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Theatertage Dachau:Nächster Halt: Trullala

Die Schauspielerin Karla Andrä und ihr Drei-Mann-Orchester verweben bekannte Kinderlieder zu einer abenteuerlichen Geschichte.

(Foto: Toni Heigl)

Faks-Theater dampft mit der "Dickmadam" durch die Kinderliederwelt

Von Lena Krafft, Dachau

"Halten Sie bitte Abstand, die einzelnen Gruppen nicht so dicht zusammen!", ruft Frank Striegler den ankommenden Zuschauern zu. Die Erwachsenen tragen Maske und rücken, ihre Kinder mitschiebend, schnell voneinander ab. Es ist eben nichts wie sonst, auch nicht bei den Dachauer Theatertagen. Dennoch ist Striegler, der Impresario und Gründer der Theatertage, auch in diesem Jahr wieder zufrieden. Es laufe gut bisher, sagt er.

Im Saal des Ludwig-Thoma-Hauses ist der Zuschauerraum in kleine Sitzgruppen mit maximal vier Stühlen aufgeteilt. Das Stück "Eine kleine Dickmadam" am Donnerstagnachmittag ist ausverkauft, trotzdem bleiben ein oder zwei Sitzgruppen leer. Die gute Stimmung verdirbt das nicht. Noch bevor die Mitglieder des Faks-Theaters Augsburg auf die Bühne kommen, stimmen einigen Kinder die "Schwäbisch Eisenbahn" an. Das Stück ist für Zuschauer ab drei Jahren, Schauspiel und Musik begegnen sich darin auf Augenhöhe. Was das heißt, wird schon kurz nach Beginn klar. Mit viel Rhythmus betritt die "Dickmadam" die Bühne und ihr Zug aus dem gleichnamigen Kinderreim rollt los. Quasi ohne Bühnenbild, nur mit einigen Requisiten und Kostümen, ein oder zwei Lichteffekten, aber vor allem mit ihren Instrumenten und kleinen schauspielerischen Einlagen schaffen Karla Andrä und ihre drei Musikanten es, die Welt der Kinderlieder lebendig werden zu lassen.

Bemerkenswert ist hier vor allem, wie das Quartett verschiedene Klassiker aus der Kinderliederkiste durch geschickte szenische Übergänge zu einer Geschichte verknüpft. Dabei ist Andrä die - beim Lied "Widewidewenne" sogar wortwörtliche - Dirigentin für "ihre Herren", wie sie die drei Musiker nennt, die sie auf ihrer Reise begleiten. Unter anderem mit Gitarre, Schlagzeug und Kontrabass untermalen sie die pantomimischen und schauspielerischen Einlagen und peppen die altbekannten Lieder und Abzählreime modern auf.

Dabei versucht die Gruppe auch immer wieder, das kleine Publikum einzubinden und zum Mitklatschen, -singen und zum Tanzen zu animieren. Die anfangs eher schüchternen Klatscher sind dann beim spätestens dritten obligatorischen "Trullala" der Eisenbahn nicht mehr zu halten, und auch die Großen schaukeln gerne mit. Beim Zwischenstopp des Zugs beim Bi-Ba-Butzemann und den schwäbischen Musikanten hält es dann einige Kinder auch nicht mehr auf den Stühlen. So rattert der Zug der Dickmadam nach knapp einer Stunde schließlich in den Endbahnhof ein und muss nur leider auf die eigentlich zur Zugabe gehörende Polonaise im Zuschauerraum verzichten. Andrä bedankt sich mehrmals ausdrücklich bei Frank Striegler; die Theatertage seien eine der ganz wenigen Veranstaltungen, die wegen Corona nicht abgesagt wurden.

Die Endstation der Dickmadam ist im Übrigen mit diesem letzten Auftritt der Gruppe endgültig, das ist allerdings nicht coronabedingt. Man höre zwar nicht ganz auf, erklärt Andrä, jedoch sei das Faks-Theater einfach erwachsen geworden und würde sich nun ganz dem "Theater für Große" widmen.

Im Anschluss der Vorstellung konnten die Lieder aus dem Stück allerdings noch auf CD für zu Hause gekauft werden, auch Plakate wurden noch an die kleinen Fans verteilt. Auf Nachfrage bei den Musikliebhabern im Miniformat konnte im Übrigen kein Lieblingslied ausgemacht werden, im Allgemeinen wurde das Stück sehr gelobt und vor allem "die Lieder zum Mitklatschen" fand bei den Kindern begeisterte Zustimmung. Im Grunde also: alle Lieder im Stück.

© SZ vom 24.10.2020
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