester, die in Sri Lanka in einem Büro arbeitet und dort einen Helm tragen muss - weil immer wieder Bälle des benachbarten Golfplatzes einschlagen. Das Wichtigste aber: McMillan ist ein großer Fan von Dachaus Oberbürgermeister Peter Bürgel (CSU).

Den lernte er im vergangenen Jahr nach seinem Konzert mit Aldi Meola auf dem Rathausplatz kennen. Beim Weißbiertrinken. Was McMillan vor allem in Erinnerung geblieben ist: sein Bart. Seine Freunde und Bekannten in Australien ist Bürgel längst ein Begriff - McMillan hat ihnen Fotos geschickt. Gleich sein erstes Lied am Sonntag widmet er dann auch seinem Gastgeber, schließlich lässt ihn die Stadt ein halbes Jahr lang kostenlos in der Ruckteschell-Villa wohnen. Als er erfährt, dass der OB wegen einer Dienstreise nicht da ist, sagt er: "Oh Peter, ungünstig." Und meint damit schade.

Ungünstig - das ist eines der deutschen und im besonderen bayerischen Worte, die McMillan bereits gelernt hat. Dazu kommen tollpatschig, Wolperdinger, Dingsbums und der Ausspruch "Schon klar". Witzig kombiniert der 31-Jährige deutsche und englische Fetzen zu einer ganz eigenen Sprache. "My fingers starting tut weh", zum Beispiel. Oder "I'm growing my Puschelbart".

Nun ist McMillan ja nicht nur Entertainer, sondern vor allem Musiker. Und ein brillanter noch dazu. Er glänzt mit virtuosem Spiel auf seiner Akustikgitarre. Das klingt manchmal abstrakt, manchmal entrückt, manchmal aber auch bekannt, wenn McMillan sich an Ideen anderer bedient - etwa der Melodie des Computerspiels Tetris oder dem Song "Africa" von Toto - und daraus ein ganz eigenes Werk schafft.

McMillan ist in Dachau angekommen, sein erstes Konzert macht Lust auf mehr. Wer den 31-Jährigen mal live spielen hören will, hat dazu bereits an diesem Dienstag, 5. Juli, Gelegenheit. McMillan ist bei der Blue Note Jam Session, die um 20 Uhr in der Kultur-Schranne beginnt, dabei.